Oh weh, es weih­nach­tet schon wie­der so sehr

Har­te Sprü­che, ein­dring­li­che War­nun­gen und na­tür­lich wie­der viel zu viel Al­ko­hol: Will­kom­men im Fest­tags-Vor-Fie­ber.

In München - - KABARETT - Ru­pert Som­mer

Ein klei­nes Weih­nachts­wun­der, jetzt schon: Klar, Hen­ry Rol­lins, der Mann mit den Mu­ckis und dem flä­chen­de­cken­den Tä­to­wie­run­gen, ist nicht ge­ra­de der Kerl, dem man spon­ta­nen Hu­mor und Selbst­iro­nie zu­traut. War­um auch? Die Welt ist bö­se und tru­delt dem Ab­grund ent­ge­gen. All das hat er mit Black Flag und der Rol­lins Band schon laut­stark her­aus­ge­brüllt. Und zum La­chen kann man ja ei­gent­lich in den Kel­ler ge­hen. Doch: weit ge­fehlt! Ken­ner wis­sen, dass Rol­lins zwar nicht ge­ra­de ein Gau­di­bursch ist, aber zu­min­dest schön viel Skur­ri­les er­lebt hat. In sei­ner „Tra­vel Sli­de­show“er­zählt er von sei­nen oft ziem­lich ab­sur­den Trips rund um den Glo­bus – et­wa mit­ten durchs spaß­be­frei­te Nord­ko­rea. Her­aus kommt dies­mal ei­ne Spo­ken-Word-Per­for­mance mit Rol­lins-Di­as aus Kri­sen­ge­bie­ten – und vor al­lem ziem­lich viel un­ge­fil­tert kras­ser Stand-up-Come­dy. Eat this! (Muf­f­at­hal­le, 9.12.)

Phy­sio­gno­misch so ziem­lich das größt­mög­li­che Ge­gen­teil ist der sanf­te Rü­di­ger Hoff­mann, der selbst­er­nann­te „Ent­de­cker der Lang­sam­keit“und na­tür­lich ein Lei­se­tre­ter. Doch auch bei ihm lohnt sich ein Be­such dies­mal so sehr: Er stellt sein nicht ge­ra­de ori­gi­nell be­ti­tel­tes „Best of“-Pro­gramm vor. Aber das darf man wirk­lich wört­lich neh­men: Es sind lei­se zün­den­de Spit­zen­kra­cher. Und es gibt auch ein Wie­der­se­hen mit Hoff­manns bes­ten Büh­nen­freun­den, dem Mal­te, der Bir­te und dem Olaf. Hin­ge­hen! (Schlacht­hof, 12.12.)

Be­kannt aus Film und Fern­se­hen, zu­min­dest wenn man öf­ter von „Da­ho­am is Da­ho­am“kle­ben bleibt, ist Se­bas­ti­an Fritz, den es nun auch auf die hei­te­re Büh­ne zieht. In sei­nem So­lo „Ain’t no sunshi­ne when he’s go­ne“lässt er die Bom­be plat­zen: Auch wenn das Le­ben von „bru­ta­ler Schön­heit“ist, wie Fritz fest­ge­stellt hat, und der Er­folg „hef­tig“, droht doch ir­gend­wann mal der „Spie­gel“und „Fo­cus“-Ti­tel mit Neu­ig­kei­ten zum Bur­nout. Gar nicht so leicht, bei al­len Schwie­rig­kei­ten mit Sport, Er­näh­rung und dem So­cia­li­zen – von Yo­ga ganz zu schwei­gen -, die in­ne­re Schön­heit zu be­wah­ren. Man kann sich schon et­was vom Uni­ver­sum wün­schen, so sei­ne mehr­fach über­prüf­te Er­kennt­nis. Man muss nur da­mit rech­nen, dass es sehr spät re­agiert. Al­so nur die Ru­he! (Ver­eins­heim, 11.12.)

