Für tau­sen­de Pil­ger geht oh­ne Kreuz nichts

Illertisser Zeitung - - Bayern -

In Re­gens­burg hat ges­tern die 189. Fuß­wall­fahrt nach Alt­öt­ting be­gon­nen. Rund 4000 Pil­ger mach­ten sich nach An­ga­ben der Ver­an­stal­ter am Mor­gen bei reg­ne­ri­schem Wetter auf in Rich­tung des ober­baye­ri­schen Wall­fahrts­orts. „Trotz Re­gen sind al­le Pil­ger gu­ten Mu­tes ge­we­sen“, sag­te Pil­ger­füh­rer Bern­hard Mei­ler. Am Sams­tag wol­len die Teil­neh­mer im 111 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Alt­öt­ting an­kom­men. Auf dem Weg schlos­sen sich im­mer wie­der wei­te­re Pil­ger dem ki­lo­me­ter­lan­gen Zug an. Po­li­zei und frei­wil­li­ge Hel­fer sperr­ten im­mer wie­der Zu­fahrts­stra­ßen ab. Auf

Bea­trix Dra­go fe­dert aus ih­rem Stuhl im Fo­rum am Hof­gar­ten. Sie steht und lä­chelt. Und das ist nicht auf­ge­setzt. Denn was sie am Don­ners­tag von der neu­en Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin Michae­la Ka­ni­ber in Günz­burg ge­hört hat, das hat ihr „wirk­lich ge­fal­len“. Die Frau, die in der Baye­ri­schen Ver­wal­tung für Länd­li­che Ent­wick­lung in Mün­chen für „zen­tra­le Auf­ga­ben“zu­stän­dig ist, glaubt, in der Mi­nis­te­rin ei­ne „Mit­strei­te­rin“für ih­re Sa­che ent­deckt zu ha­ben. Das Ziel ist, den länd­li­chen Räu­men, die zwi­schen den Me­tro­pol­re­gio­nen vor der „Hei­mat­stra­te­gie“der Staats­re­gie­rung in Ver­ges­sen­heit zu ge­ra­ten schie­nen, mehr Be­deu­tung zu ge­ben; Bür­ger auch mit staat­li­chen För­der­gel­dern an­zu­stif­ten, ih­re Dör­fer ein Stück weit le­bens­wer­ter zu ge­stal­ten.

Mit Schwung hat Ka­ni­ber, Mut­ter drei­er 14, 17 und 18 Jah­re al­ten Töch­ter, die Auf­ga­be ih­res Vor­gän­gers Hel­mut Brun­ner nach der Ka­bi­netts­um­bil­dung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der vor rund acht Wo­chen über­nom­men. An­fangs, sagt die Gast­wirts­toch­ter und frü­he­re An­ge­stell­te ei­nes Steu­er­bü­ros, ha­be sie das An­ge­bot des Re­gie­rungs­chefs „sehr ir­ri­tiert“, aus­ge- und zeigt sich bei­na­he eu­pho­risch von den Mög­lich­kei­ten, die länd­li­che Räu­me bie­ten, wenn sich die Ein­woh­ner dort en­ga­gie­ren. „Länd­li­cher Raum ist Zu­kunfts­raum“, sagt sie.

Ka­ni­ber kommt aber nicht nur mit wohl­fei­len Be­kennt­nis­sen an die Do­nau. Sie will „mehr Dorf­lä­den, Bä­cker und Metz­ger fürs Land“und star­tet in Günz­burg die Initia­ti­ve „Hei­mat­un­ter­neh­men“. Kleinst­un­ter­neh­men der Gr­und­ver­sor­gung sol­len mit bis zu 200 000 Eu­ro staat­lich ge­för­dert wer­den. Zu ei­nem at­trak­ti­ven Stand­ort ge­hö­re auch ein aus­rei­chen­des An­ge­bot an Wa­ren und Di­enst­leis­tun­gen, be­grün­det ih­rem Weg durch drei baye­ri­sche Re­gie­rungs­be­zir­ke beten die Gläu­bi­gen ge­mein­sam mit­hil­fe von dut­zen­den per Funk ver­bun­de­nen Laut­spre­chern. An der Lauf­stre­cke bie­ten Be­woh­ner Schlaf­plät­ze und Brot­zeit für bis zu 8000 Pil­ger an. In die­sem Jahr steht die Wall­fahrt un­ter dem Mot­to „Oh­ne Kreuz geht es nicht!“. Mit der ak­tu­el­len po­li­ti­schen De­bat­te über Kru­zi­fi­xe ha­be es nichts zu tun, sag­te ein Spre­cher des Bis­tums Re­gens­burg. Viel­mehr sei es ein Zitat von Bru­der Kon­rad ge­we­sen, an des­sen 200. Ge­burts­tag er­in­nert wer­den soll. dürf­te ges­tern ei­ni­ger­ma­ßen ein­ge­schränkt ge­we­sen sein.

Um den Flä­chen­ver­brauch ein­zu­schrän­ken („Wir brau­chen kei­ne ab­so­lu­te Dorf­ent­wick­lung, son­dern ei­ne mit Be­dacht“), kün­digt die Land­wirt­schafts­mi­nis­te­rin an, mehr als bis­her für die Re­vi­ta­li­sie­rung der Orts­ker­ne bei­zu­tra­gen. Kon­kret be­deu­tet das: Künf­tig er­hal­ten Kom­mu­nen bis zu 80 Pro­zent För­de­rung, wenn sie im Ort­sin­ne­ren bei­spiels­wei­se leer ste­hen­de Ge­bäu­de mo­der­ni­sie­ren, in­stand set­zen oder ab­bre­chen und die Grund­stü­cke so für ei­ne Wie­der­be­bau­ung be­reit­stel­len. Das ist ei­ne Er­hö­hung der staat­li­chen Zu­schüs­se um 20 Pro­zent­punk­te. Ge­mein­den, die fi­nanz­schwach sind oder vom Be­völ­ke­rungs­rück­gang stark be­trof­fen, sol­len so­gar ei­ne 90-pro­zen­ti­ge För­de­rech­net dre­hen muss? „Dar­über ma­che ich mir über­haupt kei­ne Ge­dan­ken“, ant­wor­tet die Ober­baye­rin auf die Fra­ge. „Ich weiß, dass dies ein Amt auf Zeit ist. Das muss der Wäh­ler ent­schei­den.“

Für die Dorfer­neue­rung, das ist ei­ne wei­te­re neue Zahl an die­sem Tag, soll der bis­he­ri­ge Etat von 115 Mil­lio­nen Eu­ro um wei­te­re 25 Mil­lio­nen Eu­ro mit­hil­fe des Nach­trags­haus­halts er­höht wer­den. „Ich wuss­te, dass et­was kommt, aber nicht, wie viel“, re­agiert Jo­hann Hu­ber, der Prä­si­dent des Am­tes für Länd­li­che Ent­wick­lung Schwa­ben (Sitz in Krum­bach) er­freut auf die an­ge­kün­dig­te Grö­ßen­ord­nung.

VON TILL HOF­MANN Fo­to: Pe­ter Kn­ef­fel, dpa

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