KI­NO Das Le­ben fei­ern

Spaß, Lie­be, Men­schen­rech­te

In München - - INHALT -

Schwer ver­liebt. Der 17-jäh­ri­ge Si­mon (Nick Ro­bin­son) hat coo­le Freun­de, tol­le El­tern, ist schwul – das weiß aber nicht mal sei­ne bes­te Freun­din Leah (Ka­the­ri­ne Lang­ford). Auf ei­nem On­li­ne-Por­tal fin­det Si­mon in „Blue“, ei­nem an­onym blei­ben­den Mit­schü­ler ei­nen Freund, mit dem er über All­tag, Wün­sche, Träu­me re­den kann. In sei­nen Phan­ta­si­en ist Si­mon gut da­mit be­schäf­tigt, sich die ver­schie­dens­ten pas­sen­den und we­ni­ger pas­sen­den Kan­di­da­ten, die ihm so be­geg­nen, als den Ge­such­ten vor­zu­stel­len. Mit­schü­ler Martin stößt durch ei­nen Zu­fall auf die ro­man­ti­schen E-Mails und er­presst Si­mon mit Ent­tar­nung, wenn er ihm nicht da­bei hilft, die schö­ne Ab­by (Alex­an­dra Shipp) für sich zu ge­win­nen. Die al­ler­dings steht to­tal auf Nick (Jor­ge Len­de­borg Jr.) … Lo­ve, Si­mon ist ei­ne ori­gi­nel­le, ein­fühl­sa­me, be­rüh­ren­de Tra­gi­ko­mö­die von Greg Ber­lan­ti („Der Club der ge­bro­che­nen Her­zen“), mit schö­nen Ins­ze­nie­rungs­ide­en und star­ken Jung­s­chau­spie­lern. (Ab 28.6.)

Hei­lung. End­vier­zi­ger Jo­ce­lyn (Franck Du­bosc) ist ein er­folg­rei­cher Ge­schäfts­mann und wah­rer Sex-Jun­kie, der je­des Wo­che­n­en­de mit ei­ner an­de­ren Frau ins Bett geht. Jetzt hat er’s auf die hüb­sche Ju­lie (Ca­ro­li­ne An­gla­de) ab­ge­se­hen. Durch ei­nen Zu­fall glaubt die, Jo­ce­lyn sä­ße im Roll­stuhl. Er lässt sie in dem Glau­ben, weil er denkt, sie mit der Mit­leids­ma­sche leich­ter rum­zu­krie­gen. Sie aber stellt ihm ih­re Schwes­ter Flo­rence (Alex­an­dra La­my) vor, die tat­säch­lich im Roll­stuhl sitzt … und Jo­ce­lyn, der sich, ent­ge­gen al­ler bis­he­ri­gen Ober­fläch­lich­kei­ten, ernst­haft in Flo­rence ver­liebt, ver­passt den Zeit­punkt, das Miss­ver­ständ­nis auf­zu­klä­ren. Lie­be bringt al­les ins Rol­len ist ei­ne char­man­te, stim­mi­ge ro­man­ti­sche Komödie. Be­ginnt kli­schee­haft, und wan­delt sich so über­ra­schend wie ih­re Haupt­fi­gur. Dreh­buch­au­tor und Schau­spie­ler Frank Du­bosc, der hier erst­mals auch Re­gie führt, wur­de für die­sen Film durch sei­ne geh­be­hin­der­te Mut­ter in­spi­riert, die dank ei­nes Roll­stuhls neue Le­bens­freu­de ge­wann. (Ab 5.7.)

