Mäd­chen un­ter Dro­gen ge­setzt?

Er­mitt­ler nen­nen De­tails zu mut­maß­li­cher Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung im Alb-Do­nau-Kreis an Hal­lo­ween

Heuberger Bote - - ERSTE SEITE - Von Jo­han­nes Rau­neker

(dpa) - Nach der mut­maß­li­chen Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung ei­ner 14Jäh­ri­gen im Alb-Do­nau-Kreis sind erste De­tails aus den Er­mitt­lun­gen be­kannt ge­wor­den. Nach An­ga­ben der Po­li­zei und der Staats­an­walt­schaft Ulm könn­ten dem Mäd­chen Dro­gen ver­ab­reicht wor­den sein. Da­von gin­gen die Er­mitt­ler nach der Aus­wer­tung der to­xi­ko­lo­gi­schen Un­ter­su­chung aus. Ins­ge­samt wer­den fünf Asyl­be­wer­ber ver­däch­tigt, die 14-Jäh­ri­ge am Hal­lo­ween-Abend miss­braucht zu ha­ben.

- Drei jun­ge Asyl­be­wer­ber sit­zen in Haft, ei­ne Re­gi­on ist ver­un­si­chert. An Hal­lo­ween soll ei­ne 14-Jäh­ri­ge von meh­re­ren jun­gen Män­nern in ei­ner klei­nen Ge­mein­de süd­lich von Ulm ver­ge­wal­tigt wor­den sein. Zu den Hin­ter­grün­den der Tat hält sich die Staats­an­walt­schaft weit­ge­hend be­deckt. Nun teilt sie aber mit, dass das Mäd­chen mit Dro­gen be­täubt wor­den sei. Da­von ge­hen die Er­mitt­ler nach ei­ner Aus­wer­tung der to­xi­ko­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen aus. Im Blut des Mäd­chens sei­en ver­schie­de­ne Rausch­gif­te nach­ge­wie­sen wor­den. Ob ei­ne Un­ter­su­chung des Mäd­chens Hin­wei­se auf ei­ne Ver­ge­wal­ti­gung er­ge­ben hat, wur­de nicht mit­ge­teilt.

Schwer be­waff­net hat­te die Po­li­zei in ei­ner Ge­mein­de im Il­ler­tal am ver­gan­ge­nen Frei­tag ei­ne Woh­nung ge­stürmt, in der ei­ner oder meh­re­re Asyl­be­wer­ber le­ben. Ins­ge­samt wur­den vier Woh­nun­gen durch­sucht: au­ßer in der Il­ler­tal-Ge­mein­de, die im Alb-Do­nau-Kreis liegt, in Stutt­gart so­wie im Fil­s­tal. Das Er­geb­nis: fünf vor­läu­fi­ge Fest­nah­men. Zwei Ver­däch­ti­ge (14 und 24), eben­falls Asyl­be­wer­ber wur­den wie­der auf frei­en Fuß ge­setzt.

Die drei in Un­ter­su­chungs­haft sit­zen­den Tat­ver­däch­ti­gen im Al­ter von 15, 16 und 26 Jah­ren sei­en ver­nom­men, ih­re Han­dys aus­ge­wer­tet. Das Mäd­chen wur­de von ei­nem Gy­nä­ko­lo­gen un­ter­sucht, sag­te der Pres­se­spre­cher der Staats­an­walt­schaft Ulm, Michael Bi­schof­ber­ger. Er äu­ßer­te sich al­ler­dings nicht da­zu, ob die jun­gen Män­ner zu den Vor­wür­fen Stel­lung ge­nom­men ha­ben. Auch die Na­tio­na­li­tä­ten der Ver­däch­ti­gen nann­te er nicht.

