Fö­de­ra­lis­mus in Ge­fahr

Hohenloher Tagblatt - - VORDERSEITE - Kom­men­tar Ro­land Mu­schel zu Ver­spre­chen der Bun­des­po­li­tik

Tau­sen­de Stel­len für die Jus­tiz, Mil­li­ar­den für die Schu­len: In ih­renKo­alit ions ver­trag hat die Bun­des­re­gie­rung sat­te Zu­sa­gen an die Län­der ge­packt. Dass es an der Um­set­zung hakt und die er­war­tungs­froh ge­stimm­ten Emp­fän­ger zu­se­hends auf­be­geh­ren, hat zum ei­nen mit der man­geln­den Per­for­mance und ei­ner fal­schen Prio­ri­sie­rung der Bun­des­re­gie­rung zu tun. Vor al­lem aber da­mit, dass der macht­hung­ri­ge Bund den Län­dern ei­nen im Grun­de in­ak­zep­ta­blen Preis für sei­ne schein­bar mil­den Ga­ben auf­zwin­gen will.

Wenn die Bun­des­re­gie­rung ver­sucht, über den He­bel von Fi­nanz­zu­sa­gen für Bil­dung oder Jus­tiz zu­neh­mend in­halt­lich in An­ge­le­gen­hei­ten der Län­der hin­ein­zu­re­gie­ren, ist das ei­ne erns­te Ge­fahr für den Fö­de­ra­lis­mus und da­mit für ei­ne Grund­säu­le des im Grund­ge­setz ver­an­ker­ten Bun­des staats. Ver­fas­sungs­recht­lich sau­ber und po­li­tisch sinn­voll wä­re in der Tat die von der grün-schwar­zen Lan­des­re­gie­rung ge­for­der­te hö­he­re Be­tei­li­gung der Bun­des­län­der an der Um­satz­steu­er. Dann hät­ten sie aus­rei­chend Mit­tel zur Be­wäl­ti­gung ih­rer Ver­pflich­tun­gen – und die Bun­des­re­gie­rung im­mer noch ge­nü­gend ori­gi­nä­re Auf­ga­ben.

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