Mi­nus Zin­sen dür­fen wei­ter­ge­ge­ben wer­den

Ge­richt ent­schei­det über Ries­ter-Ver­trä­ge. Was das für Spa­rer heißt

Illertisser Zeitung - - Wirtschaft - Fi­nanz­test (dpa)

Mil­lio­nen Men­schen sor­gen mit Ries­ter-Ver­trä­gen fürs Al­ter vor. Was aber, wenn der An­bie­ter sein Zins­ver­spre­chen nicht ein­hält und Mi­nus­zin­sen ein­preist? Die­se Fra­ge be­schäf­tigt das Land­ge­richt Tü­bin­gen.

Wie hat das Ge­richt ent­schie­den?

Die Kla­ge der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg hat­te kei­nen Er­folg. Das Land­ge­richt hält die Zins­ge­stal­tung der Kreis­spar­kas­se Tü­bin­gen für trans­pa­rent und konn­te kei­ne „Be­nach­tei­li­gung von Ver­brau­chern“er­ken­nen. Denn ob­wohl der Gr­und­zins bei dem Pro­dukt ne­ga­tiv ge­wor­den sei, ha­be der von der Spar­kas­se zu­sätz­lich ge­währ­te Bo­nus­zins ver­hin­dert, dass Kun­den für Spar­ver­trä­ge zah­len muss­ten.

Wor­um ging es ge­nau?

Ge­strit­ten wur­de um den Ries­terBank­spar­plan „Vor­sor­gePlus“, den meh­re­re Spar­kas­sen in Deutsch­land an­bie­ten. Im ver­gan­ge­nen Au­gust hat­te die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg die Kreis­spar­kas­se Tü­bin­gen ab­ge­mahnt, weil sie da­mals für das Pro­dukt ei­nen Gr­und­zins von mi­nus 0,5 Pro­zent aus­wies. Die Spar­kas­se ver­rech­ne­te den zu­ge­sag­ten po­si­ti­ven Staf­fel­zins mit dem ak­tu­ell ne­ga­ti­ven va­ria­blen Zins. Das hält die Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg für rechts­wid­rig.

Wie ist die Po­si­ti­on der Spar­kas­se?

Die Kreis­spar­kas­se hat­te sich ge­gen die Kri­tik ge­wehrt: Kei­nem Kun­den wür­den tat­säch­lich Mi­nus­zin­sen in Rech­nung ge­stellt. Die Gr­und­ver­zin­sung wer­de mit den zu­sätz­li­chen Bo­nus­zin­sen der Bank­spar­plä­ne ver­rech­net. Al­le Kun­den der Spar­kas­se er­hiel­ten des­halb un­ter dem Strich po­si­ti­ve Zin­sen.

Ist der Tü­bin­ger Fall ein Ein­zel­fall?

Ex­per­ten zu­fol­ge bis­her ja. Al­ler­dings ist er be­son­ders pi­kant, sor­gen doch et­wa 16 Mil­lio­nen Men­schen in Deutsch­land per Ries­ter-Ver­trag vor – und ver­las­sen sich auf die ver­ein­bar­ten Kon­di­tio­nen. Nach Ein­schät­zung von hät­ten „auch vie­le an­de­re An­bie­ter von Bank­spar­plä­nen rech­ne­risch die Mög­lich­keit, Mi­nus-Zin­sen aus­zu­wei­sen“. Denn in der Re­gel sei­en Ries­ter-Bank­spar­plä­ne von Ge­nos­sen­schafts­ban­ken und Spar­kas­sen mit fes­tem Ab­schlag auf ei­nen Re­fe­renz­zins kal­ku­liert. Doch weil die Nied­rig­zins­pha­se die Re­fe­renz­zin­sen nach un­ten drückt, kom­men An­bie­ter in Schwie­rig­kei­ten, ihr Zins­ver­spre­chen zu hal­ten.

Fo­to: dpa

Die Kreis­spar­kas­se Tü­bin­gen hat­te die Ne­ga­tiv­zin­sen ver­rech­net.

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