Bür­ger­initia­ti­ve will Bäu­me ret­ten

Im Pro­zess ge­gen ei­nen Crails­hei­mer Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer stellt sich die Fra­ge: Wann war ab­zu­se­hen, dass nichts mehr geht? Am drit­ten Ver­hand­lungs­tag kom­men Ge­schä­dig­te zu Wort.

Hohenloher Tagblatt - - VORDERSEITE - Von Bir­git Trink­le

Crails­heim. In der Stadt hat sich ei­ne Bür­ger­initia­ti­ve ge­bil­det, die mit Hil­fe ei­nes Bür­ger­be­geh­rens die bei­den Kas­ta­ni­en vor der Spi­tal­ka­pel­le ret­ten will.

Wir sind vor­sich­ti­ger ge­wor­den, ver­lan­gen jetzt öf­ter Ab­schlags­zah­lun­gen. Zeu­gin Mit­ar­bei­te­rin der Ge­rüst­bau­fir­ma

Ei­gent­lich soll­te am Don­ners­tag das Ur­teil ver­kün­det wer­den. Statt­des­sen sind zwei wei­te­re Ver­hand­lungs­ta­ge an­ge­setzt, um her­aus­zu­fin­den, ob und in wel­chem Maß sich ein Crails­hei­mer Im­mo­bi­li­en­un­ter­neh­mer schul­dig ge­macht hat. Der 55-Jäh­ri­ge muss sich we­gen Be­trugs und In­sol­venz­ver­schlep­pung ver­ant­wor­ten. Ver­tei­di­ger And­rej Klein hat­te be­reits am ers­ten Ver­hand­lungs­tag

ver­geb­lich die Ein­stel­lung des Ver­fah­rens be­an­tragt

(das HT be­rich­te­te), am zwei­ten Ver­hand­lungs­tag stell­te er ei­nen – ab­ge­lehn­ten – Be­fan­gen­heits­an­trag ge­gen Rich­te­rin Ute Herr­mann, weil sich in der Ver­hand­lung ge­zeigt hat­te, dass sie ei­nen der Zeu­gen kennt. Am Don­ners­tag woll­te er, eben­falls oh­ne Er­folg, ei­ne Neu­ver­hand­lung im Früh­jahr er­rei­chen, weil der An­ge­klag­te auch als ju­ris­ti­sche Per­son be­tei­ligt wer­den müs­se, näm­lich als Vor­stand der AG, die schlüs­sel­fer­ti­ge Häu­ser an­bot und da­mit Schiff­bruch er­litt.

Im Som­mer 2016 soll Micha­el H. Fir­men und Bau­her­ren vor al­lem aus dem Crails­hei­mer Raum ge­schä­digt und Scha­den in sechs­stel­li­ger Sum­me ver­ur­sacht ha­ben. Er selbst be­strei­tet die Vor­wür­fe – er ha­be al­len­falls knapp kal­ku­liert. Vor al­lem ha­be er selbst aus­ste­hen­de Zah­lun­gen nicht er­hal­ten, was ihn in Schwie­rig­kei­ten ge­bracht ha­be.

Vom Traum­haus zum Alp­traum

Kon­kret geht es um Traum­häu­ser für jun­ge Fa­mi­li­en im Alt­kreis, die zum Alp­traum wur­den. Ver­schie­de­ne Fir­men ha­ben im Ver­trau­en auf H.’s Zah­lungs­fä­hig­keit ge­lie­fert, Hand­wer­ker ge­ar­bei­tet und die Bau­her­ren zum Teil all ihr Geld für Bau­leis­tun­gen über­wie­sen, die dann nur teil­wei­se er­bracht wur­den. Vor al­lem ei­nes die­ser Häu­ser war im Spät­som­mer 2016, als es ei­gent­lich be­zo­gen wer­den soll­te – die Miet­woh­nung war be­reits ge­kün­digt – ge­ra­de mal halb fer­tig. Ein Zeu­ge sagt, zu die­sem Zeit­punkt fehl­ten noch Elek­trik, Was­ser, Ab­was­ser, Flie­sen, In­nen­ver­putz, die Trep­pe, Luft-Wär­me-Pum­pe, Car­port und Ga­ra­ge so­wie die Ter­ras­se.

Was die nicht be­gli­che­nen Rech­nun­gen für die be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men be­deu­te­ten, schil­der­te die ers­te Zeu­gin, die als Bü­ro­kauf­frau im Un­ter­neh­men ih­res Va­ters ar­bei­tet und von den Ge­rüs­ten er­zähl­te, die für vier Bau­pro­jek­te auf­ge­stellt wur­den und mit bis zu 24 Wo­chen un­ge­wöhn­lich lan­ge stan­den. Ab­schlags­zah­lun­gen gab’s da­mals nicht: „Jetzt ma­chen wir das öf­ter.“So fiel ei­ni­ges an Kos­ten an, auf de­nen die Fir­ma sit­zen blieb.

