„Lie­be zur Selbst­dar­stel­lung ist Mo­ti­va­ti­on“

Götz Als­mann, der Sams­tag, 26. Ok­to­ber, in der Stadt­hal­le auf­tritt, zu sei­ner „Welt­rei­se-Tri­lo­gie“

Heuberger Bote - - TUTTLINGEN -

- Nach sei­nen Auf­trit­ten mit „In Pa­ris“und „Am Broad­way“gas­tiert Götz Als­mann am Sams­tag, 26. Ok­to­ber, auch mit dem drit­ten und letz­ten Teil sei­ner mu­si­ka­li­schen Welt­rei­se-Tri­lo­gie in Tutt­lin­gen. Mit „Götz Als­mann in Rom“ent­führt der Mo­de­ra­tor, Mul­ti­in­stru­men­ta­list, En­ter­tai­ner und Band­lea­der das Pu­bli­kum mu­si­ka­lisch in die ewi­ge Stadt. Die Mu­sik spielt im Le­ben von Götz Als­mann ei­ne wich­ti­ge, be­deu­ten­de Rol­le: Mu­sik ist sein Le­ben. Un­se­re Mit­ar­bei­te­rin Clau­dia Ste­ckeler un­ter­hielt sich mit ihm.

Herr Als­mann, stam­men Sie aus ei­ner mu­si­ka­li­schen Fa­mi­lie?

Mu­sik hat­te bei uns zu­hau­se ei­nen ho­hen Stel­len­wert. Sie war in mei­ner Fa­mi­lie ein wich­ti­ger Fak­tor, mei­ne Fa­mi­lie war mu­sik­be­geis­tert, aber es gab kei­ne prak­ti­zie­ren­den Mu­si­ker.

Sie be­ka­men mit acht Jah­ren Kla­vier­un­ter­richt. War­um aus­ge­rech­net Kla­vier?

Wir hat­ten im Kin­der­gar­ten ein Kla­vier, das stets zu be­son­de­ren An­läs­sen ge­spielt wur­de. Ich stand oft stau­nend vor die­ser Wun­der­kis­te und für mich war schon sehr früh klar, dass ich Mu­sik ma­chen woll­te. Ich star­te­te dann auch ganz klas­sisch mit der Block­flö­te.

Sie spie­len zum Bei­spiel aber auch Ban­jo, Man­do­li­ne, Steel Gui­tar, hat­ten Sie dar­in auch Un­ter­richt

Nein, das ha­be ich mir al­les selbst bei­ge­bracht. Wer Kla­vier spielt, hat ei­ne op­ti­sche Vor­stel­lung von Mu­sik. Dies hilft ei­nem bei neu­en In­stru­men­ten, denn man hat das Bild der An­ord­nung der Tö­ne auf den Kla­vier­tas­ten im Kopf und kann die­se dann um­set­zen.

War­um ha­ben Sie sich auf den Jazz-Be­reich spe­zia­li­siert?

In mei­ner Fa­mi­lie wur­de po­pu­lä­re Klas­sik ge­nau wie Jazz ge­hört. So wur­de mein In­ter­es­se da­für be­reits schon früh ge­weckt. Die an­de­ren Stil­rich­tun­gen, in de­nen ich mich als Te­enager tum­mel­te, wie Folk, Coun­try oder Skiff­le, wa­ren mehr die Krü­cken, um pro­fes­sio­nell im Jazz Fuß zu fas­sen.

Wur­de mit dem De­pe­che Mo­deHit „Peop­le Are Peop­le“, den Sie swin­gend ar­ran­gier­ten, der Grund­stein für Ih­re Kar­rie­re ge­legt?

Das war da­mals die Plat­te, die un­se­ren Stu­den­ten-Ulk zum Be­ruf mach­te. Ich war 28 Jah­re alt, be­en­de­te mein Stu­di­um, hat­te ei­ni­ge LP’s pro­du­ziert, die al­le kom­plett un­ver­käuf­lich wa­ren. Ich frag­te mich, wie es be­ruf­lich wei­ter­ge­hen soll­te, und Mu­sik war ei­ne Op­ti­on. Dann kam „Peop­le Are Peop­le“.

Sie ha­ben sich für die Mu­sik ent­schie­den...

