Auf die Wei­ber – zack, zack, zack!

In München - - MEINE PLATTE - Wei­he­rer

Wenn ich für die Ru­brik „Mei­ne Plat­te“schrei­ben darf – und es da­bei nicht um stark fort­ge­schrit­te­nen Haar­aus­fall geht – soll­te ich doch ge­fäl­ligst auch über mei­ne Plat­te, re­spek­ti­ve Plat­ten (im­mer­hin sie­ben an der Zahl hab ich mitt­ler­wei­le ver­öf­fent­licht), schrei­ben. Das je­den­falls ra­ten mir di­ver­se Leu­te vom Fach. Und es stimmt na­tür­lich, vor we­ni­gen Wo­chen er­schien – und dar­über könn­te ich nun aus­führ­lich be­rich­ten – mein ers­tes Al­bum mit Band: „Wei­he­rer und die Do­brindts – Best of grea­test Hits“. Der Ti­tel ist, so sa­gen mir die­se di­ver­sen Leu­te vom Fach, si­cher­lich leicht un­ter­trie­ben, das Al­bum de­fi­ni­tiv saustark und ih­rer be­schei­de­nen Mei­nung nach ei­ne der bes­ten baye­ri­schen Pro­duk­tio­nen der letz­ten Jah­re. Ich möch­te das we­der kom­men­tie­ren, noch will ich den ge­neig­ten Le­ser da­zu nö­ti­gen, das Al­bum zu kau­fen und mir so­mit zu un­er­mess­li­chem Ruhm und Reich­tum zu ver­hel­fen. Schön wä­re das zwar schon, aber letzt­end­lich kann, darf und soll je­der ma­chen, was er will. Und sie auch. Apro­pos sie: Ich möch­te hier al­so nicht über „mei­ne Plat­ten“schrei­ben. Oder ir­gend­wie schon, aber eben nicht über mei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen. Denn das ge­hört sich ein­fach nicht. Dar­über dür­fen und sol­len ger­ne an­de­re re­fe­rie­ren. Das wä­re sonst fast so, als wenn ich mei­ne ei­ge­nen FanS­hirts auf der Büh­ne tra­gen wür­de. Nein, nicht mit mir! Ich möch­te euch hier Plat­ten aus mei­nem Plat­ten­schrank (klingt ein­fach bes­ser als CD-Re­gal oder Play­list auf dem Han­dy – und Han­dy klingt ein­fach bes­ser als Smart­pho­ne, aber las­sen wir das) vor­stel­len. Und, um auf „apro­pos sie“zu­rück­zu­kom­men, es geht hier aus­schließ­lich um weib­li­che Run­dun­gen bzw. Rund­lin­ge. Das fin­de ich ei­ne groß­ar­ti­ge Idee, zu­mal ich rein bio­lo­gisch be­dingt Frau­en oh­ne­hin sehr in­spi­rie­rend fin­de. Und da­mit jetzt kein Neid und kei­ne Ei­fer­sucht auf­kom­men: Ich hab selbst­ver­ständ­lich noch mehr „weib­li­che Pro­duk­tio­nen“bei mir im Schrank und ein­fach – pas­send zu mei­nen sie­ben ei­ge­nen CDVer­öf­fent­li­chun­gen – die sie­ben erst­bes­ten raus­ge­kramt, die mir in die Fin­ger ka­men. So mach ich das mit der Da­men­welt im All­ge­mei­nen eher nicht, kei­ne Sor­ge, aber so gut be­zahlt wer­de ich für die­sen Ar­ti­kel auch wie­der nicht. Au­ßer­dem wird die­ses Ma­ga­zin gra­tis ver­teilt und so­mit dür­fen sich die Le­se­rIn­nen auch kei­ne all­zu ho­he Qua­li­tät oder gar tief­grün­di­ge Re­cher­che er­war­ten. Ir­gend­wie muss der „Preis“schließ­lich ge­recht­fer­tigt sein. Al­so mei­ne Da­men, brin­gen wir's hin­ter uns ...

