Strobl sagt „vol­le Un­ter­stüt­zung“zu

Das Echo auf den AKK-Sieg ist ge­teilt. Vie­le be­fürch­ten schlech­te Stim­mung an der Par­tei­ba­sis.

Hohenloher Tagblatt - - THEMEN DES TAGES / POLITIK - Bleibt Bun­des­Vi­ze­chef: Tho­mas Strobl Fo­to: Chris­ti­an Charisius/dpa Ro­land Mu­schel

Ham­burg. Das Baye­ri­sche Brau­haus in Ham­burg ist am Don­ners­tag­abend fest in der Hand der ba­den-würt­tem­ber­gi­schen CDU. „Heu­te ha­ben wir mit CDU-Fah­nen al­les Baye­ri­sche ver­deckt“, be­grüßt der Ge­ne­ral­se­kre­tär der Süd­west-CDU, Ma­nu­el Ha­gel, die Par­tei­freun­de am Vor­abend des Bun­des­par­tei­tags lau­nig. Auf den Holz­ti­schen ste­hen Bier­glä­ser, zu es­sen gibt es „Schlacht­plat­te oder But­ter­brot“. Als Ha­gel Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le na­ment­lich be­grüßt, will der Ap­plaus nicht en­den. Schäu­bles Wer­ben für den Kan­di­da­ten Fried­rich Merz hat an­dern­orts Kri­tik pro­vo­ziert. Hier wird sie ge­fei­ert. Ba­den-Würt­tem­berg gilt als Merz-Land. Min­des­tens 80 der 154 De­le­gier­ten aus dem Süd­wes­ten wäh­len Merz, schät­zen selbst An­hän­ger von An­net­te Kram­pKar­ren­bau­er, kurz: AKK.

Da­bei gibt es durch­aus Un­ter­schie­de. Wäh­rend im größ­ten Be­zirks­ver­band Nord­würt­tem­berg Merz an der Ba­sis sat­te Mehr­hei­ten hät­te, schla­gen in Süd­ba­den mehr Her­zen für AKK. Der Merz-Fan­club ist lau­ter, of­fen­si­ver, man­chen auch zu of­fen­siv. „Die An­ru­fe ner­ven“, be­rich­ten De­le­gier­te. „Es ha­ben sich Leu­te gar nicht mehr ge­traut, zu sa­gen, dass sie für An­ne­gret sind“, sagt die Hei­den­hei­mer Eu­ro­pa­ab­ge­ord­ne­te In­ge Gräss­le.

Das Er­geb­nis am Frei­tag ist trotz­dem für vie­le Süd­west-De­le­gier­te ei­ne Ent­täu­schung. Im Bun­des­ka­bi­nett ist der Lan­des­ver­band un­ter­re­prä­sen­tiert, auch den Chef der CDU-Bun­des­tags­frak­ti­on stellt er nicht mehr. Das Ge­fühl, we­nigs­tens Kö­nigs­ma­cher zu sein, hät­te die See­le der Süd­west-CDU ge­strei­chelt.

„Für das knap­pe Er­geb­nis wa­ren si­cher die Re­den aus­schlag­ge­bend. AKK kam ein Stück weit mensch­li­cher rü­ber“, sagt der Ra­vens­bur­ger CDU-Kreis­vor­sit­zen­de Chris­ti­an Nat­te­rer, der ei­ne Merz-Un­ter­stüt­zer-Initia­ti­ve ins Le­ben ge­ru­fen hat­te. Er hät­te sich von Merz’ Re­de „ei­nen Ti­cken mehr er­hofft“, sagt der Wai­b­lin­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Sieg­fried Lo­rek. Er sieht nun die Ge­win­ne­rin ge­for­dert, die in­ne­re Si­cher­heit mehr in den Fo­kus zu rü­cken. „Ein blo­ßes Wei­ter-so kann und darf es nicht ge­ben.“ Ein „wei­se Ent­schei­dung“ha­be der Par­tei­tag ge­trof­fen, freut sich da­ge­gen In­ge Gräss­le. Auch die Lud­wigs­bur­ger De­le­gier­te Isabell Klein sieht im Er­geb­nis „ei­ne gro­ße Chan­ce“. Das Di­lem­ma, in dem der Lan­des­ver­band nun steckt, fasst ein Par­tei­stra­te­ge so zu­sam­men: „Das Er­geb­nis ist gut für künf­ti­ge Wah­len, aber schlecht für die Stim­mung an un­se­rer Ba­sis.“Bei ei­nem De­le­gier­ten aus Nord­würt­tem­berg tru­deln di­rekt nach der Nie­der­la­ge von Merz meh­re­re Kurz­nach­rich­ten von Ent­täusch­ten ein. Ei­ner schreibt: „Der Mit­glieds­an­trag bleibt oh­ne Un­ter­schrift.“

„Ver­ein­zel­te wer­den grol­len, das wä­re an­ders­her­um aber auch so ge­we­sen“, sagt da­ge­gen CDU­Lan­des­chef Tho­mas Strobl. Er ver­spricht AKK „vol­le Un­ter­stüt­zung“aus Ba­den-Würt­tem­berg. Der Par­tei­tag be­stä­tigt ihn mit 59,34 Pro­zent – dem zweit­schlech­tes­ten Er­geb­nis – als ei­nen der fünf Stell­ver­tre­ter der neu­en Bun­des­vor­sit­zen­den.

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