Of­fe­ne Gren­zen

Soul, HipHop, Rock, Pop, Funk und Elek­tro – der Herbst steht für ei­ne bun­te Mi­schung

In München - - INHALT -

Zwei Al­ben in Fol­ge Num­mer 1 in den Deut­schen Al­bum Charts, aus­ver­kauf­te Tour­ne­en und Auf­trit­te auf al­len gro­ßen Fes­ti­vals – Sal­ta­tio Mor­tis ha­ben be­weg­te Jah­re hin­ter sich und ein span­nen­des Jahr vor sich. Ak­tu­el­le The­men, mo­der­ne Rock­mu­sik und das Kunst­stück, sich im­mer wie­der neu zu er­fin­den und den­noch treu zu blei­ben, die­sen Spa­gat meis­tern die acht Voll­blut­mu­si­ker auf dem neu­en Al­bum „Brot & Spie­le“schein­bar spie­lend. Die acht Spiel­leu­te ha­ben nicht nur den Mit­tel­al­ter­rock ak­tua­li­siert, sie sind auch Ga­ran­ten für mit­rei­ßen­de Live-Shows. Sup­port: Kray­en­zeit (26.10. Ton­hal­le)

Sie ist ein neu­er Stern am bri­ti­schen Pop-Him­mel: Lau­rel. Oh­ne die Un­voll­kom­men­hei­ten zu be­schö­ni­gen wur­de je­der Song des neu­en Al­bums „Dog­vio­let“in Lau­rels Heim­stu­dio in East Lon­don ge­schrie­ben und auf­ge­nom­men. Nach Fer­tig­stel­lung wur­de das Al­bum durch ein ana­lo­ges Ton­band­ge­rät ge­jagt, um den or­ga­ni­schen Sound ein­zu­fan­gen, der ih­re ein­drucks­vol­len Live-Shows cha­rak­te­ri­siert. Der Al­bum-Ti­tel ent­springt dem Na­men ei­ner Blu­me und ist ei­ne zu­tiefst per­sön­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit dem bit­ter­sü­ßen Ge­fühl der Lie­be. Die ers­te Sing­le „Lo­ve­sick“gibt den Ton für das Al­bum vor, mit of­fe­ner, spär­li­cher Pro­duk­ti­on, die Lau­rels un­an­ge­strengt, ge­fühl­vol­le Stim­me und die Wär­me ih­res Gi­tar­ren­spiels of­fen­bart. Sup­port: Lo­riia (29.10. Mil­la)

Er ist der zur­zeit am hells­ten leuch­ten­de Stern der fran­zö­si­sche Elec­tro New Wa­ve: Fa­ke­ar ali­as Theo Le Vi­gou­reux ist ein jun­ger Pro­du­zent aus Ca­en in der Nor­man­die, des­sen Mu­sik man ir­gend­wo zwi­schen Ja­mie XX, Bo­no­bo, Fink, Chet Fa­ker und Daft Punk ver­or­ten kann. Sein uni­ver­sel­ler Style kom­bi­niert Deep und Eu­ro­pean Hou­se mit den Tex­tu­ren von eng­li­schem und US-ame­ri­ka­ni­schem Elek­tro-Un­ter­grund. Mit ei­ner sei­ner vier EPs er­reich­te er schon die fran­zö­si­schen Top Ten und die­se Sounds brach­ten ihm un­ter an­de­rem An­fra­gen von MIA ein, die mit ihm eben­so kol­la­bo­rie­ren woll­te, wie auch der ame­ri­ka­ni­sche Elek­tro-Star Odes­za. (30.10. Fei­er­werk Han­sa 39)

