Tri­umph oder Göt­ter­däm­me­rung

Die K.-o.-Run­de be­ginnt mit hoch­ka­rä­ti­gen Du­el­len, in de­nen je­de Men­ge Stars über den Ra­sen lau­fen wer­den

Illertisser Zeitung - - Fußball-wm 2018 - (dpa)

Gibt es für die größ­ten Welt­stars des Fuß­balls bei der WM-End­run­de in Russ­land den er­sehn­ten Tri­umph oder ei­ne Göt­ter­däm­me­rung? Zum Auf­takt der K.-o.-Run­de ste­hen Cris­tia­no Ro­nal­do mit Por­tu­gal und Lio­nel Mes­si mit Ar­gen­ti­ni­en schon ge­hö­rig un­ter Druck. Die der­zeit bes­ten Ki­cker des Erd­balls be­kom­men es in den Ach­tel­fi­nal-Du­el­len mit an­de­ren Top­stars der Bran­che zu tun. Soll­ten sie die Her­aus­for­de­rung be­ste­hen, kommt es im Vier­tel­fi­na­le dann zum Showdown. ● Seit 2006 jagt Mes­si dem WM-Po­kal nun schon ver­geb­lich hin­ter­her. Den Vier­tel­fi­nal-K.-o. im Elf­me­ter­schie­ßen ge­gen Deutsch­land muss­te er da­mals hilf­los von der Bank aus mit­ver­fol­gen. Die DFB-Aus­wahl wur­de auch bei den fol­gen­den Tur­nie­ren zum Albtraum des be­gna­de­ten und tor­hung­ri­gen Tech­ni­kers. 2010 hieß es im Halb­fi­na­le 0:4, 2014 im End­spiel 0:1 nach Ver­län­ge­rung. Nun ist der Ti­tel­ver­tei­di­ger schon im Ur­laub, der Weg scheint end­lich frei. Doch in der Vor­run­de bot Ar­gen­ti­ni­en nur Rum­pel­fuß­ball. Nach zwei dürf­ti­gen Auf­trit­ten deu­te­te Mes­si per Zau­ber­tor beim 2:1-Sieg im Vor­run­den­fi­na­le ge­gen Ni­ge­ria im­mer­hin sein Kön­nen an.

Mes­si ist die Le­bens­ver­si­che­rung der Al­bice­les­te, bei der sich al­les um den 31-Jäh­ri­gen dreht. Selbst Trai­ner Jor­ge Sam­pao­li scheint zu Mes­si ehr­fürch­tig auf­zu­bli­cken. Des­sen Angst vor dem Ver­sa­gen ist groß. „Es war ei­ne Er­lö­sung“, ge­stand er nach dem zitt­ri­gen Wei­ter­kom­men.

Ach­tel­fi­nal-Geg­ner Frank­reich setzt auf EM-Tor­schüt­zen­kö­nig An­toi­ne Griez­mann. Der 27 Jah­re al­te Stür­mer von At­lé­ti­co Ma­drid wä­re bei­na­he Team­kol­le­ge von Mes­si beim spa­ni­schen Cham­pi­on FC Bar­ce­lo­na ge­wor­den, ent­schied sich aber für ei­ne mil­lio­nen­schwe­re Ver­trags­ver­län­ge­rung beim Eu­ro­pa-Le­ague-Sie­ger. In der Vor­run­de konn­te Griez­mann kei­ne Ak­zen­te set­zen und wur­de in al­len drei Spie­len aus­ge­wech­selt. Den­noch ist der An­grei­fer von sei­nen Fä­hig­kei­ten über­zeugt. „Mei­ne Po­wer steigt. Ich bin si­cher, dass ich schnell mein Le­vel er­rei­chen wer­de, das al­le von mir er­war­ten.“● Wie Mes­si war Ro­nal­do seit 2008 fünf­mal Welt­fuß­bal­ler des Jah­res. Er prägt das An­griffs­spiel der Por­tu­gie­sen. Ro­nal­do, der seit Jah­ren al­les dem Er­folg un­ter­ord­net und so­gar sei­nen Schlafrhyth­mus auf täg­lich fünf­mal 90 Mi­nu­ten um­ge­stellt ha­ben soll, ge­nießt al­le Frei­hei­ten. Dass es zur Not auch oh­ne ihn geht, zeig­te sich im EM-Fi­na­le 2016. Da hum­pel­te Ro­nal­do un­ter Trä­nen schon nach we­ni­gen Mi­nu­ten ver­letzt vom Feld – und trieb sei­ne Kol­le­gen in der Ver­län­ge­rung, an der Sei­ten­li­nie wild ges­ti­ku­lie­rend, ge­gen Frank­reich zum Ti­tel.

Den wür­de der 33-Jäh­ri­ge auch auf der Welt-Büh­ne des Fuß­balls nur zu ger­ne erst­mals mit Por­tu­gal ge­win­nen. Es wä­re der letz­te sport­li­che Traum, den er sich er­fül­len wür­de, nach­dem er mit Re­al Ma­drid auf Klub-Ebe­ne schon al­les ge­won­nen hat: Welt­po­kal, Cham­pi­ons Le­ague, Meis­ter­schaft und spa­ni­schen Po­kal.

Geg­ner Uru­gu­ay baut auf die Treff­si­cher­heit von Lu­is Suá­rez. Der 31-Jäh­ri­ge sorg­te vor vier Jah­ren für ei­nen der größ­ten WMSkan­da­le, als er in der Schul­ter des Ita­lie­ners Gior­gio Chiel­li­ni sei­nen Zahn­ab­druck hin­ter­ließ. Ge­fürch­tet ist der An­grei­fer aber vor al­lem we­gen sei­ner Kalt­schnäu­zig­keit vor dem Tor. In Russ­land hat Mes­sis Sturm­kol­le­ge beim FC Bar­ce­lo­na, der mit dem Ar­gen­ti­ni­er auch pri­vat viel Zeit ver­bringt, bis­her für po­si­ti­ve Schlag­zei­len ge­sorgt. ● In­te­rims­coach Hier­ro wird wohl erst ein­mal auf Num­mer si­cher ge­hen und das de­fen­si­ve Mit­tel­feld mit Ko­ke ver­stär­ken. Dann müss­te Bay­ern-Pro­fi Thia­go wie­der wei­chen. Als Sturm­spit­ze gilt Cos­ta als ge­setzt. Hier­ro kämpft im ers­ten K.-o.-Spiel auch um sei­nen Job, bis­her gilt die Zu­sam­men­ar­beit nur für die WM. De­ren Gast­ge­ber will den Zu­schau­ern in sei­nem „Wohn­zim­mer“Lu­sch­ni­ki noch ein­mal ein gro­ßes Spiel lie­fern – aber auch Op­ti­mis­ten ge­hen da­von aus, dass ge­gen Spa­ni­en die Rei­se zu En­de geht. ● Die Eu­pho­rie in Kroa­ti­en ist rie­sig nach drei Sie­gen in der Vor­run­de. Das gan­ze Land träumt von ei­ner Wie­der­ho­lung des drit­ten Plat­zes von 1998 – oder so­gar mehr. Ab­zu­war­ten bleibt aber, ob das Durch­wech­seln im letz­ten Grup­pen­spiel ge­gen Is­land (2:1) den Schwung ge­kos­tet hat. Die seit 18 Spie­len un­ge­schla­ge­nen Dä­nen wer­den auf De­fen­si­ve set­zen, um zum zwei­ten Mal über­haupt ein WM-Vier­tel­fi­na­le zu er­rei­chen.

Lio­nel Mes­si

Cris­tia­no Ro­nal­do

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