Ech­te Gr­ab­stei­ne vor dem Hor­ror­haus

Ein Mäd­chen ent­deckt den Gr­ab­stein ih­res Opas in ei­nem Frei­zeit­park. Der Be­trei­ber steht des­halb jetzt vor Ge­richt

Illertisser Zeitung - - Bayern - (dpa)

Es ist ei­ne gru­se­li­ge Vor­stel­lung: Man geht in ei­nen Frei­zeit­park, um Spaß zu ha­ben und fin­det dort den ech­ten Gr­ab­stein des ei­ge­nen Groß­va­ters. Ei­nem heu­te 14 Jah­re al­ten Mäd­chen ist das im ver­gan­ge­nen Som­mer so pas­siert.

Am Di­ens­tag muss­te sich der Be­trei­ber des Frei­zeit-Lan­des Gei­sel­wind des­halb vor dem Amts­ge­richt in Kit­zin­gen ver­ant­wor­ten. Mit den min­des­tens acht ech­ten Gr­ab­stei­nen, auf de­nen noch ori­gi­na­le In­schrif­ten zu le­sen wa­ren, hat der Be­trei­ber das An­den­ken Gestor­be­ner ver­un­glimpft, so der Vor­wurf des Ge­richts.

Die Gr­ab­stei­ne stan­den vor dem so­ge­nann­ten Hor­ror­haus des Frei­zeit­par­kes in Un­ter­fran­ken. Der Be­trei­ber hat­te sie zu De­ko­ra­ti­ons­zwe­cken bei ei­nem St­ein­metz be­sorgt. Da­bei hat­te er der An­kla­ge zu­fol­ge zu­ge­si­chert, die In­schrif­ten un­kennt­lich zu ma­chen. Das war al­ler­dings nicht ge­sche­hen. Die In­schrif­ten der ge­stor­be­nen Men­schen wa­ren noch zu er­ken­nen. Der Aus­flug des Mäd­chens in den Frei­zeit­park en­de­te des­halb an­ders als zu­nächst ge­dacht.

Am ers­ten Pro­zess­tag hat­te das Mäd­chen vor Ge­richt den denk­wür­di­gen Tag im Au­gust 2017 ge­schil­dert. „Mir ist der Gr­ab­stein gleich ins Au­ge ge­fal­len. Ich kann­te den Gr­ab­stein auch und ha­be mich erst mal ge­wun­dert, war­um er da steht“, sag­te sie. Spä­ter sei sie auf­ge­wühlt ge­we­sen und ha­be wei­nen müs­sen. Das Mäd­chen war zu­sam­men mit an­de­ren Ju­gend­li­chen auf ei­ner mehr­tä­gi­gen Mi­nis­tran­ten-Frei­zeit un­ter­wegs.

Ih­re Groß­mut­ter hat­te schließ­lich An­zei­ge er­stat­tet. Sie hat­te das Gr­ab ih­res 1996 ge­stor­be­nen Man­nes kurz zu­vor auf­ge­löst. Sie ha­be ei­nen St­ein­metz für die fach­ge­rech­te Ent­sor­gung be­zahlt, sag­te sie. Dass der Gr­ab­stein mit ori­gi­na­ler In­schrift am En­de in ei­nem Frei­zeit­park lan­de­te, be­zeich­ne­te die Rent­ne­rin als „rie­sen­gro­ße Schwei­ne­rei“. Mit ei­ner an­stän­di­gen, ehr­li­chen Ent­schul­di­gung aber hät­ten die Wo­gen ih­rer Mei­nung nach ge­glät­tet wer­den kön­nen. Die ha­be sie al­ler­dings nie be­kom­men.

Die Staats­an­walt­schaft warf dem Be­schul­dig­ten vor, jeg­li­che Gren­zen des An­stands ver­letzt zu ha­ben. Ihm sei es nur um die Ver­mark­tung der Frei­zeit­park-At­trak­ti­on ge­gan­gen. Den Vor­schlag des Ver­tei­di­gers, das Ver­fah­ren we­gen ge­rin­ger Schuld ge­gen Zah­lung von 5000 Eu­ro ein­zu­stel­len, lehn­te der Staats­an­walt ab. Der An­ge­klag­te ha­be kaum Ein­sicht ge­zeigt. Zu­dem stün­den noch im­mer Gr­ab­stei­ne mit In­schrift vor dem Hor­ror­haus im Frei­zeit­park. Der Pro­zess ist des­halb un­er­war­tet nicht mit ei­nem Ur­teil ab­ge­schlos­sen wor­den.

Der Be­trei­ber ent­schul­dig­te sich ges­tern vor Ge­richt bei der Fa­mi­lie. „Mir tut das na­tür­lich sehr leid. Ich woll­te nie­man­dem weh­tun“, sag­te er. Der Pro­zess soll nun am 12. Ok­to­ber mit der Be­fra­gung des St­ein­met­zes und der Mut­ter des Mäd­chens fort­ge­setzt wer­den.

Die Wit­we spricht von ei­ner „rie­sen­gro­ßen Schwei­ne­rei“

Fo­to: dpa

In ei­nem Frei­zeit­park in Un­ter­fran­ken hat der Be­trei­ber ech­te Gr­ab­stei­ne auf ge­stellt.

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