GAR­TEN­KUNST

Vom Frost in Sze­ne ge­setzt

Homes & Gardens (Germany) - - INHALT - TEXT: STE­FA­NIE SYREN, AN­TOI­NET­TE GALBRAITH FO­TOS: GAP PHO­TOS/RAY COX

Ein schot­ti­scher Land­gar­ten wird vom Frost in Sze­ne ge­setzt.

Schon die El­tern hat­ten auf dem Ge­höft ge­lebt und mit viel Lie­be den Garten ge­stal­tet. Chris­ti­an und John Cur­tis er­hal­ten das Ju­wel und ge­nie­ßen es auch bei ei­si­ger Käl­te.

Wenn nach ei­ner kal­ten Frost­nacht je­de Pflan­ze von Eiskristallen über­haucht zu sein scheint, zeigt der Garten ei­ne an­rüh­rend schö­ne Sei­te, wie sie nur der Win­ter schen­ken kann. Be­leuch­tet dann auch noch die um die­se Jah­res­zeit tief ste­hen­de Son­ne die Sze­ne­rie, muss man ein­fach hin­aus und sich die­ses Schau­spiel der Na­tur an­se­hen. „Ho­ar­frost“, auf Deutsch Rau­reif, heißt das Zau­ber­wort, das auch Chris­ti­an Cur­tis nach drau­ßen lockt. Schon En­de der 1970er-jah­re über­nahm sie – im Eng­li­schen ist Chris­ti­an auch als weib­li­cher Vor­na­me mög­lich – mit ih­rem Mann John das An­we­sen ih­rer El­tern in Schott­land. Dass der Garten ei­ne ganz be­son­de­re Au­ra hat, liegt auch dar­an, dass sich der drei­sei­ti­ge Hof nach Os­ten öff­net und ei­nen wei­ten Aus­blick auf die Hü­gel von Bon­ches­ter bie­tet. Das dürf­te auch den 1976 ver­stor­be­nen Land­schafts­ar­chi­tek­ten

Per­cy Ca­ne be­ein­druckt ha­ben. Chris­ti­ans El­tern konn­ten den ge­frag­ten Gestal­ter für ei­nen Teil ih­res Gar­tens ge­win­nen und lie­ßen die obe­re, ho­fähn­li­che Flä­che von Ca­ne kon­zi­pie­ren. Das klas­si­sche De­sign die­ses Gar­ten­teils trotz­te dem Zeit­geist und wirkt bis heu­te sehr har­mo­nisch. Rund um ein zen­tra­les Ra­sen­recht­eck ver­lau­fen ge­ra­de We­ge, die von Ra­bat­ten flan­kiert wer­den. Die­se for­ma­le Grund­struk­tur be­hielt Chris­ti­an bei, die Be­pflan­zung ver­än­der­te sie je­doch ein we­nig.

Ro­sen und Thy­mi­an do­mi­nier­ten zu Zei­ten ih­rer El­tern die Bee­te. Chris­ti­an pflanz­te statt­des­sen groß­flä­chig Hei­de­kraut. Die­se im­mer­grü­nen Tep­pi­che zie­hen zur Zeit der Blü­te die Bli­cke auf sich, aber auch im Win­ter, wenn die kur­zen Trie­be vom Rau­reif über­zo­gen sind. Die größ­te Ve­rän­de­rung des Gar­tens nah­men Chris­ti­an und John gleich nach ih­rem Ein­zug vor rund 40 Jah­ren in An­griff.

Das Loch prägt den Garten bis heu­te und zwar im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Dort, im un­te­ren Teil des An­we­sens, der nicht von Per­cy Ca­ne ge­stal­tet war, lie­ßen bei­de das Erd­reich aus­bag­gern. Ihr Traum: Hier soll­te ein klei­ner See, auf schot­tisch „Loch“, ent­ste­hen. Der Kraft­akt von da­mals hat sich ge­lohnt. Blickt man heu­te vom obe­ren Gar­ten­teil Rich­tung Os­ten, lässt das glit­zern­de Was­ser des „Lochs“die Gar­ten­gren­zen ver­ges­sen und lenkt den Blick hin­aus in die Land­schaft. Wäh­rend der war­men Jah­res­zeit gönnt sich das Paar hier ganz ent­spann­te Garten-mo­men­te, er­zählt Chris­ti­an: „Manch­mal set­zen wir uns in ein Boot und ge­nie­ßen ein Glas Gin To­nic auf dem Was­ser.” Im Som­mer ist der Teich nur ei­ne von vie­len At­trak­tio­nen des Gar­tens. Dann blü­hen nicht nur un­kom­pli­zier­te Ram­bler­ro­sen wie „New Dawn“, son­dern auch bo­ta­ni­sche Schät­ze wie der be­gehr­te blaue Schein­mohn der Sor­te „Slie­ve Do­nard“. Die­se spek­ta­ku­lä­ren Hin­gu­cker kann der win­ter­li­che Garten zwar nicht bie­ten, doch so­lan­ge ein Teil der Pflan­zen auch bei Frost prä­sent ist, wirkt die An­la­ge at­trak­tiv. Das soll auch in Zu­kunft so blei­ben und da mitt­ler­wei­le auch Sohn Ro­ger mit sei­ner Frau Al­ison und den bei­den En­keln in dem ehe­ma­li­gen Ge­höft lebt, ste­hen die Chan­cen gut, dass das Ge­samt­kunst­werk auch für kom­men­de Ge­ne­ra­tio­nen er­hal­ten wird.

WEIT­BLICKDie „ge­borg­te Land­schaft“der schot­ti­schen Hü­gel wird op­tisch zu ei­nem Teil des Gar­tens und ver­leiht ihm Groß­zü­gig­keit.

EIN­LA­DEND Wenn die Na­tur im Win­ter schläft, rü­cken Ele­men­te wie Rank­bo­gen und Gar­ten­tor in den Mit­tel­punkt.

1 1 IN ETA­GEN Ei­ben und Stau­den schmü­cken die ter­ras­sier­ten Bee­te auch bei Frost.

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3 2 RU­HE­POL Duft­blü­ten-sträu­cher bie­ten der Bank ganz­jäh­ri­ge Rü­cken­de­ckung. 3 PITTORESK Der stei­ner­ne Schaf­kopf wird von im­mer­grü­nen Efeu­ran­ken um­garnt.

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