KA­BA­RETT

Nack­te Tat­sa­chen, viel Tratsch

In München - - INHALT - Ru­pert Som­mer

Ein­fach mal an die Scham­gren­ze ge­hen. Und dann ei­nen mu­ti­gen Schritt dar­über hin­aus. Und auch noch et­was da­bei ler­nen – et­wa in den ak­tu­el­len Squirt-Tu­to­ri­als. Ines Ani­o­li und Lei­la Lo­w­fi­re wis­sen eben, wor­über sie so un­ver­blümt schnat­tern. Mit „Bes­ser als Sex“be­trei­ben die bei­den bes­ten Freun­din­nen aus Ber­lin ei­nes der er­folg­reichs­ten und tat­säch­lich be­geh­rens­wer­tes­ten Pod­casts der schmerz­be­frei­ten Spaß­re­pu­blik. Und da war es nur ei­ne Fra­ge der Zeit, bis sich die bei­den Gra­zi­en auch auf die Büh­nen lo­cken lie­ßen. Ih­re „Unfucka­ble Tour“bie­tet pri­ckeln­de Li­ve-Un­ter­hal­tung und punk­tet mit ei­ner Pi­kan­te­rie, die in der Sze­ne nicht selbst­ver­ständ­lich ist: Ani­o­li und Lo­w­fi­re kön­nen über sich sel­ber la­chen. Und das steckt an. Ge­wal­tig. (Back­s­tage Werk, 29.11.)

Wer die hei­ßen Oh­ren schon mal vor­glü­hen las­sen möch­te, darf bei der ful­mi­nan­ten „Sex, Lü­gen & Lip­pen­stif­te“-In­tim­beich­te von Ra­mo­na Krön­ke nicht feh­len. Als Ca­vewo­man gibt sie noch im­mer prak­ti­sche Tipps zur Hal­tung und Pfle­ge ei­nes be­zie­hungs­taug­li­chen Part­ners. Soll hei­ßen: Sie knöpft sich die selbst­er­nann­ten „Her­ren der Schöp­fung“hem­mungs­los forsch vor. Mit spit­zen, selbst­ver­ständ­lich stets per­fekt ge­pfleg­ten Nä­geln, krallt sie sich ins Brust­haar des zeit­ge­nös­si­schen Höh­len­men­schens. Autsch! (Das Schloss, 17.11.)

Wie kriegt man jetzt ele­gant die Kur­ve zum Nicht-wirk­lich-Frau­en­ver­ste­her und ket­ten­rau­chen­den Kra­wall­ma­cho Ma­rio Bas­ler? Ei­gent­lich gar nicht. Nur so viel: Vom Ki­cken ver­steht der Ex-Tor­schüt­zen­kö­nig des SV Wer­der Bre­mens und auch in FC-Bay­ern-Di­ens­ten ge­nia­len Frei­stoß- und Eck­ball-Schüt­ze na­tür­lich ei­ne gan­ze Men­ge. Und al­les Wis­sen knallt er auch mehr oder we­ni­ger un­ge­fragt her­aus. „Bas­ler bal­lert“lebt von den vie­len si­cher ver­wan­del­ten El­fer-An­ek­do­ten, die die Po­in­te treff­si­cher im Netz zap­peln las­sen. Und auch auf der un­ge­wohn­ten Büh­ne gilt das al­te Bas­ler-Bon­mot: „Mich in­ter­es­siert nicht, wer spielt. Haupt­sa­che ich spie­le.“(Das Schloss, 22.11.)

Kaum ei­nen Ball ver­schießt na­tür­lich auch Ti­mo Wopp, der sich der­zeit „Auf der Suche nach dem ver­lo­re­nen Witz“be­fin­det. So auch sein ak­tu­el­ler Pro­gramm­ti­tel. Da­rin hält er sich strikt an sein ein­zi­ges Cre­do: #no­fil­ter. Bei sei­ner Durch­leuch­tung ei­ner geis­tes­kran­ken Ge­sell­schaft tram­pelt er an­ge­mes­sen fein­füh­lig auf al­len Be­find­lich­kei­ten her­um. Doch auch Wopp liebt es sport­lich: Der ehe­ma­li­ge Welt­klas­se-Jon­gleur lässt auch auf der Büh­ne ei­ni­ges flie­gen. War­um? Weil er es kann. (Lust­spiel­haus, 15.11.)

Vom selt­sa­men Weg vom Kind zum Men­schen er­zählt Mu­ri­el Kö­nig in ih­rem tref­fend be­ti­tel­ten „Phan­tas­tisch!“-Pro­gramm. Und das ent­hält auch prak­ti­sche Über­le­bens­tipps. Na­tür­lich bringt die Chips-Tü­te nichts. Aber sie hilft. Un­ter­wegs kreu­zen drei Da­men und ein Hund ih­ren Weg. Und auch ein Kro­ko­dil reißt den Schna­bel auf. In schlimms­ter Ver­zweif­lung singt Kö­nig wil­de Lie­der und be­glei­tet sich da­zu be­herzt am Ak­kor­de­on, an der Sä­ge und der Pau­ke. Das haut rein! (Fraun­ho­fer, 14./15.11.)

