Der Him­mel ge­hört al­len

Fest­tags-Hor­ror, Gu­te Lau­ne

In München - - KINO -

An­ti-Kon­sum­rausch. Den bes­ten Freun­den Paul (Flo­ri­an Da­vid Fitz) und To­ni (Mat­thi­as Schweig­hö­fer), die oh­ne ein­an­der nicht aus­kom­men kön­nen, ist es schon ver­dammt wich­tig, mit schi­cken Kla­mot­ten und tech­ni­schem Klim­bim im­mer coo­ler als der an­de­re zu sein. Ei­ne Wett-Idee, im Suff ge­bo­ren: Wer hält es län­ger aus oh­ne al­len ma­te­ri­el­len Be­sitz?! Sie ver­frach­ten all ihr Hab und Gut in ei­ne La­ger­hal­le und dür­fen 100 Ta­ge lang nur je­weils ei­ne Sa­che zu­rück­ho­len. Split­ter­nackt und oh­ne Mö­bel ste­hen sie auf der Stra­ße, und müs­sen sich ge­gen­sei­tig exis­ten­zi­el­le Fra­gen stel­len, auf die sie zu­vor nie im Le­ben ge­kom­men wä­ren ... 100 Din­ge heißt die char­man­te Bud­dy-Ko­mö­die von Flo­ri­an Da­vid Fitz, 101 stim­mi­ge Gags in­klu­si­ve. (Ab 6.12.)

Fest­tags-Ver­gnü­gen. An­na (El­la Hunt) freut sich auf die Welt. Will erst­mal rei­sen, nach der Schu­le. Das muss sie jetzt nur noch ih­rem Va­ter ver­kli­ckern. An­nas bes­ter Freund John (Mal­colm Cum­ming) wagt nicht, ihr sei­ne Lie­be zu ge­ste­hen. An­nas Schwarm Nick (Ben Wigg­ins) er­weist sich als Wi­der­ling ... aber das ist, an­ge­sichts ei­ner nar­ri­schen Zom­bie-In­va­si­on, al­les nicht so wich­tig. Fällt An­na an­fangs gar nicht auf, als sie tan­zend und sin­gend am letz­ten Schul­tag vor Weih­nach­ten das Haus ver­lässt, dass hin­ter ihr Zom­bie­hor­den durch die Stra­ßen stak­sen. John McPhails au­gen­zwin­kern­des Weih­nachts-Hor­ror-Mu­si­cal An­na und die Apo­ka­lyp­se ist ein ge­lun­ge­nes Gru­si­cal mit Splat­ter­an­teil – es wird ge­sun­gen, ge­tanzt, die un­ver­meid­li­chen To­ten wer­den nie bloß ge­stellt. Sehr ver­gnüg­lich! (Ab 6.12.)

Her­zens­gü­te. As­trid Lind­gren (Al­ba Au­gust) ver­bringt ei­ne un­be­schwer­te Kind­heit in ih­rer streng re­li­giö­sen Fa­mi­lie, sehnt sich als jun­ge Frau nach Selbst­be­stim­mung. Macht ein Vo­lon­ta­ri­at bei der Lo­kal­zei­tung. Ver­liebt sich in den Chef­re­dak­teur (Hen­rik Ra­fa­el­sen), der ihr Va­ter sein könn­te. Als sie 1926 mit 18 Jah­ren un­ver­hei­ra­tet schwan­ger wird, wä­re das zu­hau­se ein Skan­dal. So geht sie nach Ko­pen­ha­gen, um ih­ren Sohn Las­se zur Welt zu brin­gen. Muss ihn aber bei Pfle­ge­mut­ter Ma­rie (Tri­ne Dyr­holm) zu­rück­las­sen, um in Stock­holm Geld zu ver­die­nen. Als Ma­rie schwer er­krankt, müs­sen Mut­ter und Sohn zu­ein­an­der­fin­den. Dank As­trids Ta­lent fürs Ge­schich­ten­er­zäh­len ge­lingt’s. Per­nil­le Fi­scher Chris­ten­sens mit­rei­ßen­des Bio­pic As­trid er­zählt von den ent­schei­den­den Ju­gend­jah­ren der be­rühm­ten Kin­der­buch­au­to­rin. (Ab 6.12.)