Ja, ich merk­te, dass die 80er-Jah­re ei­ne gu­te Pha­se für Li­ve-Mu­sik wa­ren. In die­ser Zeit ver­dien­te ich mit der Band, die erst­mals mei­nen Na­men trug, pas­sa­bles Geld. Der Song von De­pe­che Mo­de öff­ne­te mir die Tü­ren der Ra­dio- und Fern­seh­stu­di­os. Das war der ent­schei­den­de An­stoß für mei­ne pro­fes­sio­nel­le Mu­si­ker­kar­rie­re.

Sie wa­ren als Mo­de­ra­tor im Rund­funk und im Fern­se­hen tä­tig, spiel­ten in Ope­ret­ten, nah­men Hör­bü­cher auf, wa­ren mit der Band un­ter­wegs – und dann gab es noch die Fa­mi­lie?

Im Grun­de ge­nom­men ha­be ich ja drei Be­ru­fe – Mo­de­ra­tor im Ra­dio, Mo­de­ra­tor beim Fern­se­hen so­wie Mu­si­ker - und bin viel un­ter­wegs. In Spit­zen­zei­ten wa­ren da schon mal 130 Kon­zer­te und über 40 Dreh­ta­ge im Jahr. Aber es hat sich al­les im­mer gut ge­fügt und re­geln las­sen.

1997 ha­ben Sie be­gon­nen, be­kann­te Jazz-Stan­dards auf Deutsch auf­zu­neh­men. War­um?

Ich ha­be ge­merkt, wie zu­hau­se ich mich in der Spra­che füh­le, in der ich Wit­ze er­zäh­le, in der ich träu­me. Sie steht im Ge­gen­satz zu dem an­ge­lern­ten emo­tio­na­len Re­per­toire frem­der Spra­chen. Es fühlt sich völ­lig an­ders an, wenn man sich im mut­ter­sprach­li­chen Ge­dan­ken­gang be­wegt und wie­der­fin­det.

Was gab den An­stoß da­zu?

Mei­ne Band und ich be­glei­te­ten 1994 im NDR in un­se­rer da­ma­li­gen TVShow ver­schie­dens­te Leu­te, Schau­spie­ler, be­kann­te Per­sön­lich­kei­ten, die sich ei­nen Wunsch er­füll­ten und eng­lisch­spra­chi­ge Songs san­gen. Der Re­dak­teur reg­te an, un­se­ren mu­si­ka­li­schen Ei­gen­an­teil dem Pu­bli­kum zu­lie­be deutsch­spra­chig zu gestal­ten.

Wie kann man sich das vor­stel­len?

Wir nah­men und ar­ran­gier­ten Stü­cke von den 20er- bis hin zu den 60er Jah­ren und such­ten nach his­to­ri­schen deut­schen Tex­ten. Die­sem Prin­zip folgt auch die Tri­lo­gie „Pa­ris“,

„New York“und nun zum En­de „Rom“, bei der Chan­sons, ame­ri­ka­ni­sche Ever­greens und ita­lie­ni­sche Schla­ger-Ever­greens auf Deutsch neu in­ter­pre­tiert wur­den.

Herr Als­mann, Sie bren­nen förm­lich für die Mu­sik. Sie sind neu­gie­rig, spru­deln über vor Ide­en. Wo­her neh­men Sie die Mo­ti­va­ti­on da­zu?

Es ist zum ei­nen die Lie­be zur Mu­sik. Es ist aber auch die Lie­be zur Selbst­dar­stel­lung, denn wer auf der Büh­ne steht, be­nö­tigt ei­ne ge­hö­ri­ge Por­ti­on an Ei­tel­keit, die ich selbst­ver­ständ­lich, wie al­le Büh­nen­men­schen, be­sit­ze. Und ich bin un­ei­tel ge­nug, es zu­zu­ge­ben. Aber es ist auch der Ap­plaus, der Zu­spruch, die Re­so­nanz, die ei­nen im­mer wie­der be­feu­ert. Das Pu­bli­kum ist die un­be­strit­te­ne Trieb­fe­der.

FO­TO: FABIO LOVINO BLUE NO­TE GER­MA­NY

Götz Als­mann tritt am Sams­tag, 26. Ok­to­ber, wie­der in Tutt­lin­gen auf.

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