Gera­de ist die drit­te LP „Young Sick Ca­mel­lia“er­schie­nen und wenn es um St. Paul & The Bro­ken Bo­nes geht, darf man ger­ne von ei­ner rich­ti­gen Vi­nyl-Lang­spiel­plat­te spre­chen. Gera­de wenn ei­ne Kom­bo so weich und ana­log zu sin­gen, zu spie­len und auf­zu­neh­men ver­steht, wie Sän­ger Paul Ja­ne­way und sei­ne Mit­mu­si­ker. Zu­sam­men mit die­sen grün­de­te Ja­ne­way ei­ne der bes­ten Soul-Bands un­se­rer Ta­ge, ei­ne schwer groo­ven­de Rhyth­mus­grup­pe bil­det die Grund­la­ge, Blä­ser­sät­ze sor­gen für Ak­zen­te, über al­lem steht die un­glaub­li­che Stim­me Ja­ne­ways und ist maß­geb­lich für die­sen ei­ge­nen Sound ver­ant­wort­lich. In den Shows der Bro­ken Bo­nes sind aber kei­nes­wegs nur Ori­gi­nal­kom­po­si­tio­nen zu hö­ren, son­dern auch Songs von Wil­son Pi­ckett, Sam Coo­ke oder Otis Red­ding. Sup­port: The Ame­ri­cans (30.10. Tech­ni­kum)

Ben Schnei­der, der ein So­lo-Pro­jekt ge­star­tet und dann auf Band­grö­ße zu Lord Hu­ron er­wei­tert hat, kam aus Los An­ge­les in sei­ne al­te Hei­mat Mi­chi­gan zu­rück und ver­wan­del­te sei­ne Ein­drü­cke in ei­nen wun­der­voll re­for­mier­ten Ame­ri­ca­na-Sound und bas­tel­te rund um die ers­ten bei­den Al­ben ei­ne fan­ta­sie­vol­le Welt aus Wes­ternGro­schen­hef­ten, Cow­boy-Vi­de­os und von Licht­in­stal­la­tio­nen durch­flu­te­ten Live-Shows. Im April er­schien mit „Vi­de Noir“die drit­te Plat­te, und die­ses Mal stam­men die Ein­flüs­se aus sei­nem ka­li­for­ni­schen Wohn­ort. Man sieht die nächt­li­che Stadt förm­lich vor sich und macht die ziel­lo­sen Fahr­ten mit, durch das San Fer­nan­do Val­ley, über die San­ta Mo­ni­ca Moun­ta­ins oder ent­lang des Mul­hol­land Dri­ve und durch die Ne­on-Can­yons in Down­town L.A. bis hin­un­ter an die Pa­zi­fik­küs­te. Stau­bi­ge Bal­la­den, pun­ki­ge Kracher, Ro­cka­bil­lyAn­klän­ge und äthe­ri­sche Elek­tro­pas­sa­gen wech­seln sich hier ab. Sup­port: Ma­le­na Za­va­la (2.11. Tech­ni­kum)

Sie ha­ben heu­er mit „Ein rich­ti­ges Le­ben in Fla­schen“ein neu­es Al­bum ge­macht, nur zwei Jah­re nach „Was zählt“zum er­staun­li­chen Come­back: Fa­mi­ly 5. Die Band hat­te man nicht mehr wirk­lich „auf dem Schirm“, ab­ge­se­hen na­tür­lich von ih­ren groß­ar­ti­gen Plat­ten ab Mit­te der Acht­zi­ger, als Xao Seff­che­que und Sän­ger Pe­ter Hein von Fehl­far­ben die Band grün­de­ten, nach­dem sie ei­ne Ma­xi­s­in­gle ver­öf­fent­licht hat­ten. „Bring dei­nen Kör­per auf die Par­ty“war als iro­ni­scher Kommentar zur gera­de sehr mo­di­schen Funk-Be­geis­te­rung ge­dacht – aus dem Jux ent­stand die wich­tigs­te deut­sche Soul-Punk-Band, die Hits wie „Ja­pa­ner in Düs­sel­dorf“oder „Die ka­pie­ren nicht“aus der Hüf­te schüt­tel­te. Par­ty­mu­cke mit Groo­ve und Hirn, un­be­dingt hin­ge­hen! (1.11. Ro­te Son­ne)

Ih­re Stim­me steht für die Zu­kunft des weib­li­chen HipHops: Akua Na­ru. Mit „The Bla­ckest Joy“ver­öf­fent­lich­te die US-Ame­ri­ka­ne­rin mit Wahl­hei­mat Köln heu­er ein neu­es Al­bum, mit dem sie nun auch live zu er­le­ben ist. Ih­re Mu­sik zeugt nach wie vor von po­li­ti­scher Dring­lich­keit und fe­mi­nis­ti­scher, in­tel­lek­tu­el­ler Poe­sie. Un­ter den Jaz­zund Soul-in­fi­zier­ten Sound der First La­dy des Glo­bal Hip Hop mi­schen sich auf dem neu­en Ma­te­ri­al zu­sätz­lich afri­ka­ni­sche Ein­flüs­se, die von ei­ner tie­fen Ver­eh­rung für die mu­si­ka­li­schen Wur­zeln des schwar­zen Kon­ti­nents be­seelt und in­spi­riert sind. (5.11. Am­pe­re)