Das Le­ben selbst. Am Abend vor dem Tour­nee-Start kommt ei­ne Grup­pe jun­ger Tän­zer in ei­ner al­ten Turn­hal­le zu­sam­men. Nach der atem­be­rau­ben­den Ge­ne­ral­pro­be gibt’s ei­ne rau­schen­de Par­ty, man fei­ert, chillt, DJ Dad­dy (Kid­dy Smile) legt auf. Als es ei­ner Tän­ze­rin schlecht wird, fin­det Sel­va (So­fia Bou­tel­la) her­aus, dass je­mand die gan­ze Trup­pe un­ter Dro­gen ge­setzt hat – und die Nacht wan­delt sich zu ei­nem kol­lek­ti­ven Hor­ror­trip. Aus Angst wird Pa­nik, Ag­gres­si­on und Be­gier­den neh­men über­hand. Bis am Mor­gen die Po­li­zei ein­trifft, und sich das gan­ze Cha­os of­fen­bart ... Gas­par Noé („Ir­re­ver­si­ble“, „En­ter the Vo­id“, „Lo­ve“) ge­stal­tet mit Cli­max ei­nen ex­tra­va­gan­ten Hor­ror-Tanz­film, chro­no­lo­gisch ge­dreht in 14 Ta­gen mit viel Im­pro­vi­sa­ti­on. In der Mon­ta­ge mit dem Ab­spann be­gin­nend, bis zum Vor­spann in der Film­mit­te und zu ei­ner gren­zen­los agie­ren­den Ka­me­ra, die das or­gi­as­ti­sche Ge­sche­hen filmt. (Ab 6.12.)

Hor­ror via Desk­top. Ti­mur Bek­mam­be­tow hat­te mit dem ers­ten Ver­such so durch­schla­gen­den Er­folg, dass er’s jetzt mit dem se­hens­wer­ten Un­k­nown User 2: Dark Web und Ste­phen Sus­co als Dreh­buch­au­tor und Re­gis­seur gleich noch­mal pro­biert. Stu­dent Matias (Co­lin Wood­well) hat in ei­nem Ca­fé ei­nen Lap­top mit­ge­hen las­sen, weil sein al­ter PC für das Pro­gramm, das er sei­ner ge­hör­lo­sen Freun­din schreibt, zu lang­sam ist. Frei­tag­abend: Wie im­mer tref­fen sich Matias‘ Freun­de zu ei­nem Sky­pe-Spie­le­abend. Wäh­rend al­le noch mun­ter chat­ten, ent­deckt Matias üb­le Snuff-Mo­vies auf sei­ner Fest­plat­te, wäh­rend sich der Vor­be­sit­zer sei­nes Lap­tops aus dem Dark Net mel­det. Und ehe er sich’s ver­sieht, wer­den sei­ne Freun­de ei­ner nach dem an­de­ren von des­sen Scher­gen da­hin­ge­met­zelt. Glaub­wür­di­ge, sym­pa­thi­sche Fi­gu­ren. Di­gi­ta­ler All­tag auf al­len Ka­nä­len. Pa­ckend! (Ab 6.12.)

Selbst ist die Frau. Ve­ro­ni­ca (Vio­la Da­vis), Lin­da (Mi­chel­le Ro­d­ri­guez) und Ali­ce (Eliz­a­beth De­bi­cki) kann­ten sich bis vor kur­zem nicht. Ve­ro­ni­cas Mann Har­ry (Li­am Nee­son) und sei­ne Kol­le­gen sind bei ei­nem ih­rer vie­len Raub­über­fäl­le ums Le­ben ge­kom­men. Har­ry hat­te bei Gangs­ter Ja­mal (Bri­an Ty­ree Hen­ry) ge­wal­ti­ge Schul­den, die er jetzt von des­sen Wit­we ha­ben will. Ve­ro­ni­ca plant ei­nen gro­ßen Coup, bei dem sie sich die läs­ti­gen Geld­ein­trei­ber gleich mit vom Hals schaf­fen kann. Fri­seu­rin Bel­le (Cyn­thia Eri­vo) wird den Flucht­wa­gen fah­ren ... Wi­dows – Töd­li­che Wit­wen ist ein pa­cken­der, viel­schich­ti­ger Thril­ler. Toll, wie das Dreh­buch von Ste­ve McQueen („Hun­ger“, „Sha­me“, „12 Ye­ars a Sla­ve“) und Gil­li­an Flynn („Go­ne Girl“) al­le gän­gi­gen Lö­sun­gen um­geht, Tie­fe ge­winnt und von ei­ner de­sas­trös zer­rüt­te­ten Ge­sell­schaft er­zählt. Liegt auch an der fürs Ki­no ge­kürz­ten Mi­ni­se­ri­en-Lang­fas­sung. Je­den­falls Sze­nen­ap­plaus und Stan­ding Ova­tions beim Film­fest in To­ron­to. (Ab 6.12.)

