Ja­mes Leo Her­li­hy

In München - - COMIC - Jon­ny Rie­der

Mid­ni­ght Cow­boy

(Blu­men­bar)

Joe Buck ist dumm wie hun­dert Me­ter Lauf­steg. Na­iv und nar­ziss­tisch. Kann nur über sein Le­ben nach­den­ken, „wenn er in ei­nen Spie­gel schaut“, schreibt Neu­über­set­zer Da­ni­el Schrei­ber. Da­bei lie­fert er film­rei­fe Spie­gel­mo­men­te à la Dirk Digg­ler: „Joe leg­te ei­ne Hand in sei­nen Schritt und sag­te zu sich selbst: ‘Ich werd ein­fach mei­nen Schwanz neh­men. Und ich werd ihn ein­fach wie ‘n Las­so be­nut­zen und mir die­se gan­ze ver­fick­te Stadt un­ter­wer­fen.’“In ei­ner an­de­ren Ge­schich­te wür­de man sich spä­tes­tens hier weg­du­cken vor dem Auf­prall, den der Jun­ge er­lei­den wür­de. Nicht hier. Ja­mes Leo Her­li­hys Held ist schon ganz un­ten. In sei­nem Cow­boy­kos­tüm hüft­schwingt er durch das Man­hat­tan der 60er Jah­re wie Tar­zan in New York oder fucking Old Shat­ter­hand, der in den fal­schen Film ge­rit­ten ist. Marl­bo­ro Coun­try hat kei­nen Platz für ei­nen Cow­boy­dar­stel­ler, des­sen ein­zi­ges Pu­bli­kum sei­ne Spie­gel­bil­der sind. Selbst Joes zeit­wei­li­ger Be­glei­ter, der ver­krüp­pel­te, ob­dach­lo­se und ster­bens­kran­ke Gau­ner Rat­so Riz­zo, der Joe übers Ohr haut, wirkt ne­ben Joe wie ein Le­bens­künst­ler. Das macht die Haupt­fi­gur so an­rüh­rend und ver­passt dem ‘65 er­schie­ne­nen Mid­ni­ght Cow­boy ei­ne kos­mi­sche Di­men­si­on von Trost­lo­sig­keit.

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