Er wür­de Wood­stock zu­rück­brin­gen, schrieb die deut­sche Pres­se, als

der te­xa­ni­sche Mu­si­ker Is­ra­el Nash vor drei Jah­ren das Al­bum „Sil­ver Seasons” vor­leg­te, in­ter­na­tio­nal hat­te er be­reits mit dem Vor­gän­ger „Rain Plans” auf sich auf­merk­sam ge­macht. Ei­ne Plat­te voll gi­tar­ren­las­ti­ger Ame­ri­ca­na-Klän­ge, die mit psy­che­de­li­schen Ele­men­ten ge­würzt wa­ren und bei der be­son­de­ren Wert auf das Song­wri­ting ge­legt wur­de. Jetzt hat er mit sei­ner Band in der Ab­ge­schie­den­heit sei­ner Ranch sein mitt­ler­wei­le fünf­tes Al­bum „Lif­ted“auf­ge­nom­men. Das Quin­tett ver­spricht dar­auf ei­ne Zei­t­rei­se zu­rück zum Ide­al des kunst­sin­ni­gen und fried­lie­ben­den Ame­ri­kas, ei­nem Land, dem nicht nur vie­le Mu­si­ker nach­trau­ern. Sup­port: Mat­t­hew Lo­gan Vas­quez (6.11. Strom)

Nach ei­ner Viel­zahl von Al­ben als Grün­dungs­mit­glied der HipHop-Band Blu­men­topf und fünf So­loal­ben seit dem Jahr 2005, ver­öf­fent­lich­te Se­pa­lot 2017 die Al­ben „Hi­de“& „Seek“ und leg­te da­mit den Grund­stein wie­der im Ver­bund ei­ner Band zu ar­bei­ten. Mit dem Se­pa­lot Quar­tett kehr­te Se­bas­ti­an Weiss zu­rück und über­ar­bei­tet die Songs aus mehr als 10 Jah­ren Schaf­fen als So­lo­künst­ler neu. Die Lie­be zur elek­tro­ni­schen Mu­sik bleibt be­ste­hen und auch der un­ge­schlif­fe­ne Druck des HipHop fin­det sich wie­der und doch ist al­les auf An­fang mit die­sem Pro­jekt: Se­pa­lots Be­geis­te­rung für at­mo­sphä­ri­sches Sound­de­sign wird er­gänzt um das Ele­ment des Jazz. Das kur­ze Kon­zert in der Gol­de­nen Bar im Som­mer hat Ap­pe­tit ge­macht, nun in vol­ler Län­ge im Rah­men von sechs Jah­re Mil­la. (2.11. Mil­la)

„Hart fra­gil“heißt das neue Al­bum von La­ry und ist wohl als Spie­gel ih­rer Per­sön­lich­keit vol­ler Wie­der­sprü­che ge­meint: ober­fläch­li­che Di­va und Pro­let mit Tief­gang, Ein­zel­gän­ge­rin und mit­ten drin, stark und zer­brech­lich. Wi­der­sprü­che, weiß die ge­bür­ti­ge Gel­sen­kir­che­ne­rin und Wahl-Ber­li­ne­rin, sind Teil un­se­rer Viel­schich­tig­keit. Sie singt von Ab­grün­den, von Lie­be, Trau­er und Le­bens­lust. Ih­re Songs sind auch mu­si­ka­lisch so ge­gen­sätz­lich wie mög­lich, at­mo­sphä­ri­sche Pop­bal­la­den und Wa­ve-An­klän­ge, Schla­ger und HipHop. Live wohl ei­ne der prä­sen­tes­ten Pop­künst­le­rin­nen des Lan­des. (7.11. Am­pe­re)

Für ein bes­se­res Ame­ri­ka: IS­RA­EL NASH

Mu­sik für die nächt­li­che Stadt: LORD HU­RON

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