Süd­wes­ten strei­tet über Flücht­lings­auf­nah­me

Mi­nis­ter Lu­cha bie­tet an, mehr jun­ge Mi­gran­ten un­ter­zu­brin­gen – CDU lehnt Vor­stoß ab

Heuberger Bote - - ERSTE SEITE - Von Kat­ja Korf

- In der Flücht­lings­po­li­tik lie­gen Ba­den-Würt­tem­bergs Re­gie­rungs­part­ner im Clinch. Den jüngs­ten Är­ger hat ein Brief von So­zi­al­mi­nis­ter Man­fred Lu­cha (Grü­ne) an Bun­des­in­nen­mi­nis­ter Horst See­ho­fer (CSU) aus­ge­löst. Dar­in bie­tet Lu­cha an, mehr jun­ge Flücht­lin­ge im Süd­wes­ten auf­zu­neh­men. „Ich möch­te Ih­nen die Be­reit­schaft si­gna­li­sie­ren, dass Ba­den-Würt­tem­berg ein Kon­tin­gent von un­be­glei­te­ten min­der­jäh­ri­gen Flücht­lin­gen auf­neh­men wird – auch wenn wir be­reits jetzt die ent­spre­chend ver­ein­bar­te Auf­nah­me­quo­te über­er­fül­len“, heißt es in dem Schrei­ben, das der „Schwä­bi­schen Zei­tung“vor­liegt.

Lan­des­in­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl (CDU) lehnt den Vor­stoß hin­ge­gen ab. Es sei ei­ne eu­ro­päi­sche Auf­ga­be, Asyl­be­rech­tig­ten Schutz zu ge­wäh­ren, er­klär­te er. „Des­halb bleibt als Ziel klar: ein ge­mein­sa­mes eu­ro­päi­sches Asyl­sys­tem. Da wä­re es ein völ­lig fal­sches Si­gnal und es wür­de dem Ge­dan­ken ei­nes ge­mein­sa­men Eu­ro­pas zu­wi­der­lau­fen, wenn nun ein­zel­ne Staa­ten – oder so­gar auf Bun­des­ebe­ne ein­zel­ne Län­der – un­be­glei­te­te min­der­jäh­ri­ge Flücht­lin­ge über Son­der­kon­tin­gen­te auf­neh­men wür­den“, sag­te Strobl am Frei­tag. Lu­cha be­tont eben­falls, Ziel müs­se ei­ne EU-wei­te Lö­sung sein. Die eu­ro­päi­schen Wer­te ge­bö­ten je­doch auch, in schwie­ri­gen Si­tua­tio­nen men­schen­wür­di­ge Lö­sun­gen zu fin­den.

Kon­kret geht es um Kin­der und Ju­gend­li­che, die oh­ne Ver­wand­te auf den grie­chi­schen In­seln fest­sit­zen. Lu­cha schreibt: „Die La­ge ist mehr als be­sorg­nis­er­re­gend, ins­be­son­de­re für Kin­der und Ju­gend­li­che. Die Selbst­mord­ra­te steigt und die Si­tua­ti­on ver­schärft sich von Tag zu Tag.“In den La­gern le­ben laut Be­hör­den rund 36 000 Men­schen, dar­un­ter et­wa 5000 un­be­glei­te­te Min­der­jäh­ri­ge. Of­fi­zi­ell bie­ten die La­ger nur Platz für rund 6200.

Der­zeit le­ben laut So­zi­al­mi­nis­te­ri­um 4245 jun­ge Flücht­lin­ge im Süd­wes­ten. Das sind rund 230 mehr, als das Land ei­gent­lich auf­neh­men müss­te. Die un­be­glei­te­ten Min­der­jäh­ri­gen wer­den nach dem so­ge­nann­ten Kö­nig­stei­ner Schlüs­sel auf al­le

Bun­des­län­der ver­teilt, Ba­den-Würt­tem­berg ist da­zu ver­pflich­tet, 13 Pro­zent der Kin­der und Ju­gend­li­chen auf­zu­neh­men.

Als So­zi­al­mi­nis­ter ist Lu­cha für die Be­treu­ung Min­der­jäh­ri­ger zu­stän­dig, die oh­ne Ver­wand­te ein­rei­sen. Für Fra­gen des Auf­ent­halts zeich­net in­des In­nen­mi­nis­ter Tho­mas Strobl ver­ant­wort­lich.

Wei­te­ren Kon­flikt­stoff bie­tet der Um­gang mit Kin­dern und Ju­gend­li­chen in Erst­auf­nah­me­la­gern im Süd­wes­ten. Auf ei­ne An­fra­ge der SPD teil­te Strobl mit, er wol­le un­ter Um­stän­den auch Fa­mi­li­en län­ger als sechs Mo­na­te dort be­las­sen – wie in An­ker­zen­tren in Bay­ern. Die Grü­nen mel­de­ten da­zu um­ge­hend Ge­sprächs­be­darf an.

(tja) - Weil im­mer mehr jun­ge Men­schen ein Frei­wil­li­ges So­zia­les oder Öko­lo­gi­sches Jahr ab­sol­vie­ren wol­len, sol­len die Zu­schüs­se des Lan­des in den kom­men­den zwei Jah­ren stei­gen. „Wir wer­den die seit 2005 be­ste­hen­de Lan­des­för­de­rung des Frei­wil­li­gen So­zia­len Jah­res von drei Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr auf 6,5 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr mehr als ver­dop­peln“, sag­te CDU-Frak­ti­ons­chef Wolf­gang Rein­hart der „Schwä­bi­schen Zei­tung“. Da­für ha­be sich sei­ne Frak­ti­on be­son­ders stark­ge­macht. Im Haus­halts­ent­wurf wa­ren zu­nächst nur vier Mil­lio­nen Eu­ro vor­ge­se­hen. Ei­ne Grü­nen-Spre­che­rin be­ton­te, die be­schlos­se­ne wei­te­re Er­hö­hung er­fol­ge auf ei­nen An­trag bei­der Frak­tio­nen.

Laut CDU über­stei­gen die An­mel­dun­gen für das FSJ seit Jah­ren die vor­han­de­nen Plät­ze. Der­zeit ab­sol­vie­ren nach An­ga­ben des So­zi­al­mi­nis­te­ri­ums 13 500 jun­ge Men­schen zwi­schen 15 und 27 Jah­ren ein FSJ im Süd­wes­ten. Durch das zu­sätz­li­che Geld sol­len so­zia­le Ein­rich­tun­gen und Or­ga­ni­sa­tio­nen, die FSJ­ler be­schäf­ti­gen, hö­he­re Zu­schüs­se zu den Kos­ten be­kom­men als bis­her.

„Wir stär­ken auch die Frei­wil­li­gen­diens­te im Be­reich Kli­ma­schutz, das Frei­wil­li­ge Öko­lo­gi­sche Jahr (FÖJ). FÖJ­ler sind wich­ti­ge Mul­ti­pli­ka­to­ren und un­ter­stüt­zen ei­ne nach­hal­ti­ge Um­welt­po­li­tik. Ge­plant ist hier ei­ne Er­hö­hung um rund 100 Plät­ze“, so Rein­hart wei­ter.

Das FÖJ gibt es noch nicht so lan­ge wie das FSJ, laut Lan­des­re­gie­rung bie­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen im Süd­wes­ten ak­tu­ell rund 230 Plät­ze an.

FO­TO: DPA

Wolf­gang Rein­hart

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