Gut oder bö­se. Die 14-jäh­ri­ge Lilith (Em­ma Ba­ding) ist die Toch­ter des Teu­fels (Sa­mu­el Fin­zi), lebt in der Höl­le und lang­weilt sich furcht­bar. Al­so gibt’s ei­nen Pakt mit dem Va­ter. Sie darf für ei­ne Wo­che hoch auf die Er­de – muss dann aber ei­nen gu­ten Men­schen zum Bö­sen be­keh­ren. Schafft sie das, darf sie oben blei­ben. Schafft sie’s nicht, gibt’s un­ten auf ewig ei­nen fa­den Job. Ziel­per­son ist Gre­ta (Janina Fautz). Die ist das bra­ve Kind von hy­per­lie­bens­wer­ten Öko-Sof­ties (Al­wa­ra Hö­fels, Oli­ver Ko­ritt­ke). Die rei­ne Un­schuld, die sich ein­fach nicht zur Bitch um­po­len lässt. Und Lilith ver­knallt sich in ih­ren Mit­schü­ler Sa­mu­el (Lud­wig Si­mon). Für die er­fri­schend un­kon­ven­tio­nel­le Te­en-Komödie Mei­ne teuf­lisch gu­te Freun­din hat Ju­gend­buch­au­to­rin Hor­ten­se Ull­rich zu­sam­men mit Re­gis­seur Marco Pe­try das flot­te Dreh­buch ge­schrie­ben. Ein Ver­gnü­gen. (Ab 28.6.)

Men­schen­wür­de. Die ver­wit­we­te Ma­le­rin Ca­the­ri­ne Wel­don (Jes­si­ca Chas­tain) reist 1889 aus New York in den Wes­ten, um den La­ko­ta-Siou­xHäupt­ling Sit­ting Bull (Michael Grey­eyes) zu por­trä­tie­ren. Vor Ort stößt sie bei ih­ren wei­ßen Lands­leu­ten, bei Co­lo­nel Si­las Gro­ves (Sam Rock­well) und bei She­riff McLaugh­lin (Ci­arán Hinds) auf Wi­der­stand, zu­mal Si­las den In­dia­nern ei­nen Teil ih­res Re­ser­vats weg­neh­men möch­te. Mit Sit­ting Bull aber, der ihr den in­dia­ni­schen Na­men „Frau geht vor­aus“ver­leiht, freun­det sie sich an. Die Frau, die vor­aus­geht, Re­gie Su­san­na Whi­te, er­zählt die Ge­schich­te ei­ner Men­schen­rechts-Ak­ti­vis­tin avant la lett­re (die ei­gent­lich Ca­ro­li­ne hieß, sich von ih­rem Mann hat­te schei­den las­sen und ih­ren Sohn al­lein auf­zog), von Au­tor Ste­ven Knight fürs Hol­ly­wood-Ki­no lei­der arg ge­glät­tet. (Ab 5.7.)

Ku­ba, in den 1990ern. Der In­sel­staat lei­det un­ter dem USWirt­schafts­em­bar­go und dem Zu­sam­men­bruch des eins­ti­gen so­zia­lis­ti­schen Bru­der­lands So­wjet­uni­on. Die 75-jäh­ri­ge Can­del­aria (Ve­ro­ni­ca Lynn) und der 76-jäh­ri­ge Vic­tor Hu­go (Al­den Knight) le­ben nur noch aus Be­quem­lich­keit zu­sam­men. Ihr har­scher All­tag hat sie fest im Griff. Can­del­aria, die in ei­nem Ho­tel ar­bei­tet, fin­det in der schmut­zi­gen Wä­sche ei­ne Vi­deo­ka­me­ra und nimmt sie mit nach Hau­se. Die bei­den be­gin­nen, sich zu fil­men. Ent­de­cken ih­re Lie­be neu. Als die Ka­me­ra ei­nes Tages ver­schwin­det, wagt sich der ver­zwei­fel­te Vic­tor Hu­go in ein ge­fähr­li­ches Vier­tel, wo man al­les Gestoh­le­ne wie­der­fin­den kann … Can­del­aria – Ein ku­ba­ni­scher Som­mer heißt der Film von Jhon­ny Hen­d­rix Hi­ne­stro­za. (Ab 5.7.)