Mit ei­ner ech­ten Sen­sa­ti­on las­sen auch UniPro­fes­sor Helmut Jung­wirth, Pri­vat-Do­zent Pe­ter Wein­ber­ger und der Stu­di­en­ab­bre­cher Mar­tin Pun­ti­gam vom Knal­l­er­trio Sci­ence Bus­ters auf­hor­chen. Die Drei ha­ben Er­staun­li­ches her­aus­ge­fun­den: „Je­sus war ein Flie­gen­pilz“. Und des­we­gen ha­ben sie auch gleich ihr neu­es, weih­nacht­lich ein­ge­färb­tes Pro­gramm so ge­nannt. Am kon­ge­nia­len Ort – auf der Mu­se­ums­in­sel und da­mit un­ter lau­ter Gscheid­ha­f­erln – prä­sen­tie­ren sie neu­es­ten, mehr oder we­ni­ger wis­sen­schaft­li­chen Er­kennt­nis­se über den Zu­cker­schock (Glüh­wein­zeit!), den Al­ko­hol­miss­brauch (di­to!) und die Grip­pe­wel­le zu den Fest­ta­gen. Au­ßer­dem wird end­lich ge­klärt, wie geil Weihrauch wirk­lich macht. (Deut­sches Mu­se­um, 20.12.)

Da­mit wä­re jetzt na­tür­lich der Rei­gen der jah­res­zeit­lich ein­ge­tunk­ten und um­ne­bel­ten Ka­ba­rett­pro­gramm ein­ge­lei­tet, aus dem vor al­lem Pa­tri­zia Mo­res­co mit ih­rem So­lo „Schlim­mer die Glo­cken nie klin­gen“her­aus­sticht. Ihr Lieb­lings­song: Last Christmas to Hell. Der süd­län­di­sche Wir­bel­wind stellt sich wie­der mal der Fra­ge, wie man Weih­nach­ten oh­ne all­zu vie­le Bles­su­ren über­lebt, wie man wich­telt bis zur Selbst­auf­ga­be und war­um manch­mal selbst das zu­vie­le Trin­ken nicht mehr hilft. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 18.12.)

End­lich auf­räu­men mit den Fa­ke News zu den Fest­ta­gen wol­len Andre­as Ag­ler, To­bi­as Gründl und Ste­fan De­la­n­off in ih­rer von neu­es­ter fo­ren­si­scher Be­weis­auf­nah­me ge­stütz­ten Tat­ort-Be­sich­ti­gung „Jes­sas, Ma­ria &

Jo­sef – ei­ne (un­glaub­li­che) Weih­nachts­ge­schich­te“. Die Drei hal­ten es für ge­bo­ten, dass die Mensch­heit end­lich die Wahr­heit über das Trei­ben im Stall von Beth­le­hem er­fährt. Da­für ha­ben sie die un­ter­schied­lichs­ten Kö­ni­ge, Prä­si­den­ten, Häupt­lin­ge, aber auch Pri­vat­per­so­nen, Freun­de, Lieb­ha­ber und Nach­fah­ren gestalkt und gründ­lich ver­hört. Und Fin­ger­ab­drü­cke wur­den na­tür­lich auch ab­ge­nom­men und ein­ge­trock­ne­te DNA-Spu­ren noch mal un­ter das Mi­kro­skop ge­legt. (Fraun­ho­fer, 7.12.)

„Vier Ker­zen für ein Hal­le­lu­ja“heißt das Weih­nachts­pro­gramm von Jess Jochim­sen: Er sträubt sich ge­gen die Völ­le­rei und den Vor­satz­stress, ge­gen die Uschigla­sie­rung der Ge­sell­schaft. Statt­des­sen setzt der Wahl-Frei­bur­ger, lan­ge Münch­ner Ka­ba­ret­tist und Au­tor, noch ein­mal auf ei­ner Wie­der­auf­füh­rung des le­gen­dä­ren „Krip­pen­spiels aus dem Jah­re 1978“. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 17.12.)

Wer jetzt schon die Na­se mit Spe­ku­la­ti­ons­brö­sel voll hat, soll­te sich da­ge­gen das schö­ne run­de, weil zehn­jäh­ri­ge Fil­ly Fol­lies-Ju­bi­lä­um gön­nen. Im­mer­hin geht es dort ja auch ums stil­vol­le Au­s­pa­cken. Bur­les­que un­term Baum! (Dreh­lei­er, 7./8.12.)

Und dann als Ge­gen­gift na­tür­lich auch noch Arnd Zeigler, Au­tor, Jour­na­list, Mo­de­ra­tor, Sta­di­on­spre­cher, Pro­du­zent und Sän­ger. Ihn zieht’s seit je­her „Da­hin wo es weh­tut“. Soll hei­ßen: in die wun­der­ba­re Welt des Fuß­balls. Und dort geht es be­kannt­lich rund. (Frei­heiz, 18.12.)

Be­herrscht den Pla­net Fuß­ball: ARND ZEIGLER

Kämpft ge­gen die Uschigla­sie­rung: JESS JOCHIM­SEN

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