CON­CERTS

Pro­test und Par­ty

In München - - INHALT -

40 Jah­re nach Ver­öf­fent­li­chung des le­gen­dä­ren Al­bums „Dun­kel­graue Lie­der“kom­men die­se wie­der auf die Büh­ne: Mit viel Re­spekt vor Lud­wig Hirsch, wird Voo­doo Jür­gens des­sen gro­ße Hits von der „Oma­ma“bis zu„ I lieg am Ruckn“und vie­le an­de­re neu in­ter­pre­tie­ren. Im­mer schon ein gro­ßer Ver­eh­rer, ge­hen auch Voo­doo Jür­gens mu­si­ka­li­sche Wur­zeln auf die­sen „dun­kel­grau­en“Lie­der­ma­cher zu­rück. Ei­ne tra­gi­ko­mi­sche Sicht auf die Welt ver­bin­det die bei­den Ös­ter­rei­cher, spä­tes­tens seit Ver­öf­fent­li­chung sei­nes De­büt­al­bums „An­sa Wo­ar“2016 wird Jür­gens als das nächs­te „gro­ße Ding“aus Wien ge­fei­ert, auch dank sei­ner Sing­le „Hei­te grob ma To­te aus“– und hier schließt sich wie­der der Kreis. (11.11. Volks­thea­ter)

Ei­gent­lich sind die drei ja ech­te Glas­go­wer Punks, die auch ei­ne ge­hö­ri­ge Men­ge an tief­grei­fen­der Me­lan­cho­lie und Wut in sich tra­gen und so son­nig ihr Syn­thie-Pop auch sein mag: CHVRCHES sind weit mehr als ei­ne Som­mer­hit-Band. Auf ih­rem neu­en Al­bum „Lo­ve Is De­ad“ha­ben sie sich nun ih­rer Düs­ter­nis ge­öff­net und ver­ei­nen die bei­den Sei­ten eben­so wie die der gan­zen Welt, die von Em­pa­thie­lo­sig­keit nur so strotzt – und gleich­zei­tig aber auch so viel Stär­ke und Wi­der­stand of­fen­bart. Son­ni­ger Pop ge­paart mit schat­ti­gen Klän­gen – das ist der Sound­track un­se­rer Ta­ge und wird mit Si­cher­heit auch li­ve schwer ab­ge­fei­ert wer­den. (12.11. Muf­f­at­hal­le)

Mu­sik, zu der man trin­ken, tan­zen und sich prü­geln kann: Nach über zehn Jah­ren und sie­ben Stu­dio­al­ben spin­nen Whi­te Denim die­sen Fa­den im­mer wei­ter. Ir­gend­wo zwi­schen Black Keys und Jack Whi­te, Wil­co, T.Rex, Thin Liz­zy und den All­man Bro­thers lag die Mu­sik von Sän­ger und Gi­tar­rist Pe­tral­li und Bas­sist Ste­ve Te­r­e­be­cki auf ih­ren jüngs­ten Plat­ten wie „Cor­si­ca­na Le­mo­na­de“und „Stiff“. Mit dem neu­en Al­bum „Per­for­mance“ver­än­der­ten Whi­te Denim ihr Klang­spek­trum: Zu­sam­men mit dem neu­en Key­boar­der Micha­el Hun­ter und dem neu­en Drum­mer Con­rad Chou­croun ist das Quar­tett dem ur­sprüng­li­chen Klang Ame­ri­kas wei­ter auf den Grund ge­gan­gen: Glam Rock-Stü­cke, ab­sei­ti­ge Jazz-An­klän­ge, Coun­try-Zi­ta­te und al­ler­hand an­de­re selt­sa­me Aus­flü­ge in ver­schie­de­ne Spiel­ar­ten, li­ve darf man ge­spannt sein. (14.11. Mil­la)

