Roland Barthes

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

Der Eif­fel­turm

(Suhr­kamp)

Als der Eif­fel­turm zur Hun­dert­jahr­fei­er der Fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­on er­öff­net wur­de, hiel­ten vie­le ihn für den Gr­ab­stein der Gran­de Na­ti­on. Statt­des­sen wur­de die „nutz­lo­se Scheuß­lich­keit“bin­nen Kür­ze zu ei­nem Sym­bol, das die gan­ze Welt mit Pa­ris ver­bin­det. Ei­ne zehn­tel Se­kun­de Eif­fel­turm-Ein­blen­dung ge­nügt, um dem Film­pu­bli­kum klar zu ma­chen, wo die fol­gen­den Sze­nen spie­len. In sei­nem Es­say von 1964 (dt. 1970) zer­legt der Phi­lo­soph Roland Barthes die­ses „to­ta­le Denk­mal in sei­ne sym­bo­li­schen Be­stand­tei­le und setzt es neu zu­sam­men wie ein se­man­ti­scher Ku­bist. Mit dem Eif­fel­turm schuf sein Kon­struk­teur Gus­ta­ve Eif­fel, der zeit­le­bens Brü­cken ent­warf, „ei­ne letz­te un­ge­wöhn­li­che, ei­ne auf­recht ste­hen­de Brü­cke. Ei­ne Brü­cke zwi­schen der Er­de, der Stadt, und dem Him­mel als künf­tig vom Men­schen er­schlos­se­nen Raum. Gera­de sei­ne Funk­ti­ons­lo­sig­keit, die in­halt­li­che Lee­re ma­chen den Eif­fel­turm zu ei­ner per­fek­ten Pro­jek­ti­ons­flä­che. Barthes’ be­bil­der­ter 60-Sei­ten-Es­say hebt die Ge­dan­ken in luf­ti­ge Hö­hen und lässt sie dort schwei­fen und die Welt le­sen. Ein be­schwin­gen­der phi­lo­so­phi­scher Pan­ora­ma­blick.

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