Der Herbst ist heiß

Mit ex­plo­die­ren­den Sound-Kom­post-Hü­geln und gro­ßen Par­tys nicht nur für Mäd­chen

In München - - INHALT - St­an­ley Be­a­m­ish

Als ob es ei­nen Grund bräuch­te, ex­trem groß zu fei­ern: Die 15YRS Stock Par­ty steigt flä­chen­de­ckend im Muf­f­at­werk auf drei Floors. Mit am Start sind Dax J, Ko­bo­sil, He­ad­less Hor­se­man, The Hor­ro­rist, Ant­ho­ny Li­nell/Ab­dul­la Ra­shim, Pe­der Man­ner­felt, Acro­nym und noch sehr vie­le mehr ... In Zei­ten, in de­nen so man­che Par­tys lie­ber auf YouTube ver­fol­gen, sor­gen Events, wie sie Stock5 ku­ra­tiert den er­fri­schen­den Sound-Ge­gen­wind: Es geht den Jungs von Stock5 nicht um den ge­hyp­tes­ten DJ, die teu­ers­te An­la­ge oder die geils­te Ins­ta-Sto­ry, son­dern nur um eins: Tech­no. Da­zu ge­sel­len sich ex­zel­len­te Par­ty­be­grif­fe wie Ent­gren­zung und Ge­mein­schaft. Die Zeit da­für ist so groß kon­zi­piert wie die Stock5-Künst­ler-Pos­se –denn es kann bis neun Uhr in der Frü­he hart ge­tanzt wer­den. Die Münch­ner Plat­ten­fir­ma ist stolz auf ih­ren Claim: „Elec­tro­nic dan­ce mu­sic not for ever­y­bo­dy but for tho­se who want to get de­eper and de­eper.“Spe­zia­lis­ten-Tech­no halt. Herz­li­chen Glück­wunsch zu 15 Jah­re Stock5! Die Af­ter­show-Par­ty wird üb­ri­gens noch in der Ro­ten Son­ne ze­le­briert (28.09., eben­da).

Der Herbst nimmt Fahrt auf, Zeit wie­der mal ei­ne Com­post Black La­bel Nacht ab­zu­hal­ten. Zum zwei­ten Mal in der Tum­blin­ger­stra­ße 29, mit den Freun­den und Lo­cal Tas­te­makern von Un­k­no­wy, die den Sub­way Floor ge­samt­heit­lich hos­ten. Ober­com­pos­tier­meis­ter Micha­el Rein­both, viel­leicht der Mann mit der größ­ten Plat­ten­samm­lung der Stadt, lässt es sich frei­lich nicht neh­men, eben­falls am Start zu sein. Die Le­gen­de will es, dass sei­ne Münch­ner Plat­ten­fir­ma Com­post Re­cor­ds nicht nur ih­ren Na­men ver­dient, weil Rein­both die Wör­ter „Com“und Post“mag, son­dern auch, dass ein Zir­kel der po­si­ti­ven He­xen, der sich al­le zwei Jah­re trifft, zu­fäl­lig so heißt – da die ex­plo­die­ren­den Kom­post-Hü­gel den He­xen im Mit­tel­al­ter zu­ge­schrie­ben wur­den ... Rein­both wird am Plat­ten­pult eben­falls ei­nen ex­plo­si­ven Mix mit sei­ner idio­syn­kra­ti­schen mu­si­ka­li­schen Spe­zi­al­mi­schung aus den an­ge­sag­tes­ten Fu­ture Sounds Of Jazz mit akri­bisch ge­sam­mel­ter Elek­tro­ni­ca brin­gen. Mit ihm am Start ist Com­post-Ei­gen­ge­wächs Flo Førg, der oft die gleich­na­mi­ge Ra­dio­show be­strei­tet. Da­zu ge­sel­len sich Loss­less-La­bel­be­trei­ber Tho­mas Herb und Elec­tro­nic-Mu­sic-Con­nais­seur Tom Bur­clay (28.9., Bahn­wär­ter Thiel).

Ganz ho­he Wel­len schlägt der er­neu­te Be­such von Gre­gor Tres­her. Nach sei­nen Gigs in der Ro­ten Son­ne und im MMA be­glückt er Mün­chen wie­der mit sei­nem kom­pro­miss­lo­sen Fo­kus auf har­ten Me­lo­di­en und Tim­bre, wo­bei er sich in Zeit­lo­sig­keit be­wegt. Im stets von un­ter­schied­li­chen Trends ge­trie­be­nen Uni­ver­sum der elek­tro­ni­schen Tanz­mu­sik die­ser Tage ist Tres­her ei­ner der we­ni­gen Künst­ler, die es schaf­fen, auf er­fri­schen­de Art und Wei­se der kol­lek­ti­ven Selbst­ver­ge­wis­se­rung zu ent­ge­hen. Kein Wun­der al­so, dass ihn De­pe­che Mo­de, Mo­by, Ex­tra­welt und Lau­rent Gar­nier um Re­mi­xe ge­be­ten ha­ben. Der Sound­tep­pich, den Tres­her knüpft, ist auch hier äu­ßerst viel­schich­tig. Seit den 90er Jah­ren ist Gre-

gor Tres­her als DJ und Pro­du­cer aus der Frank­fur­ter Sze­ne her­aus un­mög­lich weg­zu­den­ken und kann auf zahl­rei­che Re­lea­ses auf re­nom­mier­ten La­bels wie Sven Väths Co­coon, Ovum Re­cor­dings, Mu­sic Man Re­cor­ds oder auch sei­nem ei­ge­nen Break New Soil Re­cor­dings zu­rück bli­cken. Sein Tour-Ka­len­der ist rap­pel­voll und sei­ne Fans sind mehr als glück­lich, dass er nun wie­der Zeit für ei­nes sei­ner stets in Be­we­gung hal­ten­den Tech­no-Sets fin­det (29.9., MMA).