Ei­ni­ge Jah­re lang trie­ben sich The Wa­ve Pic­tu­res in Groß­bri­tan­ni­en, in Frank­reich und New York her­um und ga­ben Kon­zer­te un­ter an­de­rem mit Her­man Dü­ne, Jef­frey Lewis und The Moun­tain Goats. 2007 sie­del­ten die Bri­ten nach London um und ka­men mit ih­rer Mi­schung aus Rock, Folk und Pop, ver­se­hen mit al­ler­hand Lo-Fi-At­ti­tü­de, bei dem Trend-La­bel Mo­shi Mo­shi Re­cor­ds un­ter Ver­trag. Mit dem 2008er „In­stant Cof­fee Ba­by“und dem Nach­fol­ger „If You Lea­ve It Alo­ne“zei­gen sie, dass Wohn­zim­mer­pro­duk­tio­nen ei­nen sehr eig­nen Charme ha­ben. Mit schram­me­li­gen Gi­tar­ren, schrä­gem Ge­sang und viel Witz über­ra­schen The Wa­ve Pic­tu­res seit­dem je­des Jahr neu, zu Zeit sind sie auch ein biss­chen blue­sy un­ter­wegs. (14.11. Im­port Ex­port)

Die Songs wa­ren schon kom­po­niert und das Stu­dio war ge­bucht für den Nach­fol­ger des ge­lun­ge­nen De­büt­al­bums von Na­ta­lie Prass aus dem Jahr 2015. Doch kurz vor den Auf­nah­men ent­schei­det sie, die Ly­rics, die Songs und die Mu­sik in die Ton­ne zu tre­ten. Der Grund? Trumps Wahl­sieg. Al­les auf An­fang und so ent­stand „The Fu­ture And The Past“. Die Plat­te ist ein kraft­vol­les State­ment ei­ner Fe­mi­nis­tin, po­li­tisch und mu­si­ka­lisch auf höchs­tem Ni­veau, Pro­test und Par­ty. Zu­sam­men mit Pro­du­zent Mat­t­hew E. Whi­te ent­stand ein Al­bum von Gos­pel über 80er-Pop, R’n‘B der 90er, ei­ner Pri­se Funk, Soul und Dis­co bis hin zu bra­si­lia­ni­schen Tro­pi­ka­lia – mit Tex­ten, die eben in un­se­re Zeit pas­sen. Sup­port: H.C. McEn­ti­re (15.11. Oran­ge­hou­se)

Mit lär­mi­ger Riff-Gi­tar­re und mit Trom­mel-Ding-Dong wol­len sie es wis­sen: Tas­ke­te! (ja­pa­nisch: Obacht!) aber nur als Noi­se­rock-Duo zu be­zeich­nen, wä­re zu kurz ge­grif­fen, denn da sind auch ei­ni­ge schö­ne Pop-Re­fe­ren­zen und die Spie­le­rei­en des Main­streams, die hier mit Wucht zu­rück in den Un­der­ground ge­zo­gen wer­den. Aren Emir­ze (Harm­ful, Emir­si­an) und Flo We­ber (Sport­freun­de, Bolz­platz He­roes) sind al­te Ha­sen, die Freu­de an neu­er Mu­sik ha­ben und sich kräf­tig in der Ge­mischt­wa­ren­hand­lung des In­die­und Al­ter­na­ti­ve­rock be­die­nen. Sup­port: Les Mil­lion­nai­res (16.11. Mil­la)

Dre­ckig, laut und wü­tend kön­nen sie be­reits – dass sie aber auch ei­nen tanz­ba­ren Groo­ve hin­be­kom­men, ma­chen die Par­quet Courts aus Brook­lyn (wo­her auch sonst) zu et­was Be­son­de­rem. Bei je­dem Al­bum der Band ge­he es dar­um, dass es ei­ne Ve­rän­de­rung zum Bes­se­ren bie­tet, er­klärt Sän­ger Sa­va­ge. Dies­mal war es der Pro­du­zent Dan­ger Mou­se, den man nicht un­be­dingt mit Funk-Punk in Ver­bin­dung bringt, der da­für ge­sorgt hat, dass Songs wie „To­tal Foot­ball“jetzt schon re­gel­rech­te In­die-Club-Hits sind. So ent­stand das neue Al­bum „Wi­de Awa­ke“in ei­ner Kom­bi­na­ti­on aus Groo­ve, Spaß und Em­pö­rung, die der ak­tu­el­len Kul­tur des Has­ses ent­ge­gen­wir­ken soll. (19.11. Am­pe­re)

Ge­mein­sam mit Ro­d­ri­go Leao hat Scott Mat­t­hew zu­letzt das Al­bum „Li­fe Is Long“ein­ge­spielt, Songs voll bit­ter­sü­ßer Me­lan­cho­lie und welt­ge­wand­tem Schmerz. Der sam­tig-raue Bass des mit der an­gel­sä­chi­schen Sin­ger-Song­wri­ter-Tra­di­ti­on auf­ge­wach­se­nen Scott Mat­t­hew trifft in Ro­d­ri­go Leao auf ei­nen von Tan­go und Klas­sik ge­präg­ten Ge­gen­part, der gleich­zei­tig in der Welt der Pop­muisk zu Hau­se ist.

