EIN HARMONISCHES INTERIEUR PRÄGT MIRANDAS HAUS.

Fu­si­on zwei­er Häu­ser

Homes & Gardens (Germany) - - INHALT - TEXT: JULIET BENNING, HEI­KE HEEL FO­TOS: DAVIDE LOVATTI

Die En­g­län­de­rin Mi­ran­da Da­vies und ihr Mann sind stol­ze Be­sit­zer gleich zwei­er Stadt­häu­ser im Süd­wes­ten Lon­dons. Jetzt ließ das Paar sei­ne Im­mo­bi­li­en zu ei­ner Ein­heit ver­schmel­zen.

End­lich wächst zu­sam­men, was zu­sam­men ge­hört.“Es dau­er­te über zehn Jah­re, bis die­ser Satz end­lich Mi­ran­da Da­vies’ Lip­pen ver­ließ. Zu­sam­men mit ih­rem Mann kauf­te die En­g­län­de­rin vor gut zwölf Jah­ren ein vik­to­ria­ni­sches Stadt­haus im Süd­wes­ten Lon­dons. Als we­nig spä­ter auch das Nach­bar­ge­bäu­de zu ha­ben war, grif­fen die El­tern von vier Kin­dern noch­mals zu. Die Um­bau­plä­ne, die sich fort­an in den krea­ti­ven Köp­fen der bei­den ent­wi­ckel­ten, wa­ren so am­bi­tio­niert, dass sie das zwei­te Re­fu­gi­um erst ein­mal für meh­re­re Jah­re ver­mie­te­ten, bis sie sich die Traum-sa­nie­rung schließ­lich leis­ten konn­ten. Als es end­lich so weit war, en­ga­gier­ten sie die Ar­chi­tek­ten und In­te­ri­or-de­si­gner Ali Ro­bin­son und Car­o­lyn van No­ort. Denn was Mi­ran­da und ihr Mann ge­plant hat­ten, war aus ei­ge­ner Kraft nicht zu be­werk­stel­li­gen. „Un­ser Wunsch war, die bei­den Grund­stü­cke und Ge­bäu­de so mit­ein­an­der zu ver­bin­den, dass sie ein harmonisches Gan­zes er­ga­ben“, er­klärt Mi­ran­da Da­vies. Aus zwei Häu­sern soll­te al­so ei­nes wer­den. Dem Ar­chi­tek­ten-duo war schnell klar, dass die­ser Traum schwe­rer zu er­fül­len sein wür­de, als es sich die Auf­trag­ge­ber er­hofft hat­ten. Es galt Vor­schrif­ten ein­zu­hal­ten und nicht durch je­de der tra­gen­den Wän­den konn­te pro­blem­los ein Durch­bruch aus­ge­führt wer­den. Die Ar­chi­tek­ten muss­ten im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes um die Ecke den­ken.

Ein An­bau am hin­te­ren Teil der Häu­ser wur­de zum größ­ten ver­bin­den­den Ele­ment, von dem aus klei­ne­re Durch­brü­che in die be­reits vor­han­de­ne Bau­sub­stanz ge­macht wer­den konn­ten. Der An­bau be­her­bergt ei­ne hoch­mo­der­ne of­fe­ne Kü­che, bei der man dank bo­den­tie­fer Glas­fron­ten und Schie­be­tü­ren in den jetzt auch dop­pelt so gro­ßen Gar­ten ge­langt. An der zur Stra­ße ge­wand­ten Häu­ser­front muss­te kaum et­was ver­än­dert wer­den, um

ei­ne neue Ein­heit zu schaf­fen, da die bei­den Ge­bäu­de ur­sprüng­lich vom sel­ben Ar­chi­tek­ten er­baut wur­den und des­sen Hand­schrift tru­gen. Im In­ne­ren hin­ge­gen blieb zum Teil kein Stein auf dem an­de­ren. So­gar ei­ne Trep­pe wur­de ent­fernt. In dem so ge­won­ne­nen Wohn­raum ver­drei­fach­te sich die Raum­hö­he und in die De­cke ein­ge­las­se­ne Fens­ter bril­lie­ren als raf­fi­nier­te Licht­quel­le. An Hel­lig­keit, Wei­te durch Trans­pa­renz und Leich­tig­keit fehlt es in die­sem wahr ge­wor­de­nen Wohn­t­raum wirk­lich nicht.

