Gly­pho­sat-Aus­stieg steht in den Ster­nen

Hohenloher Tagblatt - - POLITIK - Igor St­ein­le

Mi­nis­te­rin Schul­ze will von 2023 an den Un­kraut­ver­nich­ter ver­bie­ten. Doch das Agrar­mi­nis­te­ri­um bremst.

Ber­lin. Im Kon­flikt in­ner­halb der Bun­des­re­gie­rung um den Gly­pho­sat-Aus­stieg ist kei­ne Lö­sung in Sicht. So wur­de im Ko­ali­ti­ons­ver­trag zwar ver­ein­bart, die Nut­zung des Un­kraut­ver­nichters noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zu be­en­den. Seit Ko­ali­ti­ons­be­ginn je­doch be­har­ken sich die zu­stän­di­gen Um­welt- und Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­en über den kon­kre­ten Aus­stiegs­pfad.

„So­bald die eu­ro­päi­sche Zu­las­sung aus­läuft, wol­len wir Gly­pho­sat kom­plett ver­bie­ten und bis da­hin die Nut­zung weit­ge­hend ein­schrän­ken“, be­kräf­tig­te Um­welt­mi­nis­te­rin Sven­ja Schul­ze (SPD) ih­re For­de­rung ges­tern in ei­nem In­ter­view mit die­ser Zei­tung. Am 15. De­zem­ber 2022 läuft die Ge­neh­mi­gung der EU-Kom­mis­si­on aus, bis da­hin wür­de ein na­tio­na­les Ver­bot ge­gen EU-Recht ver­sto­ßen. Im CDU-ge­führ­ten Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um je­doch stößt Schul­zes For­de­rung auf we­nig Ge­gen­lie­be. „Ob für den Zei­t­raum da­nach ei­ne Wie­der­ge­neh­mi­gung be­an­tragt und ge­währt wer­den wird, kann heu­te nicht vor­her­ge­sagt wer­den“, sag­te ei­ne Spre­che­rin die­ser Zei­tung. Wie man ge­denkt, den ver­ein­bar­ten Kom­plett­aus­stieg den­noch zu rea­li­sie­ren, bleibt so­mit of­fen. Zwar liegt das En­de des EU-Zu­las­sungs­zeit­raums au­ßer­halb der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode und so­mit au­ßer­halb des Gestal­tungs­spiel­raums der ak­tu­el­len Bun­des­re­gie­rung. Im Um­welt­mi­nis­te­ri­um je­doch wür­de man ger­ne ei­ne Ver­pflich­tung ge­setz­lich ver­an­kern, die spä­te­ren Re­gie­run­gen die Mög­lich­keit nimmt, nach Ab­lauf der EU-Zu­las­sung noch­mals für ei­ne Ge­neh­mi­gung zu stim­men.

In der Op­po­si­ti­on stößt die zö­ger­li­che Hal­tung des Land­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­ums auf har­sche Kri­tik. Agrar­mi­nis­te­rin Ju­lia Klöck­ner ver­schie­be das Aus­stiegs­da­tum „end­gül­tig auf den Sankt-Nim­mer­leins­tag“, schimpft Gly­pho­sat-Ex­per­te Ha­rald Eb­ner (Grü­ne). „Wie weit will die Bun­des­re­gie­rung bei Gly­pho­sat ei­gent­lich noch vom Ko­ali­ti­ons­ver­trag ab­rü­cken?“Ihr ver­hal­ten scha­de „der Sa­che, der Glaub­wür­dig­keit von Po­li­tik, aber auch der eu­ro­päi­schen Idee“, sagt Ex­per­te Eb­ner.

Gly­pho­sat steht im Ver­dacht, die Ar­ten­viel­falt in Agrar­land­schaf­ten zu be­dro­hen und Krebs zu er­re­gen. Ei­ne er­neu­te Zu­las­sung durch die EU-Kom­mis­si­on hat das Her­bi­zid vor ei­nem Jahr nur des­we­gen er­hal­ten, weil der da­ma­li­ge Bun­des­land­wirt­schafts­mi­nis­ter Chris­ti­an Schmidt (CSU) ein deut­sches Ja da­für ver­an­lass­te. Mit der Bun­des­re­gie­rung war dies nicht ab­ge­stimmt. Sei­ne Zu­stim­mung war das Züng­lein an der Waa­ge, das für ei­ne qua­li­fi­zier­te Mehr­heit in der EU ge­sorgt hat.

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