Ge­bro­che­ne Me­lo­di­en

Mu­sik, die mit­ten ins Herz trifft

In München - - CONCERTS -

Gan­ze drei Jah­re hat es ge­dau­ert und es war gar nicht si­cher, ob über­haupt noch ein neu­es Al­bum von Mono & Ni­kita­man er­schei­nen wird. Aber 2015 war es dann so­weit, die bei­den ha­ben ei­ne neue Plat­te mit dem Ti­tel „Im Rauch der Ben­ga­len“ver­öf­fent­licht und kom­men nun vor­bei, um das Werk li­ve vor­zu­stel­len. Nach jah­re­lan­ger Dau­er­ro­ta­ti­on zwi­schen Al­bum, Tour, Al­bum und Tour kam 2012 die lo­gi­sche Kon­se­quenz: Ei­ne Aus­zeit von der Mu­sik. Zu­erst dach­te das Duo erst mal gar nicht mehr ans Songs schrei­ben, aber schon ein Jahr spä­ter stan­den die bei­den wie­der ge­mein­sam im Stu­dio und pro­du­zier­ten drauf­los. Da­durch, dass sie sich al­le Zeit der Welt ge­gönnt ha­ben, sei et­was Neu­es ent­stan­den, mei­nen die Reg­gae-Fol­ker, sie ar­bei­te­ten auch mit neu­en Mu­si­kern zu­sam­men und grün­de­ten ihr ei­ge­nes La­bel. (9.1. Back­s­tage)

Wie die Span­nung zwi­schen zwei sehr un­ter­schied­li­chen Län­dern auf mu­si­ka­li­sche Wei­se ge­nutzt wer­den kann, zeigt das grie­chisch-deut­sche Mu­sik­erehe­paar Ele­ni Za­firia­dou und Da­ni­el Ben­ja­min von SEA + AIR. Auf dem zwei­ten Al­bum „EVROPI“ver­we­ben die bei­den Mul­ti­in­stru­men­ta­lis­ten Ein­drü­cke ih­rer meh­re­re Jah­re dau­ern­den Tour durch 22 Län­der mit der fast hun­dert­jäh­ri­gen Fa­mi­li­en­ge­schich­te Ele­nis. Bei­de Mu­si­ker spie­len bis zu fünf In­stru­men­te gleich­zei­tig, wo­durch der or­ches­tra­le Klang ih­res Al­bums auf er­staun­li­che Wei­se re­pro­du­ziert wird. Und auch der Sup­por­tAct Al­lie sorg­te be­reits für Pres­seHym­nen: „In ei­ner ei­gen­tüm­li­chen Me­lan­ge aus ro­bo­ti­schen Ar­ran­ge­ments und dy­na­mi­scher Akus­tik, ir­gend­wo zwi­schen un­heim­li­cher Be­droh­lich­keit und war­mer In­ti­mi­tät, bringt der Ber­li­ner Klang­künst­ler das Ge­gen­tei­li­ge zu­sam­men und trägt Emo­tio­na­li­tät in die küh­le Welt der Elek­tro­nik.“Na dann, nichts wie hin. (10.1. Mil­la)

Die bei­den Frau­en Ka­tie Mon­ks und Liz Ball aus To­ron­to ken­nen sich seit der High School und tei­len ne­ben der Lei­den­schaft für die Mu­sik der Pi­xies auch den Schmerz und Frei­geist von Jungs wie Kurt Co­bain oder Pe­ter Doh­er­ty. Ball und Mon­ks ha­ben sich das Gi­tar­ren­spie­len bei­ge­bracht und kur­zer­hand ih­re ei­ge­ne Band ge­grün­det: Dil­ly Dal­ly. Auf „So­re“, dem De­büt­al­bum der Ka­na­die­rin­nen, die von Jim­my To­ny am Bass und Ben­ja­min Rein­hartz an den Drums un­ter­stützt wer­den, sind An­klän­ge an So­nic Youth, Yeah Yeah Yeahs, The Di­stil­lers und so­gar The Po­gues zu hö­ren, li­ve si­cher ein Rie­sen­spaß. Ach so: Die Tex­te dre­hen sich um Sex, Mens­trua­ti­on und ge­bro­che­nen Her­zen. (12.1. Mil­la)

