Ei­ne sport­li­che Win­ter­rei­se Beim Un­ter­wirt in Gu­fidaun

Im Son­nen­schein

In München - - LOKALES -

Gut, es war nicht die Win­ter­rei­se, so wie man frü­he­re de­zem­ber­li­che Win­ter­rei­sen nach Süd­ti­rol noch im Ge­dächt­nis hat: mit klam­men Fin­gern den Ski­stän­der mon­tie­ren, dann im über­hitz­ten Au­to voll in den Stau am Ir­schen­berg, an­schlie­ßend ei­nen fet­ten Straf­zet­tel auf der Inn­tal­au­to­bahn kas­sie­ren, über den man dann im Stau vorm Bren­ner in al­ler Ru­he nach­den­ken konn­te, ehe man für den ers­ten gu­ten Au­to­bahnEs­pres­so an­hielt und sich trotz al­le­dem wie­der freu­te – über die ehr­furchts­vol­le Berg­welt rund­her­um, hoch, still, er­ha­ben und schnee­be­deckt. Und dies­mal: kein Stau, kein Straf­zet­tel, aber auch kein Schnee weit und breit, auch nicht ganz oben. Im­mer­hin sind we­nigs­tens die Ber­ge noch da – schließ­lich denkt man ja po­si­tiv, was sonst. Das Wet­ter ist ein­fach nur herr­lich, Son­nen­schein oh­ne En­de, die Bren­ner­au­to­bahn ist bis auf ein paar wie üb­lich wild­schlen­kern­de hol­län­di­sche Ca­ra­van-Spe­zia­lis­ten prak­tisch frei be­fahr­bar und ehr­lich ge­sagt: Ski ha­ben wir so­wie­so kei­ne da­bei, für was auch? Nach Gu­fidaun soll es ge­hen, in ein klei­nes 500-See­len-Dorf, gleich bei Klau­sen, zwei Ta­ge der Er­ho­lung und Ent­span­nung, Kurz­ur­laub wür­de es der Hek­ti­ker wohl nen­nen. Sohn und Schwie­ger­toch­ter über­ge­ben. Ein fei­nes Re­stau­rant ha­ben die bei­den dar­aus ge­macht, die Kü­che mo­der­ni­siert, den Kom­fort er­höht, aber die tra­di­tio­nel­len Zir­bel­holz­stu­ben mit den Ge­müt­lich­keit pur aus­strah­len­den Ka­chel­öfen er­hal­ten – da knis­tert die Ro­man­tik, dass es nur so schep­pert. Von Con­nie Ha­sel­wan­ter, Che­fin des Hau­ses hauch­dünn auf­ge­schnit­te­nen Nuss­brot, def­ti­gem Anis­brot und na­tür­lich dem ty­pisch Süd­ti­ro­ler Schüt­tel­brot, da­zu ge­sal­ze­ne Bau­ern­but­ter. Da­zu über­rasch­te uns ein äu­ßerst fei­ner, hier in der Berg­welt nicht un­be­dingt zu er­war­ten­der Mee­res­früch­te-Sa­lat als Gruß aus der Kü­che. Die Me­nüs mit der an­spre­chen­den und krea­ti­ven Mi­schung aus re­gio­nal und bo­den­stän­dig, tra­di­tio­nell und mo­dern, ita­lie­nisch und süd­ti­ro­le­risch wie zum Bei­spiel Sau­er­kraut-La­sa­gnet­ta mit Selch­fleisch und Schüt­tel­brot oder Risot­to mit Cros­ny (Knol­lenziest) und Wach­tel las­sen ei­nem schon beim Le­sen das Was­ser im Mund zu­sam­men­lau­fen. Wir star­ten mit ei­nem Kalbs-Car­pac­cio, das mit ro­hen, fein ge­schnit­te­nen Ar­ti­scho­cken, leicht säu­er­lich ein­ge­leg­ten, kna­cki­gen Pfif­fer­lin­gen und gut ge­reif­ten, hauch­dün­nen Par­me­san-Spä­nen be­streut wun­der­ba­rer Qua­li­tät sehr ge­konnt, rich­tig auf­wen­dig und mit viel Kön­nen ver­ar­bei­tet, son­dern auch die sonst häu­fig so la­pi­da­ren „Bei­la­gen“mit der glei­chen Lie­be zum Pro­dukt her­ge­stellt. Das ist eben der Un­ter­schied zu vie­len an­de­ren Gas­tro­no­mie­be­trie­ben – und so ha­ben wir hier hoch über dem Ei­sack­tal un­ser „Bes­tes Es­sen 2015“ge­nie­ßen dür­fen! Zum sport­li­chen Aus­gleich sind wir dann an den zwei Nach­mit­ta­gen auf ge­fühlt min­des­tens drei Weih­nachts­märk­ten ge­we­sen, ha­ben die wil­den Kut­scher von Bri­xen be­wun­dert, die un­ter ih­re Pfer­de­schlit­ten­ku­fen ein­fach Rä­der mon­tiert ha­ben und in den en­gen Gas­sen wüst flu­chend falsch par­ken­de Rent­ner ver­scheuch­ten. Ha­ben Un­men­gen von „Wur­zen“al­ler Art und feins­ten Speck ge­kauft, ha­ben uns die­bisch ge­freut über den ita­lie­ni­schen Müll­tren­nungs­wahn­sinn, der uns dies­mal Gott sei Dank nicht be­trof­fen hat. Ha­ben zwei­mal ein reich­li­ches Früh­stück mit lo­cke­rer Eier­speis, al­ler­feins­tem

... auch oh­ne Schnee

... höchs­te Ge­müt­lich­keit ...

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