Wenn der Hirsch­kä­fer wie­der zu­beißt

Gott­ste­huns­bei: Die­se Le­se­aben­de ha­ben es in sich. Nichts für un­ge­dul­di­ger Christ­kind­war­ter.

In München - - LITERATUR - Ru­pert Som­mer

Er hat’s wie­der ge­tan: Tau­send­sas­sa Mar­tin Arz, Ma­ler, Schrift­stel­ler, Mün­chen-Füh­rer, Sub­kul­tur-Ex­per­te und nicht zu­letzt selbst flei­ßig schrei­ben­der Au­tor des von ihm ge­grün­de­ten und ge­lei­te­ten Hirsch­kä­fer-Ver­lags, hat mit „Der Gott­ste­huns­bei“sei­nen neu­es­ten his­to­ri­schen Ro­man vor­ge­legt. Gar schau­rig der Schau­platz: Mün­chen schreibt das fins­te­re Jahr 1430. In ei­nem ver­reg­ne­ten Som­mer – ja, frü­her gab’s so was – er­schüt­tert ei­ne Mord­se­rie die bi­got­te Stadt. Die Op­fer ei­ner un­heim­li­chen Bes­tie wer­den re­gel­recht in der Luft zerrissen. Ei­ne har­te Nuss für Tas­si­lo Stu­ben­ruß, den ver­wöhn­ten Pa­tri­zi­er­s­ohn. Er muss sich no­lens vo­lens dem Teu­fel stel­len. (Le­se­ca­fé, Ligsalz­str. 13, 6.12.)

Ein hoch­pro­duk­ti­ver Über­zeu­gungs­tä­ter ist na­tür­lich auch C. Bernd Su­cher, der Li­te­ra­tur­freun­de und noch fer­ne mit gro­ßer Be­geis­te­rungs­kraft in den Mär­chen­gar­ten des Ge­schrie­be­nen ein­führt, in sei­ner „Su­chers Lei­den­schaf­ten“-Rei­he. Höchs­te Zeit, sich al­so auch mal gleich in „Su­chers Welt“vor­zu­wa­gen. Dar­in hat der Jour­na­list, Au­tor und Kul­tur­kri­tik-Pro­fes­sor sei­ne ge­sam­mel­ten Spa­zier­gän­ge zwi­schen zwei Buch­de­ckel ge­presst. (Li­te­ra­tur­haus Mün­chen, 9.12., 11.30 Uhr)

Er war Hit­lers Lieb­lings­ar­chi­tekt Speer, Jack Lon­dons See­wolf und na­tür­lich der Thea­ter­au­tor Drey­man im Os­car-Hit „Das Le­ben der An­de­ren“. In sei­ner sam­ti­gen Stim­me möch­te man ba­den. Ein ge­schmei­di­ger Vor­le­ser ist Se­bas­ti­an Koch selbst­ver­ständ­lich eben­falls. Und er passt ein­fach ins Grand-Ho­tel-Am­bi­en­te. Dort liest er, un­ter­stützt von Sän­ge­rin­nen des Vo­ca­lis En­sem­bles Dres­den, sei­ne liebs­ten Weih­nachts­ge­schich­ten – von Ei­chen­dorff bis Ril­ke. (Baye­ri­scher Hof, 9.12.)

Jetzt schon aufs Christ­kindl war­ten kann man na­tür­lich auch mit dem Ro­ma­nund Thea­ter­au­tor Kristof Magnus­son („Das war ich nicht“, „Män­ner­hort“), der sich von dem „Ti­ta­nic“-er­prob­ten Car­toon-Duo Hauck und Bau­er be­glei­ten lässt. Die ge­mein­schaft­li­che Ad­vents­le­sung soll dem Ver­neh­men nach sehr weih­nacht­lich, ga­ran­tiert sehr lus­tig und „sehr is­län­disch“wer­den. Man darf ge­spannt sein. (Ver­eins­heim, 9.12.)

Ja­pan mal ganz an­ders er­le­ben kann man mit dem Aben­teu­rer Tho­mas Bau­er. Er hat auf den dor­ti­gen In­seln den mit 1000 Ki­lo­me­tern äl­tes­ten und auch ab­son­der­lichs­ten Pil­ger­weg der Welt ab­sol­viert – und 88 Tem­pel be­sucht. Nun be­rich­tet er von sei­ner Sinn­su­che. (Dreh­lei­er, 10.12.)

In den schle­si­schen Ne­bel kann man sich von Hans Ple­schin­ski ent­füh­ren las­sen. Er stellt noch ein­mal den Rück­zugs­ort des No­bel­preis­trä­gers Ger­hart Haupt­mann in der ti­tel­ge­ben­den No­bel-Vil­la „Wie­sen­stein“vor. (Haus des Deut­schen Os­tens, 11.12.)

Ein Abend zum ge­nuss­vol­len Zu­hö­ren er­mög­licht die „Das Weih­nachts­ge­schenk“-Le­sung von und mit Jo­hann Strie­beck. Wer den Na­men nicht kennt? Ihn kennt man schon – und zwar als deut­sche Stim­me von Phi­lip Noiret, Do­nald Sun­der­land und ak­tu­el­ler von Cl­int East­wood, et­wa in „Gran To­ri­no“. Au­ßer­dem hat er auch schon Hör­buch­fas­sun­gen der Don­na-Leon-Ro­ma­ne ge­le­sen. Wenn das kei­ne Emp­feh­lung ist. (Kul­tur­haus Mil­berts­ho­fen, 15.12.)

Ob­wohl es bis zu den zwölf ma­gi­schen Win­ter­aben­den zwi­schen Hei­lig­abend und dem Drei­kö­nigs­tag noch ei­ne klei­ne Wei­le hin ist, kann man sich ja jetzt schon ein­stim­men las­sen: Vom Zau­ber der Rau­näch­te ist mu­si­ka­lisch-li­te­ra­ri­sche Le­sung mit Perch­ten und ei­si­gen Schnee­mäd­chen. (Dreh­lei­er, 15.12.)

Und dann wä­re da ab­schlie­ßend noch der Schau­spie­ler Fried­rich von Thun, der sei­nem Pu­bli­kum den „Ra­detz­ky­marsch“bläst. Ge­meint ist da­mit na­tür­lich der gleich­na­mi­ge Ro­man von Jo­seph Roth. Und ein al­ter k.u.k.-Char­meur ist Thun na­tür­lich auch. (Staats­bi­blio­thek, 6.12.)

Mor­det gern his­to­risch: MAR­TIN ARZ

Liebt his­to­ri­sche Au­to­ren: HANS PLE­SCHIN­SKI

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