A Tribe Cal­led Knarf: Das Ham­bur­ger Uni­kat Knarf Rel­löm er­wei­ter­te im Ver­lauf sei­ner bei­nah 25jäh­ri­gen Mu­si­ker­kar­rie­re das Ana­gramm sei­nes bür­ger­li­chen Na­mens zu wohl­klin­gen­den Wort­schöp­fun­gen wie „Knarf Rel­löm with the Shi Sha Shel­löm“, „Knarf Rel­löm Trini­ty“oder „La­dies Lo­ve Knarf Rel­löm“. In der­art selbst­iro­ni­scher, neo­da­da­is­tisch an­mu­ten­der Ma­nier wer­den hier Ro­ckund Pop­kli­schees aufs Korn ge­nom­men und ganz ne­ben­bei klu­ge Tex­te in „an­griffs­lus­ti­ge tanz­ba­re Kri­tik“ver­packt. Das klingt doch nach ei­nem un­ter­halt­sa­men Abend. (13.1. Un­ter Deck)

Mar­tin Gal­lop ist Song­wri­ter, Pro­du­zent und Per­for­mer, da­zu Ro­man­ti­ker und ein selbst­er­nann­ter „tra­vel­ling Sa­les­man“. Auf der Su­che nach „ei­ner Art Er­leuch­tung!“kam der Ka­na­di­er 1983 das ers­te Mal nach Deutsch­land und blieb, um „die deut­sche Mu­sik­land­schaft zu in­fil­trie­ren“. Das ge­schah mit Künst­lern wie Lin­den­berg und An­nett Loui­san. Ne­ben sei­nen Ar­bei­ten mit und für an­de­re ist Mar­tin Gal­lop auch ein So­lo­künst­ler. Sei­ne Shows sind ei­ne Mi­schung aus Songs sei­ner drei ei­ge­nen Al­ben, Ge­schich­ten rund um die­se Ti­tel und ei­ne „Kun­st­in­stal­la­ti­on“. Mit zwei al­ten Gram­mo­pho­nen, ei­nem Gar­ten­schlauch und ei­ni­gen an­de­ren ku­rio­sen Ge­gen­stän­den bie­ten die Kon­zer­te Un­ter­hal­tung für Herz und Kopf. (14.1. Mil­la)

Der lei­den­schaft­li­che Bart­trä­ger Ben Ca­plan schafft den un­glaub­li­chen Spa­gat zwi­schen Tom Jo­nes und Tom Waits. Er flüs­tert und schreit, macht grund­sätz­lich kei­ne Ge­fan­ge­nen auf der Büh­ne. Vie­le hal­ten ihn viel­leicht für ver­rückt, aber das ist doch eh je­der lei­den­schaft­li­che Künst­ler. Sei­ne ge­bro­che­nen Me­lo­di­en boh­ren sich da­für di­rekt ins Herz sei­ner Zu­hö­rer und las­sen nie­man­den un­be­rührt. So­eben er­schien sein neu­es Al­bum „Birds With Bro­ken Wings“, das Ben Ca­plan auf dem Co­ver wie im klas­si­schen Ge­mäl­de in Fer­ne bli­ckend zeigt. Ent­rück­te Poe­sie, wie sie Herr Ca­plan auch zu ge­nie­ßen weiß. Nun kommt er als Ben Ca­plan & The Ca­su­al Smo­kers auf der „Bird With Bro­ken Wings“-Tour vor­bei, Sup­port ist John Al­len. (17.1. Am­pe­re)

Lil­ly Among Clouds nennt sich ei­ne Würz­bur­ger Sän­ge­rin, ih­re Stim­me ent­führt in ei­ne Fan­ta­sy-Welt von schwe­ren Ge­dan­ken und me­lan­cho­li­schen Me­lo­di­en. Aber be­vor die­se Stim­mun­gen zu düs­ter wer­den, ge­sel­len sich Dub­step-Beats zur Dun­kel­heit und brin­gen ein et­was Licht in die Mu­sik. Das klingt ein biss­chen wie bei Dil­lon, auch stimm­li­che Ver­glei­che mit Norah Jo­nes, Ala­nis Mo­ri­set­te und

