Ein Bild von ei­nem Men­schen

Neue 3-D-Kör­per­scan­ner sol­len die plas­ti­sche Chir­ur­gie un­ter­stüt­zen – Bes­se­re Er­geb­nis­se et­wa nach Brust-OPs

Heuberger Bote - - GESUNDHEIT - Von El­ke Rich­ter

(dpa) - Bis­lang muss­te, wer et­wa ei­nen neu­en Bu­sen ge­stal­tet be­kam, auf gu­tes Au­gen­maß sei­nes Ope­ra­teurs hof­fen. Das soll sich än­dern: In der Münch­ner Uni­k­li­nik steht den plas­ti­schen Chir­ur­gen künf­tig der ers­te 3-D-Ganz­kör­per­scan­ner Deutsch­lands zur Sei­te. Die Me­di­zi­ner er­hof­fen sich da­von ei­ni­ges, nicht nur bei Schön­heits­ope­ra­tio­nen jeg­li­cher Art, son­dern auch bei der Be­kämp­fung von Haut­krebs.

„Da wird mit ei­ner ein­zi­gen Auf­nah­me ein ge­sam­tes Bild der Kör­per­ober­flä­che ge­macht, und zwar nicht nur von der Haut selbst, mit ih­ren Lä­sio­nen und Mut­ter­ma­len, son­dern auch vom Kör­per­vo­lu­men“, er­klärt Ric­car­do Gi­un­ta, Di­rek­tor der Plas­ti­schen Chir­ur­gie der Uni­k­link. „Wir kön­nen da­mit ein 3-D-Mo­dell vom Ge­sicht, der Brust, dem Bauch und auch dem gan­zen Kör­per ma­chen, und das spielt bei je­der Art der kör­per­for­men­den Ein­grif­fe der plas­ti­schen Chir­ur­gie ei­ne Rol­le.“

High­tech statt Au­gen­maß für die neue Brust

Ein Bei­spiel sind Brus­t­re­kon­struk­tio­nen, et­wa nach krebs­be­ding­ten Am­pu­ta­tio­nen. „Bis­her war man da auf Au­gen­maß an­ge­wie­sen und ein paar Mess­wer­te vom Maß­band, aber so hat man tat­säch­lich ei­ne ex­ak­te Vo­lu­men­mes­sung mit ei­nem re­la­tiv ein­fa­chen Ver­fah­ren“, er­läu­tert Gi­un­ta. Die Me­di­zi­ner wis­sen dank der neu­en Tech­nik, wie viel Kör­per­fett sie für die neue Brust be­nö­ti­gen und wie die­se ge­formt sein muss, da­mit es sym­me­trisch aus­schaut.

Der Prä­si­dent der Deut­schen Ge­sell­schaft der Plas­ti­schen, Re­kon­struk­ti­ven und Äs­t­he­ti­schen Chir­ur­gen,

Lu­kas Prantl von der Uni­k­li­nik Re­gens­burg, ist des­halb auch recht an­ge­tan von dem neu­en Scan­ner, von dem bis­lang welt­weit rund zehn Ex­em­pla­re im Ein­satz sind. „Die­ses Ima­ging ist ganz be­deu­tend, das ist wirk­lich ein Zu­kunfts­the­ma. Da wird in den nächs­ten Jah­ren in Kom­bi­na­ti­on mit künst­li­cher In­tel­li­genz ei­ni­ges auf uns zu­kom­men, was uns vie­le Ar­beits­schrit­te er­leich­tern wird.“

Die For­schung ar­bei­tet schon lan­ge dar­an, wie Pa­ti­en­ten bild­lich op­ti­mal er­fasst wer­den kön­nen, um zum ei­nen The­ra­pi­en bes­ser pla­nen und zum an­de­ren den Er­folg hin­ter­her ob­jek­tiv mes­sen zu kön­nen. Das ist ge­ra­de bei der plas­ti­schen Chir­ur­gie mit ih­rer un­mit­tel­ba­ren Aus­wir­kung auf das Aus­se­hen der Pa­ti­en­ten wich­tig. „Der Scan­ner in Mün­chen ist von dem, was er leis­ten kann, ganz weit vor­ne dran“, ur­teilt Prantl. Zu­gleich schränkt er je­doch ein: „Was man jetzt noch nicht ganz ab­wä­gen kann, ist, wel­ches Pro­dukt schluss­end­lich für den Pa­ti­en­ten und uns Me­di­zi­ner das bes­te ist und sich durch­setzt.“

