Ei­ner sei­ner größ­ten Sie­ge

An­dy Mur­ray ist nach zwei Hüft­ope­ra­tio­nen wie­der da – Statt En­de der Ten­nis­kar­rie­re Tri­umph in Ant­wer­pen

Heuberger Bote - - SPORT -

(dpa/SID) - Zwi­schen den Trä­nen der Ver­zweif­lung und de­nen der Freu­de und Ge­nug­tu­ung la­gen bei An­dy Mur­ray neun lan­ge Mo­na­te. Mit­te Ja­nu­ar hat­te der Bri­te kurz vor den Aus­tra­li­an Open schwe­ren Her­zens und mit sto­cken­der Stim­me an­ge­kün­digt, dass er sei­ne Ten­nis­kar­rie­re bald be­en­den wer­de. Die Hüf­te schmerz­te so sehr, dass selbst das nor­ma­le Ge­hen Pro­ble­me be­rei­te­te. Als letz­tes Ziel gab Mur­ray den Start in sei­nem ge­lieb­ten Wim­ble­don im Dop­pel oder Mi­xed aus – mehr schien der Kör­per der eins­ti­gen Num­mer 1 der Welt nicht mehr her­zu­ge­ben.

Ein Drei­vier­tel­jahr spä­ter ver­sag­te Mur­ray am Mi­kro­fon er­neut die Stim­me. Die­ses Mal aber vor Freu­de, denn was nie­mand – am we­nigs­ten er selbst – für mög­lich ge­hal­ten hat­te, wur­de am Sonn­tag in Ant­wer­pen wahr. Durch ein 3:6, 6:4, 6:4 ge­gen den Schwei­zer Stan Wa­wrin­ka hol­te sich Mur­ray sei­nen ers­ten Tur­nier­sieg seit März 2017 und krön­te da­mit sein Come­back nach der zwei­ten Hüft­ope­ra­ti­on En­de Ja­nu­ar in Aus­tra­li­en.

„Ein­fach nur stolz“

Nach dem ver­wan­del­ten Match­ball setz­te sich Mur­ray erst ein­mal auf sei­nen Stuhl, drück­te sein Ge­sicht auf das dunk­le Schweiß­band am rech­ten Arm und ließ sei­nen Trä­nen frei­en Lauf. „Das ist ei­ner der größ­ten Sie­ge, die ich je hat­te“, sag­te er spä­ter. „Nach all dem, was in den ver­gan­ge­nen Jah­ren pas­siert ist, bin ich ein­fach nur stolz.“

Schon un­mit­tel­bar nach dem kom­pli­zier­ten Ein­griff hat­te Mur­ray sich deut­lich bes­ser ge­fühlt. Das To­ben mit den bei­den Töch­tern funk­tio­nier­te nun wie­der oh­ne schmerz­ver­zerr­tes Ge­sicht, auch die ers­ten leich­ten Ein­hei­ten mit dem Ten­nis­schlä­ger in der Hand ver­lie­fen po­si­tiv. Dass es mit der Rück­kehr auf die Tour klap­pen wür­de, war aber kei­nes­wegs klar – für Mur­ray aber auch nicht mehr das Wich­tigs­te. Er ha­be fest­ge­stellt, dass ihm Ten­nis zwar sehr wich­tig sei, „aber es geht mir auch oh­ne gut, was mir vor­her nicht be­wusst war“.

Beim Mas­ters-Event un­längst in Schang­hai er­leb­ten die Zu­schau­er be­reits wie­der den Mur­ray, den sie auf der Ten­nis­tour so lie­ben ge­lernt und so lan­ge ver­misst hat­ten: Mur­ray kämpf­te, Mur­ray ha­der­te, Mur­ray fluch­te. Und ob­wohl er die Par­tie ge­gen den Ita­lie­ner Fa­bio Fo­gni­ni nach har­tem Kampf im Tie­break des drit­ten Sat­zes ver­lor, war sie doch der letz­te Be­weis, dass mit dem drei­ma­li­gen Grand-Slam-Cham­pi­on wirk­lich wie­der zu rech­nen ist.

„Schön, dich zu­rück­zu­ha­ben, und Glück­wunsch zu ei­nem star­ken Tur­nier“, sag­te der un­ter­le­ge­ne Stan Wa­wrin­ka nun, der eben­falls im­mer wie­der von Ver­let­zun­gen zu­rück­ge­wor­fen wur­de und Mur­rays Leis­tung da­her wie kaum ein an­de­rer ein­zu­ord­nen weiß. Folg­lich lob­te er sei­ne Be­zwin­ger: „Dich wie­der auf die­sem Ni­veau spie­len zu se­hen, ist wun­der­bar.“

Mur­ray („Ich ha­be kei­ne Schmer­zen, und das ist groß­ar­tig. Das er­laubt mir, so zu spie­len – und ich ge­nie­ße es, das zu tun“) reis­te nach sei­nem Tri­umph erst ein­mal zu­rück in die Hei­mat zu sei­ner Frau Kim Se­ars, die bald das drit­te ge­mein­sa­me Kind er­war­tet. „Sie war in der ver­gan­ge­nen Zeit ganz be­son­ders wich­tig“, zi­tier­te „The Guar­di­an“Mur­ray. Und im Ge­fühl des sport­li­chen Glücks­ge­fühls war der Bri­te auch wie­der zum Scher­zen auf­ge­legt. „Ich ha­be bald drei Kin­der un­ter vier Jah­ren. Ich muss un­ter­wegs sein, da­mit wir nicht die Kon­trol­le ver­lie­ren.“

Rück­kehr ins Da­vis-Cup-Team

Der Sieg von Ant­wer­pen hat An­dy Mur­ray in der Welt­rang­lis­te schon wie­der weit nach oben ge­spült – von Platz 243 auf 127. Die Top 100 sind al­so in Sicht. Die Aus­tra­li­an Open 2020 auch. Vor­her wird An­dy Mur­ray aber noch erst­mals seit 2016 wie­der für die Bri­ten im Da­vis Cup im Ein­satz sein. Von Rück­tritt re­det nie­mand mehr.

FO­TOS: DPA

„Ich ha­be kei­ne Schmer­zen, und das ist groß­ar­tig. Das er­laubt mir, so zu spie­len – und ich ge­nie­ße es, das zu tun“: An­dy Mur­ray wäh­rend (rechts) und nach dem 3:6, 6:4, 6:4 ge­won­ne­nen Fi­na­le ge­gen Stan Wa­wrin­ka.

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