„Ich bin ein wahn­sin­ni­ges Glücks­kind“

Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger singt auch – we­ni­ger über die Lie­be, mehr über die Frau an sich. War­um sie froh ist, nicht mehr Mit­te 20 zu sein und ihr Be­ruf ihr gar nicht so wich­tig ist

Illertisser Zeitung - - Panorama - War­um ei­gent­lich nicht? In­ter­view: Stef­fen Rüth

Frau Schö­ne­ber­ger, Sie mo­de­rie­ren ja nicht nur und ha­ben ei­ne ei­ge­ne Zeit­schrift – Sie sin­gen auch. Kürz­lich ist Ihr vier­tes Al­bum er­schie­nen. Text­lich geht es um zwölf ver­schie­de­ne Fa­cet­ten des Frauseins. Wie per­sön­lich ist „Ei­ne Frau gibt Aus­kunft“ge­wor­den?

Ich sin­ge über The­men, die mir über­wie­gend nicht fremd sind, die aber größ­ten­teils ge­ra­de nicht viel mit mei­nem Le­ben zu tun ha­ben. Ich bin ja nicht die ty­pi­sche Sin­ger-Song­wri­te­rin, die sich über ih­ren Lie­bes­kum­mer aus­heult.

Ers­tens ha­be ich gar kei­nen Lie­bes­kum­mer, zwei­tens den­ke ich schnell „Jetzt wird es aber lä­cher­lich“, wenn es zu emo­tio­nal wird. Des­halb ha­ben wir uns lan­ge ziem­lich schwer­ge­tan, ei­ne Her­an­ge­hens­wei­se an die­ses Al­bum zu fin­den und uns Lie­der zu über­le­gen, die glaub­wür­dig ge­nug sind, da­mit die Hö­re­rin sich an­ge­spro­chen fühlt. Schließ­lich hat­ten wir die Idee, zwölf Frau­en­ty­pen zu ent­wi­ckeln, von de­nen je­de kom­plett an­ders, aber auch nach­voll­zieh­bar ist.

Hät­ten Sie ger­ne mehr Lie­bes­kum­mer, da­mit Sie dar­über sin­gen kön­nen?

Ich glau­be tat­säch­lich, dass man sich leich­ter da­mit tut, poe­tisch zu sein, wenn man sich in emo­tio­nal to­tal ent­rück­ten Ver­hält­nis­sen be­fin­det, al­so ent­we­der in der to­ta­len Lie­be­seu­pho­rie oder in der to­ta­len Lie­bes­de­pres­si­on.

Wo be­fin­den Sie sich denn auf der Lie­bes­ska­la?

Im obe­ren Drit­tel. Kurz un­ter­halb der Eu­pho­rie. Das ist wahr­schein­lich der un­pro­duk­tivs­te Be­reich, in dem man sich auf­hal­ten kann.

Für die Kunst schwie­rig, für Sie toll.

Eben. Bei vie­len The­men kann ich ein­fach nicht mit­re­den. Und ich kann in mei­nem Al­ter nicht mehr im Ernst ein Al­bum ma­chen, auf dem ich sin­ge „Ich fin­de dich geil, wie krie­ge ich dich ins Bett?“Das ist ein­fach nicht Teil mei­ner Le­bens­welt. Ich bin halt kei­ne 23 mehr.

Wä­ren Sie ger­ne noch mal Mit­te 20?

Nein. Ich weiß, wo ich hin­ge­hö­re. Und ich le­be das Le­ben, das ich le­ben will.

Und Hu­mor ist wich­tig für Ih­re Ar­beit, oder?

