Za­b­rze oder Köln – Haupt­sa­che Pol­di

Heuberger Bote - - SPORT -

Horst Heldt, der neue Ma­na­ger des 1. FC Köln, hat sich po­si­tiv über ei­ne mög­li­che Rück­kehr von Club­I­ko­ne (Foto: dpa) ge­äu­ßert. „Ich glau­be, es ist im­mer wich­tig, ver­dien­te Spie­ler an den Ver­ein zu bin­den und ein­zu­bau­en. Er hat Her­aus­ra­gen­des für den FC ge­leis­tet“, sag­te der 49Jäh­ri­ge. Al­ler­dings müs­se der Welt­meis­ter von 2014, des­sen Ver­trag bei Vis­sel Ko­be in Ja­pan im Ja­nu­ar en­det, und der an­geb­lich über ein En­ga­ge­ment bei Gor­nik Za­b­rze in sei­nem Ge­burts­land Po­len nach­denkt, zu­nächst ei­ne Ent­schei­dung über sei­ne sport­li­che Zu­kunft tref­fen. Soll­te die­se ge­trof­fen sein, „ist es ei­ne Ver­pflich­tung für uns, ihn in den Ver­ein maß­ge­recht ein­zu­bau­en. Von mir aus ist er herz­lich will­kom­men“. (SID)

Lu­kas Po­dol­ski

Him­mel­hoch jauch­zend und zu To­de be­trübt – bei­de Ge­fühls­la­gen hat Bocht­ler, der ins­ge­samt 54 Li­ga­spie­le für den VfB mach­te, ge­gen die Ba­de­ner er­lebt. Der Ul­mer weiß, was das Der­by für die An­hän­ger be­deu­tet. „Der Der­by-Cha­rak­ter ist schon Ta­ge zu­vor zu spü­ren und über­trägt sich na­tür­lich auf die Spie­ler. Man wird über­all dar­auf an­ge­spro­chen, am Spiel­tag stei­gert sich das noch und kit­zelt ei­nen so, dass man ver­sucht, noch zwei, drei Pro­zent mehr in je­de Ak­ti­on hin­ein­zu­le­gen. Wenn du die­ses Spiel ge­winnst, hast du in der Stadt sechs Mo­na­te dei­ne Ru­he. An­ders­rum aber auch: Als ich zu St. Pau­li kam, hab ich mein ers­tes Spiel lei­der gleich 0:3 im Volks­park ver­lo­ren – und muss­te nach 30 Mi­nu­ten noch ver­letzt raus.“

Noch im­mer ist der Ex-Pro­fi, der seit 2016 er­folg­reich den SSV Ehin­genSüd trai­niert und mit den Kirch­bier­lin­gern ans Tor zur Ober­li­ga klopft, re­gel­mä­ßig in der Are­na, wenn es sein Trai­ner­job er­laubt. „Der VfB ist mein Her­zens­club und wird es auch blei­ben. Ich war sechs Jah­re da, da bleibt viel hän­gen.“Die­sen Sonn­tag (13.30 Uhr/Sky) aber, wenn sich der Zweit­liga­drit­te

und der Zehn­te nach zwei Jah­ren mal wie­der du­el­lie­ren, wird er feh­len. Da schaut sich Bocht­ler sei­ne Söh­ne an, die beim SSV Ulm re­spek­ti­ve FV Il­ler­tis­sen ver­su­chen, in die Fuß­stap­fen des Va­ters zu tre­ten.

In Stutt­garts U19 war Bocht­ler Schütz­ling von Ralf Rang­nick – und schwärmt noch heu­te von ihm: „Ich hat­te ei­ni­ge An­fra­gen, aber Rang­nick und die Art, wie er mich ge­se­hen hat, wa­ren der Grund, war­um ich zum VfB bin – auch für mei­nen Va­ter, der selbst beim SSV spiel­te. Ralf hat den mo­derns­ten Fuß­ball im Land spie­len las­sen, wir ha­ben als ers­tes Ju­gend­team die ball­ori­en­tier­te Raum­de­ckung ein­ge­führt.“Auch 25 Jah­re spä­ter pflegt Bocht­ler noch sei­ne Kon­tak­te: Mit den Förs­ter-Brü­dern, Karl All­gö­wer, Han­si Müller und Gui­do Buch­wald spielt er in der VfB-Tra­di­ti­ons­elf, Letz­te­rer sitzt bei Bocht­lers Ar­beit­ge­ber, der Mor­gens­tern AG, im Auf­sichts­rat. Als Trai­ner und frü­he­rer U21-Na­tio­nal­spie­ler hat Bocht­ler na­tür­lich auch ei­ne Mei­nung zur un­kon­ven­tio­nel­len Tak­tik von VfB-Trai­ner Tim Wal­ter: „Ich ha­be ihn in Kiel nicht wirk­lich wahr­ge­nom­men, und als ich den VfB am ers­ten Spiel­tag sah, war ich sehr über­rascht, wel­che Ro­ta­tio­nen da im Spiel drin sind. Ich hab mich na­tür­lich so­fort ge­fragt und lan­ge dar­über nach­ge­dacht: Macht das Sinn, den Geg­ner so zu ver­wir­ren? Für mich macht es manch­mal den Ein­druck, als ver­wir­re man die ei­ge­ne Mann­schaft zu­sätz­lich. Ich ken­ne kei­ne ver­gleich­ba­re Tak­tik, ich se­he so ei­nen Spiel­stil zum ers­ten Mal. Das kann si­cher Er­folg ha­ben, aber mo­men­tan läuft es eher mä­ßig. Man ver­liert im­mer mal wie­der Spie­le, ob­wohl man op­tisch über­le­gen ist“, sagt Bocht­ler. Und: „Ich wür­de das als Trai­ner so nicht spie­len, aber da hat ja je­der sei­ne ei­ge­ne Idee.“