Neu­es Le­ben. Als ihr Ehe­mann Dan (Matt Walsh) ihr den Lauf­pass gibt, hat De­an­na (Me­lis­sa McCar­thy) end­gül­tig die Na­se voll von ih­rer Rol­le als Vor­zei­ge-Haus­frau, die sich für die Fa­mi­lie auf­op­fert. Sie will ih­ren Uni-Ab­schluss nach­ho­len. Sehr zum Ent­set­zen ih­rer Toch­ter Mad­die (Mol­ly Gordon). Denn De­an­na stu­diert fort­an mit ihr im sel­ben Col­le­ge-Jahr­gang, ge­nießt das Stu­den­tin­nen­le­ben in vol­len Zü­gen und lässt es so rich­tig kra­chen. Die Komödie How to Par­ty with Mom hat Me­lis­sa McCar­thy zu­sam­men mit ih­rem Ehe­mann und Re­gis­seur Ben Fal­co­ne ge­schrie­ben und ge­dreht, ei­ne Kon­stel­la­ti­on, die nur be­dingt Er­fol­ge zei­tigt. (Ab 5.7.)

Selbst­er­mäch­ti­gung. Mar­vin (Ju­les Po­ri­er) ist in der Schu­le ein Au­ßen­sei­ter. Wird von sei­nen Mit­schü­lern ge­hän­selt, weil er ein­fach an­ders ist. Lei­det un­ter dem prol­li­gen Va­ter, der re­si­gnier­ten Mut­ter. Al­lein Leh­re­rin Clé­ment (Ca­the­ri­ne Mou­chet) un­ter­stützt den sen­si­blen, fürs Thea­ter ta­len­tier­ten Jun­gen. Als jun­ger Er­wach­se­ner kehrt er der Pro­vinz den Rü­cken, geht nach Pa­ris. Ent­deckt dort das frei­zü­gi­ge Nacht­le­ben. Lernt den äl­te­ren Ro­land (Charles Ber­ling) ken­nen, der ihn mit Schau­spie­li­ko­ne Isa­bel­le Hup­pert be­kannt macht. Im­mer dring­li­cher wird für Mar­vin, der sich jetzt Martin Clé­ment nennt, der Wunsch, die Ge­schich­te sei­ner Kind­heit auf dem Thea­ter zu er­zäh­len. Mar­vin, Re­gie An­ne Fon­tai­ne, ist, im stän­di­gen Wech­sel zwi­schen Kind­heit und Ge­gen­wart in der Pa­ri­ser Bo­hè­me, das be­rüh­ren­de Porträt ei­ner schwu­len Selbst­er­mäch­ti­gung un­ter schwie­rigs­ten Um­stän­den. Er­in­nert stark an Edouard Lou­is‘ au­to­bio­gra­phi­schen Ro­man „Das En­de von Ed­dy“– ist aber kei­ne Ad­ap­ti­on. Queer Li­on in Ve­ne­dig. (Ab 5.7.)

Nied­ri­ge In­stink­te. Die Par­tei „Neue Grün­dungs­vä­ter Ame­ri­kas“woll­te die Ver­bre­chens-Sta­tis­tik schö­nen. Des­halb soll­ten ein­mal im Jahr für zwölf St­un­den Dieb­stahl, Ver­ge­wal­ti­gung, Mord … al­le nur er­denk­li­chen Ver­bre­chen straf­frei blei­ben. Ei­ne Psy­cho­lo­gin (Ma­ri­sa Tom­ei) hält das für ei­ne gu­te Idee. Im New Yor­ker Stadt­teil Sta­ten Is­land soll es ei­nen

ers­ten Test­lauf ge­ben. Die Be­völ­ke­rung macht aber nicht mit. Drum zieht die Re­gie­rung an­de­re Sei­ten auf. An­ge­führt von Dro­gen­boss Wil­li­am (Y’lan No­el) er­hebt sich Wi­der­stand. The First Pur­ge, Re­gie Ger­ard McMur­ray, ist ein Pre­quel, und der vier­te Teil der Hor­ror-Rei­he über ein dys­to­pi­sches Ame­ri­ka. (Ab 5.7.)