Zu Ro­d­ri­go Leao mu­si­ka­li­schen Part­nern zähl­ten be­reits Beth Gib­bons von Por­tis­head und Neil Han­non von The De­vi­ne Come­dy. Nun kom­men Leao und Mat­t­hew erst­mals zu­sam­men, be­glei­tet von ei­ner mit vier wei­te­ren Mu­si­kern be­setz­ten Band. (19.11. Kam­mer­spie­le)

Der Sound ist ge­prägt von Twang-Gi­tar­ren, An­spie­lun­gen auf die Zeit vor Six­ties-Rock’n’Roll und dem un­ver­gleich­li­chen Charme ei­ner sym­pa­thi­schen Ga­ra­ge-Pop Di­va: Die als Hol­ly Go­light­ly Smith ge­bo­re­ne En­g­län­de­rin lebt in­zwi­schen seit fast acht Jah­ren in Geor­gia, USA. Nach ei­ner sehr er­folg­rei­chen Tour vor zwei Jah­ren, kommt Hol­ly nun mit ih­rer Band wie­der vor­bei, um so­wohl die Songs ih­res vor drei Jah­ren er­schie­nen Al­bums „Slow­town Now!“zu prä­sen­tie­ren und viel­leicht auch ein paar neue Stü­cke zu spie­len. Li­ve scheint das Pu­bli­kum be­son­ders bei den ru­hi­gen, lang­sa­men Songs mit je­dem Ton ein we­nig mehr da­hin zu schmel­zen. (20.11. Fei­er­werk Han­sa 39)

Un­be­irrt, un­be­ein­flusst und frei von auf­er­leg­ten Zwän­gen tra­ten Mud­ho­ney im Schat­ten von Bands wie Nir­va­na und Pe­arl Jam ih­ren Sie­ges­zug nicht im Main­stream, son­dern im Un­ter­grund an und ste­hen auch 30 Jah­re spä­ter noch im­mer auf der Büh­ne. Le­dig­lich Matt Lu­kin wich Guy Mad­di­son an den vier tie­fen Sai­ten, an­sons­ten – al­les wie ge­habt. Sie wa­ren die Vor­rei­ter in Sa­chen Grun­ge, oh­ne Mud­ho­ney hät­te es viel­leicht nie nach „Te­en Spi­rit“ge­ro­chen. Nun er­schien mit “Di­gi­tal Gar­ba­ge” das mitt­ler­wei­le zehn­te Stu­dio­al­bum, das jetzt li­ve prä­sen­tiert wird. (20.11. Strom)

Mit dem gleich­na­mi­gen Film­stu­dio hat Gruff Rhys’ neu­es Al­bum „Ba­bels­berg“nichts zu tun, es geht um ei­ne mo­der­ne Ver­si­on des Turm­baus zu Ba­bel, die der wa­li­si­sche Mu­si­ker (Ex-Sän­ger der Su­per Fur­ry Ani­mals) mit dem Kom­po­nis­ten Ste­phen McNeff er­ar­bei­te­te. Das Kon­zept­al­bum be­schäf­tigt sich mit der ver­lo­ren­ge­gan­gen Ver­stän­di­gung zwi­schen den Men­schen, die zu Dis­kri­mi­nie­rung, ver­rück­ten Staats­ober­häup­tern, all­täg­li­cher Ge­walt, Gen­tri­fi­zie­rung und letzt­end­lich Krieg führt. Sup­port: Bill Ry­der-Jo­nes (21.11. Am­pe­re)

Soul-La­dy ge­gen Trump: NA­TA­LIE PRASS

Tanz­ba­rer Ga­ra­ge-Punk aus Brook­lyn: PAR­QUET COURTS

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