Die Ge­schäfts­füh­re­rin ei­ner Bau­stoff­fir­ma sprach eben­falls von zahl­rei­chen un­be­gli­che­nen Rech­nun­gen, die zum Teil vom März 2016 her­rühr­ten. Die letz­te Zah­lung ging wohl am 13. Ju­ni ein, dann kam gar nichts mehr. Die ge­nann­ten Ter­mi­ne dürf­ten in die­sem Pro­zess ent­schei­dend sein. Rechts­an­walt Klein sag­te, sein Man­dant ha­be von den Haus­her­ren noch im Fe­bru­ar fast ei­ne hal­be Mil­li­on Eu­ro an Ab­schlags­zah­lun­gen er­hal­ten. Für ihn sei die­ser Eng­pass bis in den Som­mer hin­ein nicht ab­seh­bar ge­we­sen.

Bei­de Frau­en be­rich­te­ten vor Ge­richt, dass sämt­li­che Mahn­stu­fen durch­lau­fen wur­den und der Ge­richts­voll­zie­her je­weils un­ver­rich­te­ter Din­ge wie­der zu­rück­ge­kom­men sei. Die Bau­stoff­fir­ma hat ih­re of­fe­nen An­sprü­che schließ­lich für 10 000 Eu­ro ver­kauft, ein Drit­tel ih­res Werts: „Bes­ser der Spatz in der Hand“, sag­te die Ge­schäfts­füh­re­rin.

Un­be­gli­che­ne Rech­nun­gen

Weit we­ni­ger Glück hat­te ei­ne Un­ter­neh­me­rin, die sich mit ei­nem klei­nen Be­trieb für Ka­mi­n­und Ka­chel­öfen selbst­stän­dig ge­macht hat­te. „Ich hab’ den La­den mitt­ler­wei­le ver­kauft, auch we­gen die­ser Sa­che hier“, sagt sie. Über sie hat der An­ge­klag­te Sa­ni­tär­be­darf zum Groß­han­dels­preis be­zo­gen, sie be­rech­ne­te da­für rund zehn Pro­zent Pro­vi­si­on. Sie hat am 13. Ju­ni 2016 zum letz­ten Mal Geld ge­se­hen, im Ju­li den Zu­gang des An­ge­klag­ten ge­sperrt, aber noch bis Au­gust Rech­nun­gen des Sa­ni­tär-Groß­han­dels er­hal­ten, die bis heu­te of­fen sind.

Ein wich­ti­ger Zeu­ge dürf­te ein Me­dien­be­ra­ter sein, der ne­ben­her Auf­trä­ge im Bau­be­reich aus­führt. Er hat nicht nur die Bau­gru­ben für die vier Häu­ser aus­ge­ho­ben und den Au­ßen­be­reich ge­stal­tet – wo­für er je­weils ord­nungs­ge­mäß be­zahlt wur­de –, er hat dem An­ge­klag­ten auch Kon­tak­te zur Ver­fü­gung ge­stellt, et­wa zum Ofen­ge­schäft und zum Elek­tri­ker. Das ist von Be­deu­tung, weil Micha­el H. sagt, der Elek­tri­ker ha­be mehr ver­langt als ver­ein­bart, und auch den Pro­zen­ten für die Ofen­baue­rin ha­be er nie zu­ge­stimmt.

Der Zeu­ge er­zähl­te vor Ge­richt auch, was vor al­lem auf ei­ner der Bau­stel­len schief ging. Weil zu hoch ge­plant war und ei­ne Bo­den­de­cke dop­pelt so stark war wie an­ge­nom­men, kam es zu Baustopp und Rück­bau; es gab ei­nen Was­ser­ein­bruch und ei­ne nach in­nen ge­drück­te Wand. Im­mer mehr Be­tei­lig­te klag­ten dann über aus­ste­hen­de Zah­lun­gen. Auch die tsche­chi­schen Ar­bei­ter sei­en zeit­wei­se nicht be­zahlt wor­den, so der Zeu­ge, der im Som­mer be­gann, Hand­wer­ker wie Dach­de­cker und Trep­pen­bau­er zu war­nen und schließ­lich auch an­onym An­zei­ge er­stat­te­te. An­de­re ha­ben zu die­sem Zeit­punkt nur noch ge­gen Vor­kas­se ge­ar­bei­tet, im Au­gust ging dann gar nichts mehr.

An wei­te­ren Ver­hand­lungs­ta­gen wer­den un­ter an­de­rem Bank­aus­künf­te ein­ge­holt.

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