Nix zu tun. Hel­den­haft ha­ben die Na­vy SEALs Matt Bar­nes (Sul­li­van Stap­le­ton), Stan­ton Ba­ker (Char­lie Bew­ley), Ben Moran (Jos­hua Hen­ry), Kurt Duf­fy (Di­ar­maid Mur­tagh) und Jack Por­ter (Di­mi­tri Leo­ni­das) im Auf­trag der Na­to Kriegs­ver­bre­cher in Ex-Ju­go­sla­wi­en zur Stre­cke ge­bracht, bei ih­rem Rück­zug al­ler­dings all­zu vie­le Trüm­mer hin­ter­las­sen. Wäh­rend ih­rer Auszeit spü­ren die fünf ei­nem Na­zi-Gold­schatz hin­ter­her, der in ei­nem See lie­gen soll. Der ser­bi­sche Ge­ne­ral Pe­tro­vic (Cle­mens Schick) in­ter­es­siert sich al­ler­dings auch fürs brau­ne Gold. Re­ne­ga­des – Mis­si­on of Ho­nor heißt der schlich­te Actionfilm, in­sze­niert von Ste­ven Qua­le. (Ab 28.6.)

Ganz liab! Eli­as ist ein net­tes Ret­tungs­boot, das in Nor­we­gen, dank ei­ner Buch- und TVSe­rie je­des Kind kennt (Deut­sche Stim­me: Che­cker To­bi). Eli­as wech­selt von ei­ner klei­nen Bucht in ei­nen gro­ßen Ha­fen, wo er nicht so rich­tig glück­lich wird. Wie­der zu­hau­se, ent­deckt er ein Schmugg­ler­boot. Mit Hil­fe sei­ner Freun­de ver­folgt er die Gau­ner. Eli­as – Das klei­ne Ret­tungs­boot ist ein net­ter Ani­ma­ti­ons­film. Fast alt­mo­disch, geht’s um So­li­da­ri­tät und Freund­schaft. Mit 74 Mi­nu­ten ide­al für die Kleins­ten zwi­schen 3 und 6. (Ab 28.6.)

UND AUS­SER­DEM: (sie­he auch Film-ABC)

Das schwie­ri­ge Le­ben von Flücht­lin­gen, die in den Han­gars des ehe­ma­li­gen Ber­li­ner Flug­ha­fens Tem­pel­hof un­ter­ge­bracht sind, be­ob­ach­tet Ka­rim Aï­nouz in sei­ner ge­lun­ge­nen Lang­zeit-Doku Zen­tral­flug­ha­fen THF. (Isa­bel­la, nur Di 3.7.)

In der hand­werk­lich we­nig über­zeu­gen­den Doku Glo­bal Fa­mi­ly von Me­la­nie An­der­nach und Andreas Köh­ler geht’s um ei­ne Fa­mi­lie aus So­ma­lia, die we­gen des Bür­ger­kriegs in al­le Welt ge­flo­hen ist, und nun ver­sucht, wie­der zu­sam­men zu fin­den. (Ab 28.6.)

Ti­me Tri­al – Da­vid Mil­lars letz­tes Ren­nen von Fin­lay Pret­sell, lässt dank spe­zi­el­ler Film- und Ka­me­ra-Tech­nik den her­aus­for­dern­den Rad­sport aus der Sicht des be­rühm­ten schot­ti­schen Pro­fis mit­er­le­ben. (Ab 5.7.)

In Bri­xen gibt es ein „Haus der So­li­da­ri­tät“. Dort le­ben 50 Men­schen aus al­ler Welt: Die­be, Ob­dach­lo­se, Sucht­kran­ke, Flücht­lin­ge, be­treut von zwei So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. Der sechs­te Kon­ti­nent ist ei­ne Doku von Andreas Pich­ler. (Werk­statt­ki­no, Mo 9. bis Mi 11.7.)

Im Film­mu­se­um star­tet die Rei­he „Mur­der, she said“mit Ver­fil­mun­gen der Kri­mi­au­to­rin­nen Aga­tha Chris­tie, Patri­cia Highs­mith und Daph­ne du Mau­ri­er. (Ab Di 10.7.)

Das ira­ni­sche Film­fes­ti­val Ci­ne­ma Iran er­öff­net am Mi 11.7. mit der auf der Ber­li­na­le 2018 ge­fei­er­ten Komödie Pig (Khook) von Ma­ni Hag­highi. (Ga­s­teig, bis So 15.7.)

Mit sehr viel Ge­fühl: LO­VE, SI­MON

Kei­nes­wegs na­iv: DIE FRAU, DIE VORAUSGING

Sehr ro­man­tisch: LIE­BE BRINGT AL­LES INS ROL­LEN

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