Ri­han­na sind schon ge­fal­len, al­les rich­tig und stimmt doch nicht. Mit ih­rem Pro­du­zen­ten Udo Rin­klin hat sie nun ein Al­bum ein­ge­spielt, der Herr war be­reits für Ton­band­ge­rät und Philipp Poi­sel tä­tig. (19.1. Un­ter Deck)

Vom fei­nen, klei­nen Münch­ner La­bel Gut Fee­ling Re­cor­ds gibt es wie­der Neu­ig­kei­ten: Fred Ras­pail, der dir­ty french folks­in­ger, der als One-ManShow mit Gi­tar­re, Lo­op­ma­schi­ne, Harp und sehr viel fran­zö­si­schem Charme sein Pu­bli­kum be­geis­tert, hat zu­sam­men mit g.rag / ze­lig im­plo­si­on ei­ne wun­der­ba­re neue 10inch Vi­nyl ein­ge­spielt, dar­auf ist auch der Hit „La Grap­pa Du Dia­ble“zu hö­ren. Das klingt wie ei­ne se­xy Mi­schung aus Pi­xies und Plas­tic Bertrand und wird si­cher ei­ner der ers­ten Münch­ner Par­ty­hits für 2016. Das Gan­ze ist auch das neu­es­te Pro­jekt von Andre­as “G.Rag” Staeb­ler, der mit sei­nen Bands Land­lerg­schwis­ter, Her­ma­nos Pat­che­kos und Dos Her­ma­nos be­reits Fu­ro­re mach­te. Ge­heim­tipp, bit­te nicht ver­pas­sen! (20.1. Un­ter Deck)

Wie ein Groß­teil der Mu­sik von Frank Tur­ner, be­schäf­tigt sich auch das neue Al­bum „Po­si­ti­ve Songs For Ne­ga­ti­ve People“mit den gro­ßen The­men des Le­bens und ver­packt sie in ver­schach­tel­te Skiz­zen und kraft­vol­le Hym­nen. Ins­ge­samt spie­gelt das Werk den Weg wi­der, den Frank Tur­ner in den letz­ten 10 Jah­ren hin­ter sich ge­bracht hat. Er hat sich In­seln ge­schaf­fen und da­bei star­ke Be­zie­hun­gen auf­ge­baut. Das Al­bum zeigt Tur­ners nach­denk­li­che so­wie über­schwäng­li­che Sei­te, es zeugt von der Punk-Ver­gan­gen­heit eben­so wie von sei­ner Sin­ger/Song­wri­ter-Qua­li­tät. Wie gut Frank Tur­ner li­ve ist, da­von soll­te man sich selbst über­zeu­gen. (21.1. Ton­hal­le)

Seit 1995 gibt es Pel­zig be­reits, von der Öf­fent­lich­keit wur­de die Band oft als Ne­ben­pro­jekt von Slut miss­ver­stan­den, was an­ge­sichts der Per­so­nal­über­schnei­dung wohl nicht zu ver­mei­den ist. Doch die Band ist ei­gen­stän­dig mit be­reits vier Al­ben ih­ren Weg ge­gan­gen. Elf Jah­re sind seit der letz­ten Plat­te ver­stri­chen, doch 2015 wur­de wie­der an neu­en Songs ge­ar­bei­tet, die man nun un­ter dem Ti­tel „Me­di­um Cool World“ver­öf­fent­lich­te. Das Al­bum ist ein De­stil­lat aus über ei­nem Jahr­zehnt ver­schie­de­ner mu­si­ka­li­scher Ein­flüs­se, wech­seln­der Le­ben­sor­te, Glück­li­chem und Ge­schei­ter­tem. Die Pro­duk­ti­on über­nahm Gi­tar­rist Rai­ner Schal­ler, für den Mix konn­te man Oli Zülch (The Not­wist, MS John So­da, Slut, Die Ärz­te, Sport­freun­de Stil­ler etc.) ge­win­nen. Sup­port: KLEZ.E (21.1. Mil­la)

Me­lan­cho­li­sche Fan­ta­si­en: LIL­LY AMONG CLOUDS

Lei­den­schaft­li­cher Bart­trä­ger: BEN CA­PLAN

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