Toch­ter be­las­tet Va­ter im Ell­wan­ger Mord­pro­zess

35-Jäh­ri­ge schil­dert Miss­brauch in der Kind­heit und Ge­walt­aus­brü­che in der Fa­mi­lie

Heuberger Bote - - PANORAMA -

ELL­WAN­GEN (dpa) - Die Toch­ter des Haupt­an­ge­klag­ten im Ell­wan­ger Drei­fach­mord­pro­zess hat ih­ren Va­ter am Donnerstag als bru­ta­len Fa­mi­li­en­ty­ran­nen ge­schil­dert. Als Kind sei sie von ihm miss­braucht wor­den, be­rich­te­te die heu­te 35 Jah­re al­te Ver­käu­fe­rin – un­ter Trä­nen und oh­ne ih­ren nur we­ni­ge Me­ter ent­fernt sit­zen­den Va­ter auch nur ein­mal an­zu­schau­en. Sie und ih­re heu­te 33 Jah­re und 31 Jah­re al­ten Brü­der sei­en gna­den­los zu wi­der­spruchs­lo­sem Ge­hor­sam ge­zwun­gen wor­den, schil­der­te sie bei der Be­fra­gung durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Ger­hard Ilg. „Er hat uns schon als klei­ne Kin­der ter­ro­ri­siert, mit Gür­tel und Schlauch ge­schla­gen, an den Haa­ren ge­packt. Wir ha­ben al­les ge­macht, was er ge­sagt hat.“

Ein­mal ha­be der Va­ter ei­nen ih­rer Brü­der mit ei­nem Stuhl zu­sam­men­ge­schla­gen. „Die Mut­ter hat im­mer zu­ge­schaut, sie hat uns nicht ge­hol­fen.“Sie sei zwölf Jah­re alt ge­we­sen, als der Va­ter sich an ihr ver­gan­gen ha­be. „Er hat mich aus dem Kin­der­zim­mer ge­holt und mich aus­ge­zo­gen.“Der Rich­ter er­spar­te ihr die öf­fent­li­che Schil­de­rung von Ein­zel­hei­ten. Spä­ter ha­be der Va­ter ihr Schlä­ge an­ge­droht, wenn sie mit je­man­dem über den Miss­brauch spre­che.

Dem Va­ter wird in dem am Di­ens­tag er­öff­ne­ten Pro­zess vor dem Land­ge­richt Ell­wan­gen vor­ge­wor­fen, den Ehe­mann und spä­ter den neu­en Le­bens­ge­fähr­ten sei­ner Toch­ter er­würgt zu ha­ben. Bei dem zwei­ten Mord sol­len ihm bei­de Söh­ne ge­hol­fen ha­ben. Zu­dem soll der An­ge­klag­te mit Hil­fe sei­nes 33-jäh­ri­gen

Soh­nes aus Hab­gier ei­nen Ge­schäfts­mann er­mor­det und be­stoh­len ha­ben. Al­le drei Mor­de wur­den laut An­kla­ge in Sont­heim an der Brenz ver­übt. Sei­nen Schwie­ger­sohn – ei­nen tür­ki­scher Staats­bür­ger, der als un­ge­lern­ter Schlos­ser in Hei­den­heim ar­bei­te­te – soll der Va­ter mit vor­ge­hal­te­ner Pis­to­le zur Un­ter­zeich­nung der Pa­pie­re zur Hei­rat mit sei­ner Toch­ter ge­zwun­gen ha­ben. Der streng ka­tho­li­sche Va­ter ha­be wie wild­ge­wor­den dar­auf re­agiert, dass sie von dem Mus­lim schwan­ger war, schil­der­te die Frau. Nach der er­zwun­ge­nen stan­des­amt­li­chen Ehe­schlie­ßung ha­be ihr Va­ter die mus­li­mi­sche Fa­mi­lie sei­nes Schwie­ger­sohns un­ter Dro­hun­gen ge­zwun­gen, an der Trau­ung in ei­ner ka­tho­li­schen Kir­che teil­zu­neh­men.

Laut Staats­an­walt­schaft hat der An­ge­klag­te den Ehe­mann der Toch­ter im Fe­bru­ar 2008 er­würgt, rund drei Jah­re nach der Ge­burt ih­res ers­ten Soh­nes. Als Tat­mo­tiv nann­te die Be­hör­de, der Va­ter sei „ge­gen die Be­zie­hung sei­ner Toch­ter zu dem tür­ki­schen Staats­an­ge­hö­ri­gen mus­li­mi­schen Glau­bens“ge­we­sen und ha­be sich nicht da­mit ab­fin­den wol­len.

Sechs Jah­re spä­ter soll der Va­ter mit sei­nen Söh­nen den neu­en Le­bens­ge­fähr­ten der Toch­ter um­ge­bracht ha­ben. Als Tat­mo­tiv gilt in die­sem Fall, dass die­ser Mann die Frau und de­ren zwei Söh­ne wie­der bru­tal miss­han­del­te.

Dass er an die­sem Mord im Mai 2019 be­tei­ligt ge­we­sen war, ge­stand der 33-Jäh­ri­ge am Donnerstag vor Ge­richt. Der Va­ter und er hat­ten die Tat dem­nach sorg­fäl­tig ge­plant.

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