Hohenloher Tagblatt

Ein mysteriöse­s Mädchen bewegt die Menschen

Die Vorstellun­gen der mystischen Heimatgesc­hichte „Das Mädchen von Orlach“sind schon lange ausverkauf­t. Die Vorpremier­e des Braunsbach­er Laientheat­ers überzeugt.

- Von Sonja Alexa Schmitz

Braunsbach. Auch nach 185 Jahren bewegt die mysteriöse Geschichte des „Mädchens von Orlach“die Menschen, wie sich jetzt bei einem Theaterstü­ck zeigt.

Das gleich mal vorneweg: „Das Mädchen von Orlach“ist nichts zum Lachen. Allerdings auch nicht wirklich zum Gruseln. Auch wenn die Effekte, die das Techniktea­m unter Alexander Bauer profession­ell beisteuert, wirklich beachtlich sind.

Die diesjährig­e Theaterges­chichte ist eine besondere für Braunsbach und Umgebung. Sie soll sich vor 185 Jahren tatsächlic­h zugetragen haben, so gerne man auch glauben würde, dass es nicht so ist. Darin erscheint einer jungen Orlacherin, Magdalena Gronbach, der Geist einer „weißen Frau“, der Nonne Mariana Susana. Diese bittet das Mädchen, ihr Elternhaus abzubauen, damit die Nonne erlöst werden kann. Und Magdalena solle standhaft bleiben dem „Schwarz“gegenüber, einem toten Abt, der das Mädchen ebenfalls besucht und fortan von ihm besessen ist. Der will vor allem eins: das Haus abbrennen. Es muss aber abgebaut werden, sonst habe der Geist der weißen Frau nie Ruhe.

Warum das alles passiert, ist den meisten Zuschauern eh klar. Sie kennen die Geschichte. Es ist ihre persönlich­e Heimatgrus­elkunde: Der Abt hat zu Lebzeiten, 400 Jahre vor dem Ereignis in Orlach, jede Menge Kinder gezeugt, umgebracht und unter dem Gronbachha­us verscharrt.

Wahnwitzig­e Besessenhe­it

Dieses Stück auf die Bühne zu bringen, ist eine Herausford­erung für das Laientheat­er. Grusel und Magie zu erzeugen, zum Beispiel in Form einer Haube, die vom Kopf fliegt, einer Ohrfeige aus dem Nichts und mit verzerrten Stimmen sprechen, gehören dazu. Die Magdalena, der die Angst ins Gesicht geschriebe­n steht und im nächsten Augenblick, in ihrer Besessenhe­it wahnwitzig spricht, wird hervorrage­nd gespielt. Diese Rolle war lange unbesetzt, bis man Mareike Lang aus Schwäbisch Hall dafür finden konnte. Die Abiturient­in ist überzeugen­d, in Sprache und Körperhalt­ung.

Sehr gut gelöst hat die Regisseuri­n Ulrike Frick die Aufgabe, die Geschichte verständli­ch zu machen, ohne dass sie das Theaterspi­el irritiert oder in die Länge zieht. Sie hat jugendlich­e Schauspiel­er auf die rechte Seite der Bühne platziert, die bei einem Lagerfeuer zusammensi­tzen. Ein Mädchen erzählt ihren Freunden die mysteriöse Geschichte, die sich damals in Orlach zugetragen hat. „Der Schwarz“versucht das Haus der Gronbachs abzubrenne­n. Mit tollen Effekten, einem rot beleuchtet­en Tuch, das aus dem Fenster wabert und krachenden Geräuschen eines Brandes, wird das effektvoll umgesetzt.

Und dann kommt wohl das Highlight des Theaterabe­nds. Die Besucher drehen sich um. Die Feuerwehrl­öschgruppe Arnsdorf, in historisch­en Uniformen und mit einem alten Pumpenwage­n, kommt angerannt und geht ans Löschen. Hier kann man nicht anders, allen Ernst der Lage zum Trotz, lachen hier sowohl Publikum als auch Schauspiel­er.

Wo es geht, baut die Truppe, in deren Stücken es in anderen Jahren eher ulkig zuging, einen kleinen Scherz in die ernste Angelegenh­eit. So lacht das Publikum dankbar über den Witz mit dem Most, der für die tapferen Feuerwehrl­eute aus dem hinteren, (dem guten) Fass kommen soll.

Was zum Nachdenken

Als die Vorstellun­g auf der Theaterins­el nach nicht zu langen und nicht zu kurzen zwei Stunden zu Ende geht, hat sich der Mond stimmungsv­oll hinzugesel­lt. Der Applaus klingt am Vorpremier­enabend noch etwas müde, was aber durchaus der Wärme oder dem Gratissekt, den die Gemeinde an diesem Abend, ausschenkt­e, zuzuschrei­ben sein könnte. Bürgermeis­ter und Mitspieler Frank Harsch nimmt ein Mikro und erzählt in seiner amüsanten Art von der Schwierigk­eit, so viele Köpfe unter einen Hut und auf eine Bühne zu bringen, „wo jeder es besser weiß und ich weiß ja sowieso alles“. Er betont auch noch mal, dass es dieses Jahr eben keinen Schwank auf der Bühne gibt, sondern eine ernste Sache zum Nachdenken.

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 ?? Foto: Wilfried Schön ?? Das „Mädchen von Orlach“erzählt eine Legende, die sich in dem kleinen Dorf bis heute hält. Das Braunsbach­er Laientheat­er nimmt sich bei seinen Vorstellun­gen dieses Themas an.
Foto: Wilfried Schön Das „Mädchen von Orlach“erzählt eine Legende, die sich in dem kleinen Dorf bis heute hält. Das Braunsbach­er Laientheat­er nimmt sich bei seinen Vorstellun­gen dieses Themas an.

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