Sucht mit Fol­gen

Drau­ßen wird’s kalt, Zeit für ein paar neue Se­ri­en

In München - - FILM-ABC - Rai­ner Ger­mann

Ame­ri­ka­ni­sche Kle­in­stadt­dra­men sind ir­gend­wie schon ein ei­ge­nes Gen­re und wenn sie, wie zum Bei­spiel die ers­te Staf­fel von „True De­tec­tive“, im Sü­den der USA an­ge­sie­delt sind, ein be­son­de­res Ver­gnü­gen. Das trifft auch auf Sharp Ob­jects (HBO) zu, ei­ne Ad­ap­ti­on des De­büt­ro­mans der Schrift­stel­le­rin Gil­li­an Flynn, die be­reits die Vor­la­ge für „Go­ne Girl“schrieb. Um über die Su­che nach zwei ver­schwun­de­nen Mäd­chen zu be­rich­ten, kehrt die Re­por­te­rin Ca­mil­le Prea­ker nach ei­nem Auf­ent­halt in ei­ner psych­ia­tri­schen Kli­nik, u.a. we­gen chro­ni­schem Zwang sich zu rit­zen, in ih­re Hei­mat­stadt Wind Gap zu­rück. Nach­dem sich her­aus­ge­stellt hat, dass die bei­den Mäd­chen er­mor­det wur­den, re­cher­chiert die von Amy Adams groß­ar­tig ge­spiel­te psy­chisch im­mer noch schwer an­ge­schla­ge­ne Jour­na­lis­tin wei­ter und wird, auch auf­grund ih­rer ei­ge­nen Fa­mi­li­en-Ver­gan­gen­heit, im­mer tie­fer in ei­nen Stru­del aus Ob­ses­si­on, Ei­fer­sucht, Ge­walt, Al­ko­hol und Dro­gen ge­zo­gen. Tol­le Bil­der, gu­te Schau­spie­ler und ei­ne pa­cken­de Sto­ry, die im­mer wie­der für Über­ra­schun­gen sorgt. An­geb­lich er­fand Jo­an­ne K. Row­ling un­ter dem Pseud­onym Ro­bert Galbraith den De­tek­tiv Stri­ke (War­ner), um sich von „Har­ry Pot­ter“ab­zu­len­ken. Die Se­rie über den Pri­va­ter­mitt­ler Cor­mo­ran Stri­ke (Tom Bur­ke), der ein klei­nes Bü­ro in der Lon­do­ner Den­mark Street un­ter­hält und be­wohnt, ist bes­te Un­ter­hal­tung von der In­sel. Mit sei­ner neu­en hüb­schen As­sis­ten­tin Ro­bin El­la­cott (Hol­li­day Gra­in­ger) wird der kriegs­ver­sehr­te Ex-Af­gha­nis­tan-Ve­te­ran und Rock­star-Sohn in di­ver­se bi­zar­re Mord­fäl­le ver­wi­ckelt. Die bei­den sind ein un­glei­ches Paar, das aber ir­gend­wie gut zu­sam­men­passt, die Ori­gi­nal­ver­si­on kann mit viel bri­ti­schem Hu­mor auf­war­ten, die­ser fällt der deut­schen Syn­chro­ni­sa­ti­on gern mal zum Op­fer. Er war der Son­nen­kö­nig, hat sich selbst zum Ober­haupt der ka­tho­li­schen Kir­che in Frank­reich krö­nen las­sen und ist da­mit di­rek­ter Kon­kur­rent für den Papst als Ver­tre­ter Got­tes auf Er­den ge­wor­den: Lud­wig XIV. In der üp­pig in­sze­nier­ten Se­rie Ver­sailles (Eu­roVi­deo) darf man hin­ter den Mau­ern des gleich­na­mi­gen Schlos­ses in der Nä­he von Pa­ris dem grö­ßen­wahn­sin­ni­gen Kö­nig in der Gestalt des Schau­spie­lers Ge­or­ge Blad­gen beim schal­ten, wal­ten und re­gie­ren zu­se­hen. Und na­tür­lich den Fi­gu­ren, die Lou­is um­krei­sen, wie Pla­ne­ten die Son­ne eben: sei­ne Frau Ma­ria The­re­sa, sein ho­mo­se­xu­el­ler und ei­fer­süch­ti­ger Bru­der Phil­ip­pe, di­ver­se schö­ne und durch­trie­be­ne Mät­res­sen, sein Leib­die­ner Bon­temps so­wie Po­li­zist und Fol­ter­knecht Mar­chal. Der Kö­nig schart den fran­zö­si­schen Adel um sich, der sich aber schon bald ge­gen­sei­tig be­trügt – und ver­gif­tet. „Ver­sailles“ist ei­ne höchst un­ter­halt­sa­me Ge­schichts­stun­de, die et­was län­ger dau­ert, ein Feu­er­werk aus­ge­las­se­ner Ver­gnü­gun­gen, po­li­ti­scher In­tri­gen und Win­kel­zü­ge auf ei­ner Büh­ne, die ih­res­glei­chen sucht. Ei­ner der Ver­ant­wort­li­chen für die fran­ko-ka­na­di­sche Pro­duk­ti­on ist üb­ri­gens Si­mon Mir­ren, ein Nef­fe der gro­ßen Schau­spie­le­rin He­len Mir­ren.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.