Die­ses Fi­na­le hat al­les, um ein gro­ßes zu wer­den Ko­lum­ne

Kroa­ti­en ge­gen Frank­reich wird ein Du­ell der Ge­gen­sät­ze. Der Fa­vo­rit hat es mit deut­schen Tu­gen­den ins Fi­na­le ge­schafft, der Au­ßen­sei­ter mit Te­am­geist

Illertisser Zeitung - - Fußball-wm 2018 -

Be­vor ich mei­ne Vor­freu­de auf die­ses End­spiel mit Ih­nen tei­le, möch­te ich ein paar Wor­te zum WM-Aus­rich­ter Russ­land los­wer­den. Es war ei­ne schö­ne WM, in be­ein­dru­cken­den Sta­di­en und in herz­li­cher At­mo­sphä­re. Und oh­ne prü­geln­de Hoo­li­gans, die mir schon bei man­chem Tur­nier die Freu­de am Fuß­ball ge­trübt ha­ben.

Die Men­schen in die­sem Land wa­ren groß­ar­ti­ge Gast­ge­ber – ich re­de von den ganz nor­ma­len Men­schen, de­nen die Fans aus al­ler Welt be­geg­ne­ten und da­nach durch­weg von de­ren Herz­lich­keit und Gast­freund­schaft schwärm­ten. Die Wir­kung von Zig­tau­sen­den die­ser un­schein­ba­ren Be­geg­nun­gen darf man nicht ge­ring­schät­zen.

Wie sag­ten die Nach­rich­ten­spre­cher frü­her im­mer am En­de der Sen­dung? „...und nun zum Sport.“So soll es sein, al­so: Auf die Fi­nal­paa­rung zu wet­ten, da­zu hät­te es Mut ge­braucht. Man kann­te das Po­ten­zi­al der Fran­zo­sen, durf­te aber zwei­feln an ih­rer Sta­bi­li­tät. Im Ver­gleich da­zu ist die Tat­sa­che, dass die Kroa­ten noch im­mer nicht im Ur­laub sind, ein klei­nes Wun­der. Ei­gent­lich sind die Deut­schen noch gar nicht raus – sie sind da­bei am Sonn­tag, in blau­en Tri­kots. Denn so wie die Fran­zo­sen auf­trump­fen, sind frü­her gu­te deut­sche Na­tio­nal­mann­schaf­ten auf­ge­tre­ten. Sie kön­nen ver­tei­di­gen, sie ha­ben Wil­len, ge­ben nie auf und stei­gern sich von Spiel zu Spiel ei­ne Tur­nier­mann­schaft!

Und dann Kroa­ti­en: Las­sen wir mal die Frag­wür­dig­keit man­chen Lied­guts und auch die all­zu kräf­ti­gen Aus­schlä­ge auf der Ska­la des Na­tio­na­lis­mus (gab es so et­was nicht auch 1954 in Bern?) bei­sei­te. Dann se­hen wir ei­ne Mann­schaft, die ei­nen Ro­man­ti­ker wie mich mit vie­lem ver­söhnt, was ei­nem der mo­der­ne Fuß­ball zu­mu­tet.

Was macht die­se Mann­schaft aus, dass sie um­so viel bes­ser ist als die Sum­me ih­rer Ein­zel­tei­le? Es kann doch nie­mand ernst­haft be­haup­ten, dass Kroa­ti­en mehr in­di­vi­du­el­le Klas­se auf dem Platz hat als Deutsch­land. Aber wenn die Her­ren Löw, Bier­hoff und Gr­in­del bei ih­rer Au­f­ar­bei­tung et­was Zeit ge­win­nen wol­len, dann soll­ten sie sich die Spie­le der Kroa­ten an­schau­en. Dann se­hen sie viel von dem, was der deut­schen Elf ge­fehlt hat.

Ma­rio Mand­zu­kic zum Bei­spiel. Auf den letz­ten Me­tern sei­ner Lauf­bahn, die Bay­ern woll­ten ihn nicht mehr, At­le­ti­co auch nicht, und bei Juve spielt er auch nicht im­mer. Er spürt die Last sei­ner 32 Jah­re; als es im Halb­fi­na­le 1:1 steht, hat er Krämp­fe. Und dann ist er plötz­lich wach und sprit­zig, er ge­winnt die­sen Sprint und setzt den Ball mit sei­ner gan­zen Klas­se da­hin, wo er hin muss. Und jetzt schau­en Sie noch mal, wie die dann ju­beln und sich mit­ein­an­der freu­en. Das hat nichts mit Geld zu tun, nichts mit der Aus­sicht auf Ruhm.

Nein, die­se Jungs ho­len sich ih­re Res­sour­cen und ihr Te­am­ge­fühl aus dem Stolz ei­nes klei­nen Lan­des, das sehr viel hin­ter sich ge­bracht hat und das nur über­stan­den hat, weil sie die­sen Zu­sam­men­halt, die­ses Ge­mein­schafts­ge­fühl ha­ben. Das le­ben sie jetzt aus im Sport.

Oh­ne Aus­nah­me­fuß­bal­ler wür­de das aber auch nicht rei­chen, aber sie ha­ben ja Mod­ric. Der war ge­gen die En­g­län­der lan­ge gar nicht da, aber dann er hat noch mal was mo­bi­li­siert. Er ist der mann­schafts­dien­lichs­te Su­per­star, den ich lan­ge ge­se­hen ha­be. Die Mod­rics ha­ben über­nom­men; Spie­ler, die für die Mann­schaft spie­len, an­statt zu ver­lan­gen, dass die Mann­schaft für sie da sein muss.

Das ist ei­ne Er­kennt­nis die­ser WM – gibt es an­de­re? Viel­leicht ein paar alt­be­kann­te. Zum Bei­spiel die vom Te­am­geist, der al­les be­grenzt oder al­les er­wei­tert. Oder die Be­deu­tung ei­ner gu­ten De­fen­si­ve: Wenn man gut ver­tei­digt, kann es auch der Klei­ne dem Gro­ßen schwer ma­chen. Ich freue mich auf das End­spiel! Fa­vo­rit ge­gen Au­ßen­sei­ter, Jung ge­gen Alt, Kämp­fer ge­gen Spie­ler – die­ses Fi­na­le hat al­les, um ein gro­ßes zu wer­den.

68, kom­men tier­te zahl­rei­che Fuß­ball spie­le. Der ge­bür­ti­ge Po­le er­hielt da­für den Deut schen Fern­seh­preis.

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