Kla­re Kan­te. Hal­la (Hall­dó­ra Geir­harðs­dót­tir) führt ein Dop­pel­le­ben. Als be­lieb­te Chor­lei­te­rin lebt die 50-jäh­ri­ge doch eher zu­rück­ge­zo­gen. Als Um­welt­ak­ti­vis­tin macht sie mit fan­ta­sie­vol­len Ak­tio­nen ge­gen die Zer­stö­rung ih­rer Hei­mat durch den Alu­mi­ni­um­kon­zern Rio Tin­to von sich re­den. Da un­ter­bricht sie schon mal mit sehr ein­fa­chen Mit­teln die Strom­ver­sor­gung der Haupt­stadt Reyk­ja­vik. So sind ihr Po­li­zei und Ge­heim­diens­te auf den Fer­sen, und es dürf­te schwie­rig für sie wer­den, ein ihr zu­ge­spro­che­nes Wai­sen­kind in der Ukrai­ne ab­zu­ho­len. Ge­gen den Strom von Be­ne­dikt Er­lings­son ist tol­les is­län­di­sches Ki­no. Rea­lis­tisch, poe­tisch und ein biss­chen sur­re­al, wenn sich Hal­las in­ne­re Stim­men in ei­ne ukrai­ni­sche Mu­sik­ka­pel­le ver­wan­deln. „Ein um­wer­fen­des Lein­wan­d­er­leb­nis“kon­sta­tiert Andre­as Wir­wal­ski im Fil­mecho. (Ab 13.12.)

Mon Dieu! Der in­ves­ti­ga­ti­ve Jour­na­list Jac­ques Ma­ya­no (Vin­cent Lin­don) wird vom Va­ti­kan ge­be­ten, sich ganz of­fi­zi­ell an der Auf­klä­rung ei­nes mys­te­riö­sen Falls zu be­tei­li­gen. Die 15jäh­ri­ge An­na (Ga­la­tea Bel­lu­gi) be­haup­tet, ihr sei die Jung­frau Ma­ria er­schie­nen. Ihr klei­nes Dorf im Sü­den Frank­reichs wird be­reits von Pil­gern über­schwemmt. Der are­li­giö­se Jac­ques lernt

ei­ne sen­si­ble, tief gläu­bi­ge jun­ge Frau ken­nen. Wäh­rend ein deut­scher Pries­ter (Ana­to­le Taub­man) un­ge­fragt die welt­wei­te Ver­mark­tung über­nimmt. Jac­ques durch­schaut all­mäh­lich das Rän­ke­spiel – und schickt schließ­lich ei­nen ver­sie­gel­ten Be­richt nach Rom. L’Ap­pa­ri­ti­on – Die Er­schei­nung ist ein raf­fi­niert ge­bau­ter Thril­ler um Glau­be, Lie­be, Hoff­nung von Xa­vier Gi­an­no­li. (Ab 13.12.)

Wan­de­rer. Nach ei­ner sat­ten Um­welt­ka­ta­stro­phe ringt die Mensch­heit um letz­te Res­sour­cen. Gro­ße Städ­te be­we­gen sich mitt­ler­wei­le auf rie­si­gen Rä­dern und ver­schlin­gen bei ih­ren Fahr­ten übers wei­te Öd­land al­les, was ih­nen un­ter­kommt. Tom (Ro­bert Shee­han), ein Be­woh­ner des mo­bi­len Lon­don, lernt Hes­ter (He­ra Hil­mar) ken­nen, de­ren Kle­in­stadt über­rollt wur­de. Die will sich an Th­ad­de­us Va­len­ti­ne (Hu­go Wea­ving) rä­chen, der einst ih­re Mut­ter er­mor­de­te und heu­te Lon­don re­giert. Weil ih­re Atta­cke schei­tert, fin­den sich Tom und Hes­ter bald in ei­ner Re­bel­len­trup­pe wie­der ... Mor­tal En­gi­nes: Krieg der Städ­te ist ein Sci-Fi-Aben­teu­er nach ei­nem Ro­man von Phil­ipp Ree­ve. (Ab 13.12.)