Über­mut ist auch, was Ve­ro­ni­ka von Quast und die Pas­sau­er Le­gen­de Barbara Dorsch aus­zeich­net. Im ge­mein­sa­men neu­en Pro­gramm „Koa Brett vorm Kopf, koa Blatt vorm Mund“stür­zen sich die bei­den in ei­nen Stru­del aus Mu­sik, hei­mat­lich lus­ti­ge Tex­te und rotz­fre­che Lie­der. Und sie ver­ra­ten viel Pri­va­tes über ver­blüh­te Schön­heit und ge­lif­te­te Ge­heim­nis­se. Vro­ni und Bab­si sind im­mer­hin schon seit fast 40 Jah­ren be­freun­det. Auch das hilft. (Hof­spiel­haus, 10.11.)

Wie ist Mün­chen wirk­lich? Ist es die Föhn­fri­sur, der Ape­rol Spritz und die pe­ni­bel ein­ge­hal­te­nen Roll­trep­pen­re­geln? Oder ist es nicht eher der tris­te Schot­ter auf der Wiesn, wenn die Fahr­ge­schäf­te vom Ok­to­ber­fest längst wie­der wei­ter­ge­zo­gen sind und sich streu­nen­de Wohl­stands­hun­de auf ab­ge­ris­se­ne Dirndl-Ma­scherl er­leich­tern? Frei­raum? Wohn­raum? Al­les zu­ge­baut? Jetzt bit­te in kei­ne No­vem­ber­me­lan­cho­lie ver­sin­ken. Im­mer­hin gibt’s die ge­schmack­vol­len Fies­hei­ten von Föhn & Schot­ter – ge­treu der De­vi­se: „Oh wie ich dich has­se, wie ich dich lie­be, mein Mün­chen!“(Hep­pel & Ett­lich, 10.11.)

Die Welt ist ver­rückt. Das Le­ben ist kom­pli­ziert. Und auch der Kaf­fee schmeckt ir­gend­wie ko­misch. So viel ist im neu­en So­lo von Ka­tin­ka Bud­den­kot­te, dem selbst­er­nann­ten „Lieb­ling der Schwer­kraft“, schon mal si­cher. Sie weiß: Wer im­mer noch auf das nied­li­che Ein­horn hofft, das vor­bei­trabt und plötz­lich wie­der al­les hei­le macht, liegt wirk­lich da­ne­ben. Da­für gibt es aber die Bud­den­kot­te: Sie klaubt die gröbs­ten Bro­cken aus dem Weg, be­vor sie den Fe­en­staub aus den Hir­nen kärchert. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 15.11.)

Un­über­sicht­lich sieht die La­ge auch bei Rolf Mil­ler aus, der aus­län­der­feind­li­che Sy­ri­er, ei­nen ve­ga­nen Jä­ger so­wie Achim, Jür­gen und Rolf kennt, die wie im­mer zu viert im Six­pack auf­tre­ten. „Obacht Mil­ler - Se re­turn of se nor­mal one“warnt da­vor, nicht im­mer das zu glau­ben, was man denkt. (Lust­spiel­haus, 14.11.)

So rich­tig zu be­nei­den ist Jens Hein­rich Claas­sen nicht, auch wenn er ak­tu­ell be­tont: „Ich komm schon klar“. Eben noch hat­te der gu­te Mann, ein Mann zum Mäu­se­mel­ken wohl­ge­merkt, ei­ne tol­le Freun­din ge­fun­den und das ro­sa­ro­te Le­ben ge­nos­sen. Nun ist sie weg. Und die blö­de Kuh hat ihn auch noch aus der ge­mein­sa­men Woh­nung ge­wor­fen. (Schlacht­hof, 21.11.)

Se­ve­rin Gro­eb­ner, viel­fach be­gab­ter Ka­ba­ret­tist aus Wien, kann gut schrei­ben. Aber auch im et­was un­ge­wohn­te­ren Me­tier bleibt er sei­ner Ma­xi­me treu – dem Tief­sta­peln. So heißt sei­ne Geis­ter­bahn­fahrt durchs ak­tu­el­le Abend­land auch ganz be­schei­den „Le­xi­kon der Nich­tig­kei­ten“. Täu­schen las­sen soll­te man sich aber nicht: Gro­eb­ner ar­bei­tet das Al­pha­bet des Irr­sinns durch. (Ver­eins­heim, 9.11.)

Wer ein Herz hat und ein Hirn – so­wie na­tür­lich Hu­mor – darf schließ­lich auch bei der all­jähr­li­chen Gro­ßen Ma­ti­née der Sau­ban­de nicht feh­len. Dies­mal tre­ten Stars wie Il­se Neu­bau­er, Ma­ria Pe­schek, Hel­mut Dau­ner, Be­le Tur­ba, das „Fün­ferl“mit Jo­han­na Bit­ten­bin­der, ih­re Toch­ter Ve­ro­ni­ka, Lud­wig W. Mül­ler, Hel­mut A. Bin­ser, Sven Kemm­ler, Andre­as Re­ber so­wie Sen­ta Ber­ger und Micha­el Ver­hoeven für den gu­ten Zweck auf. Das An­lie­gen da­bei: Das An­den­ken an Karl Va­len­tin, Liesl Karl­stadt und die Münch­ner Volks­sän­ger zu meh­ren und das Va­len­tin-Karl­stadt-Mu­säum im Be­son­de­ren zu un­ter­stüt­zen. Wie sag­te der Meis­ter so tref­fend: „Sie san net auf uns an­ge­wie­sen, aber mir auf Eahna.“Durch den Vor­mit­tag führt Hol­ger Paetz. (Volks­thea­ter, 11.11.)

Ken­nen kei­ne Hem­mun­gen: INES ANI­O­LI & LEI­LA LO­W­FI­RE

Kennt Barbara Dorsch schon lan­ge: VE­RO­NI­KA VON QUAST

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