Klar. Ich ha­be mich re­la­tiv früh ge­gen In­for­ma­ti­on und für Un­ter­hal­tung ent­schie­den. Da­mit bin ich glück­lich. Ich mer­ke, dass der Grad­mes­ser mei­nes Le­bens der Spaß dar­an ist. Ich kom­me je­den Abend nach Hau­se und sa­ge: „Heu­te war es wie­der su­per­lus­tig.“Für mein fa­mi­liä­res Um­feld ist das höchst er­mü­dend, aber es reicht ja, wenn ei­ner in der Fa­mi­lie ei­nen nor­ma­len Job macht. Ich bin tat­säch­lich aus­ge­gli­chen und glück­lich bei dem, was ich tue.

So deut­lich hört man das sel­ten.

Ich weiß das auch wirk­lich zu schät­zen, dass ich un­ter so ei­ner ro­sa­ro­ten Glo­cke le­be. Ich neh­me das nicht selbst­ver­ständ­lich, es ist mir to­tal be­wusst, und ich bin da­für auch ex­trem dank­bar.

Ha­ben Sie sich die­se ro­sa­ro­te Glo­cke selbst ge­baut oder ist sie Ih­nen über­ge­stülpt wor­den?

Ich bin schon ein wahn­sin­ni­ges Glücks­kind. Auf der ei­nen Sei­te ist mir tat­säch­lich noch nie et­was Schlim­mes wi­der­fah­ren. Da­für kann ich nichts, da hat es das Schick­sal gut mit mir ge­meint. An­de­rer­seits ha­be ich die­se un­fass­ba­re Tef­lon-Ver­an­la­gung, wo­durch mir Din­ge, die an­de­ren na­he­ge­hen wür­den, gar nicht so sehr auf­fal­len.

Le­sen Sie Kri­ti­ken und Kom­men­ta­re über sich und Ih­re Ar­beit?

Es ist nicht so wich­tig, was ich ma­che, es ist nur Un­ter­hal­tung. Ich ma­che bei der Ar­beit ein­fach mein Ding und se­he mich selbst ei­gent­lich als die to­ta­le Pri­vat­per­son, die am liebs­ten zu Hau­se ist und sich ab und zu schi­cke Kla­mot­ten an­zieht und auf die Ar­beit geht. Dann kom­me ich wie­der heim und füh­re mein un­auf­ge­reg­tes, nor­ma­les Le­ben wei­ter.

Sie schei­nen stän­dig in TV-Shows, bei Ga­las oder Fir­me­nevents auf­zu­tre­ten. Sind Sie viel­leicht den­noch mehr zu Hau­se, als die Öf­fent­lich­keit glaubt?

Ja, viel mehr. Al­les, was ich ma­che und sa­ge, wird nach au­ßen breit­ge­tre­ten. Und dann wirkt es so, als sei ich per­ma­nent ir­gend­wo. Ich bin kei­ne Schau­spie­le­rin, die sechs Wo­chen auf Ma­da­gas­kar dreht. Trotz­dem wer­de ich im­mer in die­se Ecke ge­drängt von we­gen: „Oh, Sie sind ja im­mer im Fernsehen, wie ma­chen Sie das ei­gent­lich mit den Kin­dern?“Al­so: Es ist nun wirk­lich für nie­man­den leich­ter als für mich, das zu or­ga­ni­sie­ren. Men­schen mit ei­nem nor­ma­len Job ha­ben mehr Schwie­rig­kei­ten, Fa­mi­lie und Be­ruf un­ter ei­nen Hut zu krie­gen.

Be­ein­druckt Sie die gla­mou­rö­se Welt, in der Sie sich be­we­gen, über­haupt nicht?

Ei­gent­lich nicht. Ich ha­be ei­ne Freun­din, wenn die sich Schu­he kauft, stellt sie die an ihr Bett und guckt sie sich beim Auf­wa­chen an. So et­was ma­che ich nicht. Um mei­nen Gla­mour küm­mert sich mein Sty­list. Pri­vat ist es mir wurscht, wie ich her­um­lau­fe.

Fo­to: Se­bas­ti­an Kah­nert, dpa

Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger kennt man als Mo­de­ra­to­rin. Doch sie ist auch als Mu­si­ke­rin un­ter­wegs.

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