Im Ta­ba­lu­ga-Uni­ver­sum. In den 1980ern er­fand Pe­ter Maf­fay zu­sam­men mit Au­tor Gre­gor Rott­schalk und Lie­der­ma­cher Rolf Zuckow­ski den klei­nen Dra­chen Ta­ba­lu­ga. Das ers­te Kon­zept­al­bum wur­de so ein Er­folg, dass vie­le wei­te­re folg­ten, Hör­spie­le, Bü­cher, ei­ne Zei­chen­trick­se­rie usw. Was bis­her noch fehl­te: Ta­ba­lu­ga – Der Film. Der klei­ne Dra­che lebt mit sei­nem Freund, dem Ma­ri­en­kä­fer Bul­ly und sei­nem Zieh­va­ter, dem Ra­ben Kolk, im schö­nen Grün­land. Das wird vom bö­sen Herr­scher Arkt­os aus Eis­land be­droht, der schon Ta­ba­lug­as El­tern auf dem Ge­wis­sen hat. Ta­ba­lu­ga macht sich auf, be­geg­net auf dem Weg zu Arkt­os Ei­s­prin­zes­sin Lil­li und Eis­bär Lim­bo, lernt Feu­er spu­cken und wird über­haupt mu­tig ge­nug, um Arkt­os zu be­sie­gen. Sven Un­ter­waldt Jr. („7 Zwer­ge – Män­ner all­lein im Wald“) hat den Ani­ma­ti­ons­film in 3D ge­dreht, lei­der, so die Kri­tik, trotz Star­auf­ge­bots an Spre­cher­stim­men, mit all­zu kli­schee­haf­ter und ziem­lich hef­ti­ger Gut/Bö­seMecha­nik und ei­nem et­was lieb­lo­sen „Best-of“-Qu­er­schnitt durch al­le Ta­ba­lu­ga-Al­ben und -Ge­schich­ten. (Ab 6.12.)

Kraft­la­ckel. Teen­ager Mi­les Mora­les aus Brook­lyn ver­fügt seit ei­nem Spin­nen­biss über Su­per­kräf­te, grad so wie einst Pe­ter Par­ker. Der haust mitt­ler­wei­le in ei­ner Par­al­lel­welt, macht aber net­ter­wei­se ei­nen Ein­füh­rungs­kurs mit dem jun­gen Mann, wo­bei er ihn auch mit Spi­der-Gwen, Spi­der-Man Noir, und Spi­der-Ham be­kannt macht. Al­le zu­sam­men soll­ten es ja wohl schaf­fen, den mäch­ti­gen King­pin in sei­ne Schran­ken zu ver­wei­sen ... Spi­der-Man: A New Uni­ver­se ist ein Ani­ma­ti­ons­fil­mAben­teu­er nach den al­ten Mar­vel-Co­mics-Mo­ti­ven. (Ab 13.12.)

UND AUS­SER­DEM:

(Sie­he auch Film ABC): Der mit­rei­ßen­de Ro­ma, das viel ge­rühm­te Meis­ter­werk von Al­fon­so Cuarón, (Sie­ger­film in Venedig), das die Ge­schich­te von Kin­der­mäd­chen Cleo er­zählt, die in den 1970ern in Me­xi­kos Stadt­teil Ro­ma lebt und in die Stu­den­ten­un­ru­hen ge­rät, star­tet nächs­te Wo­che auf net­flix – läuft aber auch im Thea­ti­ner, dem rich­ti­gen Ort für so ein schlicht groß­ar­ti­ges Ki­no­er­leb­nis. (Ab 6.12.)

Hel­din! Rich­te­rin Ruth Ba­der Gins­burg ist heu­te 85, wur­de 1993 als zwei­te Frau an den Su­pre­me Court ge­wählt und hält dort bis heu­te die Stel­lung als Vor­kämp­fe­rin für Gleich­be­rech­ti­gung und Frau­en­rech­te. RGB – Ein Le­ben für Ge­rech­tig­keit ist ein Do­ku­men­tar­film von Bet­sy West und Ju­lie Co­hen über ihr Le­bens­werk. (Ab 13.12.)

An­selm Nat­ha­na­el Pahn­ke ist quer durch Afri­ka ge­fah­ren. Mit dem Fahr­rad. 15.000 Ki­lo­me­ter. In der selbst ge­dreh­ten Do­ku An­ders­wo. Al­lein in Afri­ka er­zählt er von sei­nen Aben­teu­ern und Er­fah­run­gen. (Neu­es Rott­mann, nur Do 13.12.)

Die Jo­ta ist ein Tanz aus Car­los Sau­ras Hei­mat Ara­gon. In Jo­ta – Mehr als Fla­men­co er­zählt er die Ge­schich­te des Tan­zes, und lässt ihn, wie in sei­nen bis­he­ri­gen Mu­sik­do­kus, von um­wer­fen­den Tän­zern und Mu­si­kern, u.a. der welt­be­rühm­ten Sa­ra Ba­ras, auf­füh­ren. (Ab 6.12.)

Un­frei­wil­lig exta­tisch: CLI­MAX

Lie­ber En­gel als Zom­bie: AN­NA UND DIE APO­KA­LYP­SE

Le­an Li­ving Wett­kampf: 100 DIN­GE

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