Durch das of­fe­ne Kon­zept kommt auch das Mo­bi­li­ar der Fa­mi­lie per­fekt zur Gel­tung. Die be­reits vor­han­de­nen Ob­jek­te wur­den durch vie­le neue Stü­cke er­gänzt. Auch da­bei fand das Paar Un­ter­stüt­zung von den Ar­chi­tek­ten. „Mi­ran­da hän­dig­te uns Hun­der­te von Bil­dern aus, wel­che sie aus Wohn­ma­ga­zi­nen aus­ge­schnit­ten und ge­sam­melt hat­te“, er­in­nert sich die Ar­chi­tek­tin Ali Ro­bin­son. Aus­ge­stat­tet

mit die­sem per­sön­li­chen Leit­fa­den zog sie los, um neue Interieur-schät­ze zu fin­den, die den Ge­schmack von Mi­ran­da tref­fen und wei­ter ent­wi­ckeln soll­ten. „Ich woll­te auf kei­nen Fall aus mei­nem Traum vom neu­en Haus auf­wa­chen und mich in ei­ner Art Show­room wie­der­fin­den, in dem sich nie­mand traut sich hin­zu­set­zen“, so Mi­ran­da. In Team­ar­beit ist es ge­lun­gen, ein Zu­hau­se zu schaf­fen, in dem man sich ger­ne nie­der­lässt. Mo­der­ne Mö­bel wie zum Bei­spiel in der ge­räu­mi­gen Kü­che oder auch die So­fas und Ti­sche im Haus har­mo­nie­ren per­fekt mit De­sign-schät­zen wie un­zäh­li­gen Ea­mes-stüh­len und hand­ver­le­se­nen Ein­zel­stü­cken aus ver­schie­de­nen Epo­chen. Ne­ben dem ge­konnt in­sze­nier­ten Mix an Mö­beln gibt das neue Zu­hau­se von Mi­ran­da und ih­rer Fa­mi­lie ei­ne wei­te­re Raf­fi­nes­se preis: Ne­ben dem fle­xi­blen Mo­bi­li­ar fin­den sich par­al­lel et­li­che, in die Wän­de in­te­grier­te Glas­vi­tri­nen, Klei­der­schrän­ke, Re­ga­le und Schreib­ti­sche. Auch Wand­durch­brü­che, die groß­flä­chi­ge Spros­sen­fens­ter be­her­ber­gen oder Räu­me oh­ne Tü­ren mit­ein­an­der ver­bin­den, tra­gen die Hand­schrift der Ar­chi­tek­ten. Die un­kon­ven­tio­nel­le Lam­pen­hän­gung über dem lan­gen Ess­tisch in der Kü­che hin­ge­gen geht al­lei­ne auf Mirandas Ide­en­kon­to. Auch die de­zen­te Farb­stim­mung, die meist le­dig­lich durch ver­schie­de­ne Blau- oder Flie­der­nu­an­cen durch­bro­chen wird, trifft ge­nau den Ge­schmack der Fa­mi­lie. Die wohl kräf­tigs­ten Far­ben fin­den sich im Wohn­zim­mer, in dem tau­ben­blaue Samts­es­sel vor dun­kel­blau­en Bü­cher­wän­den po­si­tio­niert sind. Der Aus­gangs­punkt die­ses Rau­mes, der ei­ner Pri­vat­bi­blio­thek gleicht, war aber kei­nes­falls die im­po­san­te Kom­bi­na­ti­on der Mö­bel. „Ich ha­be mich hier beim Ein­rich­ten zu­nächst für die Struk­tur­ta­pe­te ent­schie­den“, er­in­nert sich Mi­ran­da. „Sie bringt den Raum

ganz un­ter­schied­lich zum Strah­len, je nach­dem wie das Licht ein­fällt.“Den um die Ecke den­ken­den Ar­chi­tek­ten ist es mit die­sem an­spruchs­vol­len Um­bau ge­lun­gen, ei­ne gan­ze Fa­mi­lie zum Strah­len zu brin­gen und al­len ein Lä­cheln ins Ge­sicht zu zau­bern, so­bald sie über die Tür­schwel­le tre­ten.

KLEIN & FEIN Das Zim­mer ist neu­tral ge­hal­ten, da­mit sich die jun­gen Be­woh­ner dar­in ent­fal­ten kön­nen.

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EDEL & KLUG Die bei­ge-brau­ne Ta­pe­te Ka­mi­ko Si­sal har­mo­niert farb­lich mit den blau­en, de­cken­ho­hen Re­ga­len der Fa­mi­li­en­bi­blio­thek.

AUF­GE­RÄUMT Die mul­ti­funk­tio­na­le Ni­sche dient gleich­zei­tig als Schreib­tisch und prak­ti­sches Re­gal.

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