Rich­te­rin spricht Pa­ket­zu­lie­fe­rer frei

Der 41-Jäh­ri­ge soll ein Pa­ket im Wert von über 3 000 Eu­ro un­ter­schla­gen ha­ben

Heuberger Bote - - SPAICHINGE­N - Von An­ne Jethon

- Hat er ein 3 000 Eu­ro teu­res Pa­ket ein­fach so ver­schwin­den las­sen? Mit die­ser Fra­ge hat sich am Frei­tag das Amts­ge­richt Spaichin­gen be­schäf­tigt. An­ge­klagt war ein 41-jäh­ri­ger Pa­ket­zu­stel­ler, der das Pa­ket für ei­ne Zahn­arzt­pra­xis in ei­ner Um­land­ge­mein­de un­ter­schla­gen ha­ben soll. (Wir ha­ben be­reits vom ers­ten Ver­hand­lungs­tag be­rich­tet). Die Be­weis­auf­nah­me bei Ge­richt hat aber nur we­nig Klar­heit ge­bracht.

Des­halb wur­de der 41-Jäh­ri­ge frei­ge­spro­chen. „Die Be­weis­auf­nah­me war kaum er­hel­lend“, sagt Rich­te­rin Bea­te Phil­ipp. Das Ge­richt konn­te nicht her­aus­fin­den, ob der Pa­ket­zu­stel­ler das Pa­ket un­ter­schla­gen hat oder ob das Pa­ket schon beim Ver­la­den in den Trans­por­ter ge­fehlt hat.

Ein Zahn­arzt hat­te den 41-Jäh­ri­gen an­ge­zeigt weil die­ser zwei Pa­ke­te zu­stel­len soll­te, aber nur ei­nes an­ge­kom­men sei. In dem feh­len­den Pa­ket

ha­ben sich vier „Tur­bi­nen“be­fun­den, die über 3 000 Eu­ro kos­ten. Tur­bi­nen sind Hal­ter für Zahn­arzt­boh­rer. Laut ei­ner Aus­sa­ge des Zahn­arzts ge­be es ei­nen Schwarz­markt, auf dem die Ge­rä­te gut ver­kauft wür­den.

Der An­ge­klag­te soll von ei­ner Spe­di­ti­ons­fir­ma aus Stutt­gart ein­ma­lig als Ku­ri­er in der Um­ge­bung ge­ar­bei­tet ha­ben. Laut ei­ge­ner Aus­sa­ge sei er es an die­sem Tag ge­we­sen, der sei­nen Trans­por­ter ab­ge­holt hat­te. Die Pa­ke­te, die er aus­lie­fern soll­te, wa­ren laut Be­weis­auf­nah­me im Ge­richt schon im Sys­tem ver­zeich­net. Ob bei­de Pa­ke­te auch im Trans­por­ter wa­ren, konn­te es aber nicht her­aus­fin­den. Laut Zeu­gen­aus­sa­gen müs­sen die Pa­ket­zu­stel­ler näm­lich selbst kon­trol­lie­ren, ob al­le Pa­ke­te, die auf der Lis­te ste­hen, auch im Wa­gen sind. Sol­che Kon­trol­len wür­den aber un­ter­schied­lich aus­fal­len. Ob der An­ge­klag­te al­le Pa­ke­te kon­trol­liert hat, ist un­klar.

Der 41-Jäh­ri­ge soll der Zahn­arzt­pra­xis

laut An­kla­ge nur ein Pa­ket über­ge­ben ha­ben. Die Zahn­arzt­hel­fe­rin ha­be aber für bei­de Pa­ke­te ei­ne Quit­tung un­ter­schrie­ben. Erst spä­ter ha­be man dann ge­merkt, dass ein Pa­ket feh­le. Der An­ge­klag­te kann sich in­des nicht mehr dar­an er­in­nern, ob er der Zahn­arzt­pra­xis ein oder zwei Pa­ke­te über­ge­ben hat­te.

Die Staats­an­walt­schaft und die Ver­tei­di­gung plä­dier­ten bei­de für

Frei­spruch. Laut Staats­an­walt Frank Grund­ke sei nicht nach­weis­bar, ob der An­ge­klag­te das Pa­ket selbst ge­klaut ha­be, oder ob das Pa­ket schon beim Ver­la­den in den Tans­por­ter ge­fehlt ha­be. Der Ver­tei­di­ger schloss ei­ne drit­te Mög­lich­keit nicht aus. Sei­ner Mei­nung nach hät­te der Zahn­arzt das Pa­ket selbst ver­schwin­den las­sen kön­nen.

FO­TO: PATRICK PLEUL/DA

Der Pa­ket­zu­lie­fe­rer wur­de frei­ge­spro­chen.

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