Auf ihr Op­fer sol­len die Ver­däch­ti­gen in Ulm ge­trof­fen sein. In der Hal­lo­ween-Nacht vom 31. Ok­to­ber auf den 1. No­vem­ber, Al­ler­hei­li­gen. Die 14-Jäh­ri­ge soll ei­nen Mann aus der Grup­pe der Ver­däch­ti­gen be­reits ge­kannt ha­ben. Und sie soll be­reits beim Zu­sam­men­tref­fen in Ulm „Al­ko­hol kon­su­miert“und ein­ge­wil­ligt ha­ben, so die Staats­an­walt­schaft am Mitt­woch, „mit den Ver­däch­ti­gen in ei­ne Woh­nung im Il­ler­tal zu ge­hen“.

Der Bür­ger­meis­ter der Ge­mein­de gab sich ge­gen­über der „Schwä­bi­schen Zei­tung“schmal­lip­pig. Er kön­ne und wer­de zu dem Fall kei­ne An­ga­ben ma­chen.

Was sich in be­sag­ter Woh­nung er­eig­net hat, das ver­su­chen nun Staats­an­walt­schaft und Po­li­zei zu er­mit­teln.

Am Mitt­woch äu­ßer­te sich auch Ulms Ober­bür­ger­meis­ter Gun­ter Czisch in zwei State­ments. Die Schuld an die­ser Tat lie­ge, so Czisch, „aus­schließ­lich und ein­deu­tig“bei den mut­maß­li­chen Tä­tern. Er ha­be „kei­nen Zwei­fel dar­an“, so der CDUPo­li­ti­ker wei­ter, „dass Po­li­zei und Staats­an­walt­schaft der Er­mitt­lung und Be­stra­fung der Tä­ter mit all ih­ren ver­füg­ba­ren Mit­teln nach­ge­hen wer­den“. Ein sol­ches Ver­bre­chen sei „schreck­lich und kaum zu fas­sen“. Er sei dank­bar „für die schnel­le Re­ak­ti­on der Si­cher­heits­be­hör­den. Das ist ein ganz wich­ti­ges Si­gnal. Der Rechts­staat muss jetzt kla­re Kan­te zei­gen. Und zwar egal wo­her je­mand kommt.“

Czischs erste Ein­las­sung hat­te vor al­lem in so­zia­len Netz­wer­ken zu Dis­kus­sio­nen ge­führt: „Ich fra­ge mich al­ler­dings, was ein 14-jäh­ri­ges Mäd­chen nachts in Ulm will. El­tern ha­ben die Pflicht, da­für zu sor­gen, dass ein min­der­jäh­ri­ges Mäd­chen nicht al­lein in der Stadt rum­läuft. Ich sa­ge das so deut­lich, weil wir al­le in die Pflicht neh­men müs­sen, wenn wir sol­che Fäl­le ver­hin­dern wol­len.“

Am Abend ru­der­te Czisch zu­rück. Er be­daue­re es, dass sei­ne ur­sprüng­li­che Äu­ße­rung „miss­ver­ständ­lich“ge­we­sen sei: „Selbst­ver­ständ­lich trägt das Mäd­chen kei­ner­lei Schuld.“

Die Er­mitt­ler nah­men die El­tern des Mäd­chens am Mitt­woch in­di­rekt in Schutz. Die­se sei­en da­von aus­ge­gan­gen, dass ih­re Toch­ter in be­sag­ter Hal­lo­ween-Nacht in Be­glei­tung ih­rer Freun­din­nen in Ulm un­ter­wegs war.

In Frei­burg sorgt der­zeit der Pro­zess um die Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gung ei­ner 18-Jäh­ri­gen vor ei­ner Dis­co für Auf­se­hen. Der Pro­zess hat En­de Ju­ni be­gon­nen. An­ge­klagt sind elf Män­ner im Al­ter von 18 bis 30 Jah­ren – die meis­ten von ih­nen Flücht­lin­ge. Ih­nen wird Ver­ge­wal­ti­gung oder un­ter­las­se­ne Hil­fe­leis­tung vor­ge­wor­fen. Die An­ge­klag­ten be­strei­ten dies oder schwei­gen zu den Vor­wür­fen.

FO­TO: DPA

Po­li­zei und Staats­an­walt prü­fen, mit wel­cher Dro­ge das Mäd­chen be­täubt wur­de. Vor K.o.-Trop­fen ha­ben vie­le jun­ge Frau­en Angst.

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