Por­trät

Oli­via New­ton-John er­leb­te ei­nen ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg. Doch dann be­gan­nen dunk­le Zei­ten. Auch zum 70. Ge­burts­tag gibt es kei­ne gu­ten Nach­rich­ten

Illertisser Zeitung - - Meinung & Dialog - Markus Bär

Der Eklat war per­fekt, als Oli­via New­ton-John 1981 ih­re Sing­le „Phy­si­cal“her­aus­brach­te: Ei­ne Frau, die sich beim Ren­dez­vous zu­sam­men­neh­men muss, da­mit ih­re Hän­de züch­tig auf dem Tisch blei­ben, statt dar­un­ter an­de­re Din­ge zu tun – das war da­mals vie­len US-Ra­dio­sen­dern zu­viel. Die Rech­nung der im eng­li­schen Cam­bridge ge­bo­re­nen Toch­ter ei­nes Deutsch­do­zen­ten ging auf. Zehn Wo­chen stand Oli­via New­tonJohn an der Spit­ze der US-Charts. Heu­te wird die seit vie­len Jah­ren im­mer wie­der mit dem Krebs kämp­fen­de Sän­ge­rin 70 Jah­re alt.

Die Blon­de mit der En­gels­stim­me wuss­te schon früh, dass sie auf der Büh­ne ste­hen will und grün­de­te be­reits mit 14 Jah­ren – da­mals noch in Aus­tra­li­en, wo­hin sie zwi­schen­zeit­lich mit ih­ren El­tern ge­zo­gen war – ei­ne Ge­s­angs­grup­pe. Mit ih­rer hin­rei­ßen­den In­ter­pre­ta­ti­on von „Down by the banks“, ei­nem al­ten Coun­try-Stück über ei­nen Frau­en­mör­der, schaff­te sie 1971 mit nur 23 Jah­ren den Welt­durch­bruch. Sie schob Hit um Hit nach – et­wa John Den­vers „Ta­ke me ho­me coun­try roads“– und war 1974 die Coun­try-Sän­ge­rin mit den meis­ten ver­kauf­ten Plat­ten welt­weit.

Zum Su­per­star stieg New­ton-John auf, als sie 1978 vor die Ka­me­ra trat. Der Mu­si­cal-Strei­fen „Grea­se“er­zählt die Ge­schich­te ei­ner High­school-Lie­be in den 1950er Jah­ren und zeigt die Sän­ge­rin mit Kip­pe im Mund­win­kel, de­to­nier­ter Fri­sur, um­wer­fen­der Stim­me und John Tra­vol­ta, der da­mals ge­ra­de dank „Sa­tur­day Night Fe­ver“zum Welt­star ge­wor­den war. Un­ver­ges­sen ist der Film­song „You’re the one that I want“– in Deutsch­land auch in der Blö­del­ver­si­on „Du, die Wan­ne ist voll“von Hel­ga Fed­der­sen und Die­ter Hal­ler­vor­den bis heu­te wohl­be­kannt. Nach dem Charter­folg „Phy­si­cal“An­fang der 80er be­gann der Stern von Oli­via New­tonJohn aber zu sin­ken. Sie konn­te nicht mehr so recht an frü­he­re Er­fol­ge an­knüp­fen. Dann wur­de es im­mer dunk­ler in ih­rem Le­ben. Am glei­chen Tag im Jahr 1992, als ihr Va­ter an Le­ber­krebs starb, wur­de bei ihr Brust­krebs dia­gnos­ti­ziert. Nur vor­über­ge­hend be­sieg­te die Sän­ge­rin die Krank­heit.

Im­mer wie­der gin­gen ih­re Be­zie­hun­gen in die Brü­che. Und ei­ne neun Jah­re wäh­ren­de Li­ai­son mit ei­nem Ka­me­ra­mann en­de­te da­mit, dass die­ser 2005 bei ei­ner Boots­fahrt un­ter bis heu­te un­ge­klär­ten Um­stän­den ver­schwand. Seit über zehn Jah­ren ist nun der Ge­schäfts­mann John Eas­ter­ling fest an ih­rer Sei­te.

Oli­via New­ton-John hat­te sich schon seit den 90er Jah­ren für den Kampf ge­gen den Krebs ein­ge­setzt. 2013 brach die furcht­ba­re Krank­heit bei ihr wie­der aus – dies­mal in der Schul­ter. Jüngst ent­deck­ten Ärz­te bei der mehr­fa­chen Gram­myP­reis­trä­ge­rin ei­nen Tu­mor in der Len­den­wir­bel­säu­le. Lei­der gibt es kei­ne bes­se­ren Nach­rich­ten zu ih­rem 70. Ge­burts­tag.

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