En­ga­ge­ment, bunt wie ei­ne Pa­let­te

Hohenloher Tagblatt - - CRAILSHEIM - Von Ju­lia Vo­gel­mann

Zwei­mal im Jahr lädt der Se­nio­ren­park Kreuz­berg al­le Hel­fer zu ei­nem ge­müt­li­chen Bei­sam­men­sein ein. Am Mitt­woch hat man sich heu­er zum letz­ten Mal ge­trof­fen.

Der Hin­ter­grund für die­se Tref­fen ist Dan­ke­sa­gen, In­for­ma­ti­on, Aus­tausch und – ganz wich­tig – das Von­ein­an­der­wis­sen“, er­klärt Ein­rich­tungs­lei­ter And­re Krauß, war­um die eh­ren­amt­li­chen Hel­fer re­gel­mä­ßig ein­ge­la­den wer­den. An die­sem Mitt­woch sind von den 28 Hel­fern mehr als die Hälf­te ge­kom­men. „Die Teil­neh­mer be­geg­nen sich im All­tag fast nie, ken­nen sich teil­wei­se un­ter­ein­an­der gar nicht“, er­klärt Krauß.

Kei­ner kommt aus Lan­ge­wei­le

Um das Ken­nen­ler­nen zu stüt­zen und die ver­schie­de­nen Mo­ti­ve für das En­ga­ge­ment her­aus­zu­fin­den, star­te­te Ire­ne Hör­ner, die An­sprech­part­ne­rin für die Eh­ren­amt­ler, mit ei­nem klei­nen Spiel, das je­den auf­for­der­te, ein we­nig über sich preis­zu­ge­ben. In­ter­es­sant war da­bei zu se­hen, aus wie vie­len un­ter­schied­li­chen Grün­den die frei­wil­li­gen Hel­fer in den Se­nio­ren­park kom­men.

Ich ha­be kein Geld, das ich spen­den kann, aber ich kann mich mit Zeit ein­brin­gen.

Ka­rin Brück Aus­gleich zur Schu­le ge­sucht“, er­klärt sie ihr En­ga­ge­ment, zu dem Ire­ne Hör­ner sagt: „Ma­rie ist wirk­lich ein au­ßer­ge­wöhn­li­cher Fall. Es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, in ih­rem Al­ter so be­stän­dig bei so ei­ner Auf­ga­be zu blei­ben.“Die­se An­er­ken­nung, die Ma­rie in die­sem Mo­ment von den An­we­sen­den durch ei­nen klei­nen Ap­plaus be­kommt, be­kom­men die Eh­ren­amt­li­chen in die­ser Form sel­ten.

Doch je mehr Ge­schich­ten er­zählt wer­den, um­so deut­li­cher wird, dass auch An­er­ken­nung für die Hel­fer kein An­trieb ist. „Ich will der Ge­sell­schaft et­was zu­rück­ge­ben“, oder „mir ging es schlecht, und jetzt geht es mir gut und das will ich wei­ter­ge­ben“oder auch „ich ha­be hier ei­ne Auf­ga­be ge­se­hen“sind Sät­ze, die so oder so ähn­lich im­mer wie­der fal­len. Vie­le ha­ben den Weg zum Eh­ren­amt über die Kir­che ge­fun­den oder aber auch durch ein Fa­mi­li­en­mit­glied, das im Se­nio­ren­park be­treut wird oder wur­de.

Vie­le hat­ten frü­her ei­nen Hund

So auch die bei­den Mu­si­ker der Run­de, Hel­ge Fer­chow und Bern­hard Lotz, die mit ih­ren In­stru­men­ten be­zie­hungs­wei­se als DJ für mu­si­ka­li­sche Un­ter­hal­tung sor­gen, bei Fes­ten, in klei­nen Grup­pen oder beim all­seits be­lieb­ten Tanz­ca­fé. Eben­falls über Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge kam Ul­rich Meh­ler zum Se­nio­ren­park, wo er vier bis fünf­mal im Jahr mit sei­nem Hund vor­bei­schaut. „Vie­le Be­woh­ner hat­ten frü­her ei­nen Hund und freu­en sich, wenn ich vor­bei­kom­me und sie ihn strei­cheln und füt­tern dür­fen. Er ist sehr ver­fres­sen, der weiß schon, wenn ich den Kof­fer­raum auf­ma­che, wo es hin­geht“, er­zählt er schmun­zelnd.

Egal ob als Be­su­cher zum Ge­burts­tag, als Ge­sell­schaft am Nach­mit­tag, als Lei­ter ei­nes Ge­sprächs­krei­ses, Mit­glied des Chors oder Hel­fer bei der Be­we­gungs­the­ra­pie: Je­der Eh­ren­amt­li­che an die­sem Abend er­zählt von ei­nem Be­reich im Se­nio­ren­park, den er für sich ge­fun­den hat, wo er sich ein­brin­gen kann und der zu ihm passt. Da­bei ist zu spü­ren, wie der Kon­takt die Hel­fer prägt, et­wa wenn Be­woh­ner sie teil­ha­ben las­sen an ih­ren Le­bens­ge­schich­ten, an ih­ren Er­fah­run­gen und Er­leb­nis­sen und sie als Ge­sprächs­part­ner, Lei­ter ei­ner Ge­sprächs­run­de für De­menz­kran­ke oder Mär­chen­er­zäh­ler in ih­ren Le­bens­all­tag mit auf­neh­men. „Das ist so ein gro­ßer Blu­men­strauß mit vie­len Fa­cet­ten. Das ist ein­fach toll“, freut sich And­re Krauß.

Aus­pro­bie­ren, was man kann

Mit gro­ßen Au­gen und Oh­ren sitzt an die­sem Abend mit Edith Kampt­mann auch ein neu­es Ge­sicht in der Run­de. Sie pro­biert ge­ra­de aus, wo sie als eh­ren­amt­li­che Hel­fe­rin ih­ren Platz fin­den kann. Sie sagt an­ge­sichts der vie­len ge­hör­ten Mög­lich­kei­ten: „Ich las­se mich über­ra­schen, was ich al­les kann und wo man mich brau­chen kann.“

Fo­to: Ju­lia Vo­gel­mann

Ein Grup­pen­bild wie die­ses ist ei­ne Be­son­der­heit, denn im All­tag des Se­nio­ren­parks tref­fen sich die Eh­ren­amt­li­chen nur sel­ten, weil je­der sei­ne Auf­ga­be und sei­nen Be­reich hat, der zu ihm passt.

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