Re­nais­sance für die Quit­te

Heil­kräf­ti­ge Frucht wur­de einst von den Rö­mern zu uns ge­bracht – „Se­rie Heil­sa­me Na­tur“

Heuberger Bote - - SPAICHINGE­N / REGION - Von Hel­mut Gru­ner

- Man sieht sie wie­der öf­ter und so­gar auf Wo­chen­märk­ten oder in man­chen Su­per­märk­ten sind sie ab und zu zu fin­den: die Quit­ten. Das al­te Kern­obst er­lebt der­zeit ei­ne klei­ne Re­nais­sance. Zu­recht, wie der Spaichin­ger Heil­prak­ti­ker Hel­muth Gru­ner fin­det.

Die Quit­te be­sitzt ne­ben Vit­amin C auch ei­ne mo­de­ra­te Men­ge an den Vit­ami­nen E, B1 und B6 so­wie Ka­li­um, Ma­g­ne­si­um und Kup­fer. Sie be­steht zu 80 Pro­zent aus Was­ser und hat le­dig­lich 40 Ka­lo­ri­en pro 100 Gramm. Bei den Bal­last­stof­fen sind be­son­ders die Pek­ti­ne her­vor­zu­he­ben. Die­se ge­hö­ren zur Grup­pe der lös­li­chen Bal­last­stof­fe, wel­che sich auf den Darm be­son­ders vor­teil­haft aus­wir­ken. Sie bin­den die Fet­te so­wie Gal­len­säu­ren und Cho­le­ste­rin, so­dass die­se aus­ge­schie­den wer­den.

Auch Zu­cker wird viel lang­sa­mer re­sor­biert, wenn Pek­ti­ne im Darm vor­han­den sind, und so den Blut­zu­cker­spie­gel im Lot hal­ten. Mitt­ler­wei­le ha­ben schon ei­ni­ge Stu­di­en ge­zeigt, dass Quit­ten auf die­se Wei­se den Cho­le­ste­rin­spie­gel sen­ken und so Dia­be­tes vor­beu­gen kön­nen. Da die­se Pek­ti­ne im Darm auch Stof­fe wie Schwer­me­tal­le bin­den hel­fen, die­nen sie dem Or­ga­nis­mus zur Ent­gif­tung. Selbst ra­dio­ak­ti­ve Par­ti­kel wie Ca­e­si­um, Stron­ti­um oder Plu­to­ni­um wer­den von Pek­ti­nen ge­bun­den und über den Darm aus­ge­lei­tet, wie man auf­grund von tscher­no­byl­ge­schä­dig­ten Kin­dern in Weiß­russ­land weiß.

Quit­ten ent­hal­ten an­ti­oxi­da­tiv wirk­sa­me Stof­fe, zum Bei­spiel Fla­vo­no­ide, wel­che den Kör­per vor frei­en Ra­di­ka­len schüt­zen. Da­zu ge­hört Qu­er­ce­tin. Et­li­che Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass Qu­er­ce­tin ge­gen Ent­zün­dun­gen und All­er­gi­en wirkt, das Wachs­tum des Bak­te­ri­ums Hei­lo­bac­ter

py­lo­ri hemmt, so­wie Gicht, Herz­er­kran­kun­gen und Krebs vor­beu­gen kann.

Au­ßer­dem ent­hält die Quit­te Gerb­stof­fe, die eben­falls zur po­si­ti­ven Wir­kung auf die Ver­dau­ung bei­tra­gen kön­nen – die so­ge­nann­ten

Tan­ni­ne. Die­se kom­men in der Me­di­zin be­reits auf­grund ih­rer zu­sam­men­zie­hen­den Wir­kung als blut­stil­len­de Mit­tel, und bei In­fek­tio­nen zum Ein­satz. Selbst bei Ar­te­rio­skle­ro­se sol­len Tan­ni­ne vor­teil­haft sein. Dies ha­ben Wis­sen­schaft­ler der „Uni­ver­si­ty of Sar­god­ha“in Pa­kis­tan be­stärkt.

Die Quit­te wirkt zu­sätz­lich an­ti­bak­te­ri­ell und an­ti­vi­ral, hus­ten­lin­dernd, ent­wäs­sernd, le­ber­schüt­zend, cho­le­ste­rin­sen­kend, an­ti­de­pres­siv und ge­gen Durch­fall.

2010 wur­de in der Fach­zeit­schift Jour­nal of Ag­ri­cul­tu­ral and Food Che­mis­try der ers­te Be­richt über das Po­ten­ti­al der Quit­te als An­ti-Krebs­mit­tel ver­öf­fent­licht. Por­tu­gie­si­sche For­scher von der Uni­ver­si­ty Fer­nan­do Pes­soa ha­ben da­bei die hem­men­den Ei­gen­schaf­ten der Quit­te in Be­zug auf mensch­li­che Krebs­zel­len un­ter­sucht.

Fran­zö­si­sche Wis­sen­schaft­ler ha­ben dar­über hin­aus fest­ge­stellt, dass mit ein­zel­nen iso­lier­ten Wirk­stof­fen – im Ver­gleich zu der na­tür­li­chen Wirk­stoff­kom­bi­na­ti­on der Quit­te – kei­ne be­frie­di­gen­den Er­geb­nis­se er­zielt wer­den konn­ten.

In un­se­ren west­li­chen In­dus­trie­na­tio­nen hat mitt­ler­wei­le ein Vier­tel der Be­völ­ke­rung im­mer wie­der Sod­bren­nen. Wenn die­se Sym­pto­me im­mer wie­der auf­tre­ten, spricht man von ei­ner Re­flux­krank­heit. Dar­un­ter lei­den auch im­mer mehr Kin­der ha­ben ira­ni­sche Wis­sen­schaft­ler von der Shi­raz Uni­ver­si­ty of Me­di­cal Sci­en­ces un­ter­sucht. Da­bei gab es er­staun­li­che Er­geb­nis­se.

FO­TO: MA­SCHA BRICHTA

Quit­ten schme­cken nach der Ver­ar­bei­tung – und sind ein Ge­sund­heits­All­roun­der.

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