Schon heu­te ar­bei­ten die Chir­ur­gen mit Ka­me­ras und mit drei­di­men­sio­na­len Mo­del­len und -si­mu­lie­run­gen. Laut Prantl ist der Vor­teil der 250 000 Eu­ro teu­ren Neu­an­schaf­fung der Münch­ner aber die Ob­jek­ti­vi­tät: Der Pa­ti­ent steht zwi­schen zwei fu­tu­ris­tisch ge­bo­ge­nen Ge­bil­den, die an das Raum­schiff-De­sign in Science-Fic­tion-Fil­men er­in­nern. Dar­in ver­steckt sind 92 hoch­auf­lö­sen­de HD-Ka­me­ras, de­ren Auf­nah­men von der Soft­ware zu ei­nem drei­di­men­sio­na­len Bild des Pa­ti­en­ten zu­sam­men­ge­rech­net wer­den.

„Das ist si­cher in der Kom­ple­xi­tät der Ab­lich­tung ei­ne Neue­rung“, ur­teilt auch Kon­stan­tin Ni­ko­laou, Wis­sen­schafts­ko­or­di­na­tor der Deut­schen

Rönt­gen­ge­sell­schaft. Die de­tail­lier­te Kör­per­ober­flä­chen­auf­nah­me, die kleins­te Ve­rän­de­run­gen sicht­bar ma­che, sei in der Me­di­zin viel­sei­tig nutz­bar.

Ni­ko­laou ist über­zeugt: „Man wird ver­schie­de­ne Ka­te­go­ri­en die­ser 3-D-Tech­nik se­hen, mit ver­schie­de­nen An­wen­dun­gen. Das ist ei­ne brei­te Spiel­wie­se.“So könn­ten 3-D-Scan­ner in der Ra­dio­lo­gie die Strah­len­be­las­tung so­wohl für den Pa­ti­en­ten als auch für das me­di­zi­ni­sche Per­so­nal durch ei­ne ka­me­ra­über­prüf­te und da­durch höchst ex­ak­te Po­si­tio­nie­rung im Raum deut­lich re­du­zie­ren.

Der Kör­per wird bei­na­he zur Land­kar­te

Gi­un­ta, der in Mün­chen seit Sep­tem­ber mit dem neu­en Scan­ner ar­bei­tet, sieht auch die Der­ma­to­lo­gie als Nutz­nie­ßer. „Mit der Soft­ware ist es mög­lich, die gan­zen Haut­lä­sio­nen in Be­zug auf Farb­un­re­gel­mä­ßig­kei­ten oder Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten des Ran­des, al­so Ri­si­ko­fak­to­ren auf Bös­ar­tig­keit, zu prü­fen.“An­ders als bei bis­her üb­li­chen Ver­fah­ren zur Do­ku­men­ta­ti­on sei da­bei je­des ein­zel­ne Mut­ter­mal ein­deu­tig ei­nem be­stimm­ten Ort auf dem Kör­per zu­or­den­bar, „wie auf ei­ner Art Land­kar­te“.

Den­noch ist das Prä­si­di­ums­mit­glied der Deut­schen Der­ma­to­lo­gi­schen Ge­sell­schaft, Pe­ter Els­ner von der Uni­k­li­nik Je­na, skep­tisch. „Nicht je­des neue Ge­rät oder Ver­fah­ren ist sinn­voll und si­cher für Pa­ti­en­ten.“Ob der 3-D-Scan­ner tat­säch­lich ei­ne Ver­bes­se­rung der Haut­krebs-Früh­dia­gnos­tik er­mög­li­che, müss­ten wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en zei­gen. „Sol­che lie­gen nach un­se­rer Er­kennt­nis bis­her nicht vor.“Bis da­hin sei ei­ne se­riö­se Ein­schät­zung des Po­ten­zi­als des Ge­räts nicht mög­lich.

FO­TO: PE­TER KN­EF­FEL

An­schau­ungs­ob­jekt: Ein männ­li­cher Pro­band steht bei ei­ner Pres­se­vor­füh­rung im ers­ten 3-D-Ganz­kör­per­scan­ner Deutsch­lands. Welt­weit gibt es nur zehn die­ser Ge­rä­te. Sie sol­len un­ter an­de­rem bei Brus­t­re­kon­struk­tio­nen nach Brust­krebs neue Be­hand­lun­gen er­mög­li­chen.

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