In je­dem Fall steht der VfB am Sonn­tag deut­lich stär­ker un­ter Druck als der KSC. Dass die Ru­fe der VfBFans nach Ma­rio Go­mez lau­ter wer­den – der 34-jäh­ri­ge Ex-Na­tio­nal­stür­mer be­kommt kaum Spiel­an­tei­le, ob­wohl Stutt­gart zu­letzt kaum To­re schoss – kann Bocht­ler ver­ste­hen: „Ich glau­be, dass Ma­rio nach wie vor ei­ne über­ra­gen­de Qua­li­tät hat, ge­ra­de weil er im Sech­zeh­ner agiert – das ist eben sein Spiel. Er ist of­fen­bar ein Op­fer die­ses Sys­tems, in dem auch der ei­gent­lich zen­tra­le Stür­mer viel auf die Flü­gel raus soll oder muss. Er soll Teil die­ser Ro­ta­ti­ons­be­we­gun­gen sein, und das ist nicht Ma­ri­os Spiel. Ich glau­be, wenn man ihn an­ders ein­set­zen, vor­ne an­ders spie­len wür­de, wür­de er auch wie­der re­gel­mä­ßig tref­fen, weil er sei­ne Qua­li­tät im­mer un­ter Be­weis ge­stellt und das Ver­trau­en zu­rück­ge­zahlt hat. Trotz­dem ist Ma­ri­os Ver­hal­ten, ob­wohl es mo­men­tan nicht gut für ihn läuft, vor­bild­lich und fair. Er hat Cha­rak­ter, muckt nicht auf, bleibt ru­hig.“

Tim Wal­ter kün­dig­te am Don­ners­tag forsch ei­nen Zu-null-Sieg im Der­by an, „weil wir mehr in­ves­tie­ren und wis­sen, dass wir al­les ge­ben müs­sen. Wir wer­den dann auch die To­re er­zie­len und kei­nes kas­sie­ren“. Bocht­ler aber weiß, dass bei ei­ner Nie­der­la­ge schwe­re Zei­ten auf den VfB zu­kä­men: „Dann wür­de es un­ru­hig, die Zu­schau­er noch un­ge­dul­di­ger. Und für das Ver­trau­en der Mann­schaft in die­ses Sys­tem wä­re ei­ne er­neu­te Nie­der­la­ge kon­tra­pro­duk­tiv. Die­ses Ver­trau­en be­kommst du eben nur, wenn du weißt, du kannst da­mit ge­win­nen.“

Schleu­der­stuhl? Nein, dan­ke!

Bocht­lers Am­bi­ti­on, selbst ein­mal Pro­fi­trai­ner zu sein wie sein Ul­mer Kol­le­ge Hol­ger Bachtha­ler, mit dem er seit 30 Jah­ren be­freun­det ist, ist üb­ri­gens be­grenzt. „Ich ha­be kei­ne Fuß­ball­leh­r­er­li­zenz, aber stre­be noch die A-Li­zenz an, dann könn­te ich bis zur Re­gio­nal­li­ga trai­nie­ren. Ich ha­be das Know-How, aber in­zwi­schen eben auch Ver­ant­wor­tung – ei­ne Fa­mi­lie, zwei Kin­der, und Re­gio­nal­li­ga­trai­ner, das geht nicht ne­ben­her. Sei­nen Be­ruf auf­zu­ge­ben und auf den Schleu­der­stuhl Fuß­ball­trai­ner zu wech­seln ist ein gro­ßes Ri­si­ko. Da bist du heu­te hier, mor­gen dort und dann schon wie­der weg.“Und auch da ist der VfB Stutt­gart wohl das bes­te Bei­spiel.

FOTO: GÖTZ

Kann auch mit klei­nen Bäl­len um­ge­hen: Micha­el Bocht­ler.

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