Soll Löw ge­hen oder blei­ben?

Pres­se: Der Ton ist ge­mä­ßigt, es zeich­net sich aber ein Trend ab

Illertisser Zeitung - - Wm 2018 - VON ANDRE­AS KORNES Zei­tung Welt Bild, Süd­deut­sche Zei­tung Ber­li­ner Zei­tung Stutt­gar­ter Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Die

Im Fuß­ball ist es manch­mal ganz ein­fach: Spielt die Mann­schaft schlecht, ist der Trai­ner schuld. Die deut­sche Nationalmannschaft spiel­te ei­ne schlech­te WM. Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw wird in der deut­schen Pres­se­land­schaft den­noch eher pfleg­lich be­han­delt. Zwei star­ke Im­pul­se ar­bei­ten ge­gen­ein­an­der: Auf der ei­nen Sei­te die gro­ßen Ver­diens­te, die sich Löw um die deut­sche Aus­wahl er­wor­ben hat. Der Kre­dit, den ein Welt­meis­ter­ti­tel mit sich bringt, ist groß. Auf der an­de­ren Sei­te steht al­ler­dings die his­to­risch frü­he WMP­lei­te in Russ­land.

Ein Blick in die gro­ßen deut­schen Blät­ter er­gibt kein ein­heit­li­ches Bild, wenn­gleich die Kom­men­ta­to­ren ten­den­zi­ell – meist gut ver­steckt in lan­gen Ana­ly­sen – ei­nen Ab­schied Löws for­dern. Sinn­bild­lich für die­sen Zwie­spalt steht auch un­se­re Zei­tung. Sport­chef An­ton Schwankhart kam in sei­nem gest­ri­gen Leit­ar­ti­kel zu dem Ur­teil, dass es für Löw an der Zeit sei zu ge­hen. Ganz an­ders un­ser WM-Re­por­ter Til­mann Mehl vor Ort, der noch am Abend der 0:2-Nie­der­la­ge ge­gen Süd­ko­rea in Ka­san kom­men­tier­te und ei­ne wei­te­re Chan­ce für den Bun­des­trai­ner for­der­te. Zwei Ex­per­ten, zwei Mei­nun­gen.

Die­ses Phä­no­men fin­det sich auch in der gest­ri­gen Aus­ga­be der

die er­fah­rungs­ge­mäß sehr schnell mit dem Fall­beil zu­gan­ge ist. Auf Sei­te 2 schreibt Franz Jo­sef Wa­gner in sei­ner Ko­lum­ne „Post von Wa­gner“, dass er sich nicht vor­stel­len kön­ne, wie Löw jetzt noch wei­ter­ma­chen sol­le. „Sie sind ein ge­schla­ge­ner Mann.“Im Sport­teil for­dert ein Kol­le­ge hin­ge­gen, dass Löw sich bis Mon­tag er­klä­ren sol­le und hofft, dass der Bun­des­trai­ner „Ja“sagt zu sei­nem Job.

Die wid­me­te der Per­so­na­lie eben­falls ei­nen Leit­ar­ti­kel und kommt be­züg­lich Löws Zu­kunft zu fol­gen­dem Er­geb­nis: „Die Last des Schei­terns wiegt wohl zu schwer.“Die da­ge­gen schreibt, dass es zu ein­fach sei, jetzt al­les an Löw fest­zu­ma­chen,

„Auf sei­nem fer­nen Pla­ne­ten Jo­gi“

ob­wohl es so schei­ne, als ha­be der, „auf sei­nem fer­nen Pla­ne­ten Jo­gi“, vie­les von dem, was in­ner­halb der Mann­schaft pas­sier­te, gar nicht mehr mit­be­kom­men. Die

kom­men­tiert, dass der Bun­des­trai­ner ei­nen Rück­tritt zu­min­dest ernst­haft in Er­wä­gung zie­hen sol­le. „Das Selbst­be­wusst­sein des Welt­meis­ter-Trai­ners ten­dier­te zu­letzt im­mer mehr in Rich­tung Selbst­ge­fäl­lig­keit.“

Die sah in Russ­land ei­nen der Rea­li­tät ent­rück­ten Bun­des­trai­ner. „Ein Neu­auf­bau mit Löw er­scheint des­halb kaum denk­bar – trotz al­ler Ver­diens­te, die er sich um den deut­schen Fuß­ball er­wor­ben hat.“

for­mu­liert ih­re Mei­nung et­was ver­klau­su­lier­ter. Die Nie­der­la­ge sei auf­re­gen­der als das Ge­win­nen. „Sie ist ein Aben­teu­er, in sich und an sich Neu­es zu ent­de­cken. Es ist der exis­ten­zi­el­le Be­fehl zu in­di­vi­du­el­ler Dis­rup­ti­on. Go, Jo­gi, go.“

Joa­chim Löw

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