Mit dem „lie­ben Gott in der Ta­sche“

Frei­burg spielt für die Gro­ßen wei­ter den Spiel­ver­der­ber und fühlt sich schwer schlag­bar – Eu­ro­pa bleibt Ta­bu­the­ma

Heuberger Bote - - SPORT -

(dpa) - Sport­vor­stand Jo­chen Sai­er woll­te nach dem glück­li­chen Punkt erst ein­mal Lot­to spie­len ge­hen, Na­tio­nal­stür­mer Nils Pe­ter­sen zähl­te der­weil ge­nüss­lich und ein we­nig iro­nisch die drei Grün­de für den Frei­bur­ger Hö­hen­flug auf. „Wir hat­ten heu­te den lie­ben Gott in der Ta­sche“, sag­te Pe­ter­sen nach dem 1:1 bei Bay­er Le­ver­ku­sen: „Wir ha­ben ei­ne ech­te Ma­lo­cher-Men­ta­li­tät. Und es macht Bock, die an­de­ren zu är­gern und die Wun­der­tü­te der Li­ga zu sein.“

Die be­schrie­be­ne Mi­schung aus Glück, Lei­den­schaft und ge­nuss­voll ze­le­brier­ter Spiel­ver­der­ber­rol­le sorgt im Pa­ket für ei­nen un­ge­ahn­ten Hö­hen­flug. Nach mehr als ei­nem Drit­tel der Sai­son hat der von vie­len als Ab­stiegs­kan­di­dat ein­ge­stuf­te SC nur drei Zäh­ler Rück­stand auf Ta­bel­len­füh­rer Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach. Zwar wa­ren die Breis­gau­er in Le­ver­ku­sen der­ma­ßen un­ter­le­gen, dass Pe­ter­sen an­merk­te: „Ich ha­be sel­ten im Fuß­ball ei­nen so glück­li­chen Punkt ge­holt.“Gleich­zei­tig er­klär­te der Frei­bur­ger Erst­li­ga-Re­kord­tor­schüt­ze

al­ler­dings: „Wir sind teil­wei­se rum­ge­tau­melt wie ein an­ge­schla­ge­ner Bo­xer. Aber wir sind nicht um­ge­fal­len. Auch das ist ei­ne neue Qua­li­tät.“So sah es auch Frei­burgs Trai­ner Chris­ti­an Streich. „Ich war nicht zu­frie­den mit der Leis­tung. Aber ich war sehr zu­frie­den mit der Men­ta­li­tät“, sag­te er: „Wir lau­fen wie die Ver­rück­ten. Und ki­cken kön­nen wir auch. Wenn auch heu­te nicht so gut wie an an­de­ren Ta­gen.“

Frei­burg wie ein Bo­xer

Doch nach der frü­hen Füh­rung durch Lu­cas Hö­ler (5.) kam Le­ver­ku­sen nur noch zum Aus­gleich durch den star­ken Start­elf-De­bü­tan­ten Mous­sa Dia­by (36.). Na­he­zu al­le Spie­ler er­wähn­ten stolz, wie schwer es eben sei, ge­gen den SC To­re zu schie­ßen und zu ge­win­nen. Wes­halb sie zeit­nah kei­nen Ab­sturz be­fürch­ten. „Der­zeit schaue ich ger­ne auf die Ta­bel­le. Und die­se Eu­pho­rie­pha­se soll­ten wir so lan­ge wie mög­lich nut­zen“, sag­te Pe­ter­sen. Do­mi­ni­que Heintz froh­lock­te: „Es macht Spaß, da oben zu ste­hen. Und des­halb wol­len wir na­tür­lich ver­su­chen, uns da so lan­ge wie mög­lich fest­zu­bei­ßen.“

Vom Eu­ro­pa­cup spricht im Breis­gau aber noch nie­mand. Für Streich ist je­der Punkt im­mer noch ei­ner für den Klas­sen­er­halt. „Ob sie es glau­ben oder nicht: Ich weiß nicht, wie vie­le Punk­te der Ers­te, der Zwei­te oder der Fünf­te ha­ben“, be­teu­er­te er: „Aber ich weiß ge­nau, wie vie­le die da hin­ten ha­ben.“Sei­nen Rat, „die Kir­che im Dorf“zu be­las­sen, be­her­zi­gen die Spie­ler. „Wir sind rea­lis­tisch“, sag­te Heintz: „Weil wir se­hen, wie viel wir in­ves­tie­ren müs­sen.“

Und so kam Pe­ter­sen zu­min­dest zu dem Fa­zit: „Es spricht vie­les da­für, dass es ei­ne ru­hi­ge Sai­son wird.“Da­für spre­chen nicht nur die 13 Punk­te Vor­sprung auf den Re­le­ga­ti­ons­platz, son­dern auch die Sta­tis­tik. Denn noch nie ist ein Ver­ein mit so vie­len Punk­ten in die­ser Sai­son­pha­se noch ab­ge­stie­gen.

FO­TO: JAN HUEBNER/IMA­GO IMAGES

Lu­cas Hö­lers (li.) Tor reich­te dem SC für ein Re­mis.

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