Elec­tro­nic Mons­ter schwebt in das ver­flix­te sieb­te Jahr als Ver­an­stal­ter hin­ein. An­statt sich auf den Lor­bee­ren aus­zu­ru­hen, füh­len sich die elek­tro­ni­schen Mons­ter je­doch fri­scher als je zu­vor und hat­ten nach ei­ge­nem Be­kun­den lan­ge Zeit nicht mehr so viel Spaß am Par­ty­ma­chen wie im Mo­ment. Für den Ge­burts­tag ho­len sie sich na­tür­lich je­mand ganz Be­son­de­res hin­ter die Plat­ten­spie­ler: Marek Hem­mann –man sagt, an­statt vie­le Wor­te zu ver­lie­ren, las­se er seit je­her lie­ber sei­ne Mu­sik für sich spre­chen. Und hört, hört: Groo­ven­den Hou­se, re­du­zier­ten Tech­no, klang­li­ches Fein­ge­fühl und ei­ne über­schwäng­li­che Me­lo­die­freu­de ver­ei­nend, er­zählt Marek Hem­mann von aus­ge­füll­ten Ta­gen und ma­gi­schen Näch­ten, reißt mit sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Mu­sik Lö­cher in die graue Wol­ken­de­cke oder bringt hel­le Son­nen­strah­len in den dun­kels­ten Kel­ler. Wei­te­re Un­ter­stüt­zung an dem Abend kommt von den Elec­tro­nicMons­ter-Re­si­dents Kool & Ka­bul so­wie Rai­ner Wahn­sinn und Dir­ty San­chez (05.10., Har­ry Klein).

Oh Jun­ge –Mä­dels­abend für al­le! Bei Li­ber­té, Ega­lité, Beyon­cé geht die Rei­se in die weib­li­che See­le der Mu­sik, von fe­ma­le R’n’B-Jams bis Ni­ne­ties Ur­ban Clas­sics Soul zu Dan­ce­hall Sin­ga­longs zu­rück zum Hip Hop. Es soll so sein, als wür­de „Queen Bey“zur Pri­vat-Par­ty ein­la­den und nur ih­re Lieb­lings­songs zum Mit­sin­gen ganz laut auf­dre­hen. Ade­le, Ni­na Si­mo­ne, Ma­ry J. Bli­ge, Are­tha Fran­klin, Ja­net Jack­son, Whit­ney Hous­ton, Dia­na Ross, Ali­cia Keys, Amy Wi­ne­hou­se, Ma­don­na ... die Lis­te ist un­glaub­lich lang! Die DJs des Abends, Meskla und Dan Ge­rous, neh­men auch Wün­sche ent­ge­gen ... (5.10., Crux).

Ois Chi­ca­go: DJ Rush kommt! Im Tanz­mu­sik-Epi­zen­trum auf­ge­wach­sen, war es nur ein lo­gi­scher Schritt für Isaiah Ma­jor ein DJ zu wer­den. Am 5.10. spü­ren Club­ber in der Ro­ten Son­ne ei­ne ge­ball­te Faust vol­ler Bass. Sie ist wie­der auf DJ Rushs ak­tu­el­len Al­bum „You Got­ta Mo­ve“zu spü­ren. Viel­ver­spre­chend ist DJ Rushs ve­ri­ta­bler Ruf, dass er –so wie in dem le­gen­dä­ren La­den Wareh­ou­se –bis zu zehn St­un­den am Stück hin­ter den Plat­ten­tel­lern steht. Sei­ne Schei­be „Mo­ther­fucking Bass“von 1998 schreibt Tech­no-Welt­ge­schich­te, den­noch nennt DJ Rush sei­nen Style selbst lie­ber schlicht „Hard Ener­gy“. Fes­ti­vals wie Na­tu­re One, Dan­ce Val­ley und Lo­ve Pa­ra­de macht er aus dem Eff­eff. Apro­pos Lo­ve Pa­ra­de: Als DJ Rush nach Ber­lin zog, be­gann sein ers­ter Tag in der Haupt­stadt da­mals ganz wür­dig mit ei­nem Set beim Groß­ra­ve. Ein Herz fasst er sich vor al­lem auch für New­co­mer, de­ren Wer­ke er ger­ne re­mixt oder durch Rushs Ba­by „Kne’Deep rec/Kne’Deep Agen­cy“för­dert –im­mer vor dem Hin­ter­grund, dass er selbst das Klin­ken­put­zen am An­fang so man­cher DJ-Kar­rie­re kennt und oh­ne Um­schwei­fe zu­gibt, dass an sei­nem ers­ten Abend als DJ im Club schlicht­weg nie­mand ge­kom­men ist. Sei­ne un­bän­di­ge Ener­gie ver­zau­bert je­den sei­ner DJ-Sets, manch­mal greift der Mann, der mit dem Dan­ce Mu­sic Award (DMA), aus­ge­zeich­net wur­de, wäh­rend er auf­legt noch zum Mi­kro­phon und und be­glei­tet sich selbst als MC –der Ham­mer! Mit 1,98 ist DJ Rush de­fi­ni­tiv ein Hü­ne un­ter den DJs. Auf­schau­en zu ihm tut nicht nur ...

Plat­ten­bau in Mün­chen: MICHA­EL REIN­BOTH

Ta­ten statt Wor­te: MAREK HEM­MANN

Die ge­ball­te Faust Tech­no: DJ RUSH

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