Ei­ne mei­ner ab­so­lu­ten Lieb­lings-Frau­en-CDs der letz­ten Jah­re kommt aus Ös­ter­reich. Das selbst­be­ti­tel­te Al­bum von Kid­cat Lo-fi er­schien 2013 beim Wie­ner In­die-La­bel Pro­blem­bär Re­cor­ds, be­kannt u.a. für groß­ar­ti­ge Ver­öf­fent­li­chun­gen von „Der Ni­no aus Wi­en“so­wie das Er­folgs­al­bum „Amo­re“der mitt­ler­wei­le all­seits be­kann­ten Band „Wan­da“. Ei­ne hal­be St­un­de (An­ti-)Folk vol­ler Lo­ve, Ha­te und Rock’n’Roll. Nicht un­be­dingt mas­sen­taug­lich, und gera­de des­halb so wun­der­schön. „New Ye­ar Sa­me Shit“, ver­mut­lich auch jetzt zum neu­en Jahr ei­ne pas­sen­de Hym­ne. Sehr emp­feh­lens­wert auch: „I konn ned oi­wei“, Kid­cat Lo-fi co­vert Wei­he­rer. Zu se­hen auf YouTu­be. Re­spekt!

Und was geht bei uns so? Zu ei­ner mei­ner Lieb­lings-Lie­der­ma­che­rin­nen hier­zu­lan­de hat sich mitt­ler­wei­le Mai­ke Ro­sa Vo­gel ent­wi­ckelt. Ent­deckt hab ich sie im Vor­pro­gramm von Ele­ment of Cri­me. Kein Zu­fall, schließ­lich hat Sven Re­ge­ner ihr 2011er Al­bum Un­voll­kom­men (so­wie auch die fol­gen­den bei­den Al­ben) pro­du­ziert. Tief­grün­di­ge, sehr per­sön­li­che Tex­te und ein­gän­gi­ge, aber nicht un­be­dingt ein­fa­che Me­lo­di­en. Oder wie es Plat­ten­tests.de so tref­fend for­mu­liert: Songs für Vie­le, oh­ne Main­stream zu sein. So ist das. Kei­ne kit­schi­ge Hei­le-Welt-Ro­man­tik, son­dern ganz rea­lis­tisch auch mal „Weh-Tun-Dür­fen“. Trot­zi­ger Ge­sang, schnar­ren­de Gi­tar­re und Ide­en und For­mu­lie­run­gen, die im­mer wie­der über­ra­schen.

Prei­se und Wer­tun­gen will ich hier zwar nicht ver­ge­ben, aber tat­säch­lich, mein Top-Fa­vo­rit der deutsch­spra­chi­gen Lie­der­ma­che­rin­nen ist die Ham­bur­ge­rin Ja­ni­na. Nicht nur, weil sie seit mehr als zehn Jah­ren ei­ne mei­ner bes­ten Freun­din­nen ist und uns je­de Men­ge Er­leb­nis­se auf Tour und aus­ufern­de Näch­te (mit nicht mehr ganz nach­voll­zieh­ba­ren Er­eig­nis­sen) mit­ein­an­der ver­bin­den. Zwar hat sie laut ei­ge­ner Aus­kunft oft­mals kei­nen Plan und kann nie und nim­mer nein sa­gen, schreibt sich aber mit Lie­dern wie „Al­lein-Sein-Al­lee“oder „War­um reimt sich“ganz tief in mein Herz hin­ein. Ih­re mal ro­cki­ge, mal brü­chig-ver­letz­li­che Stim­me und ih­re teils mi­ni­ma­lis­ti­sche (und des­halb um­so durch­drin­gen­de­re) Gi­tar­ren­be­glei­tung, der pu­re Wahn­sinn! Bis zum Er­schei­nen des neu­en Al­bums – Aus­schnit­te da­von durf­te ich be­reits hö­ren und ich freu mich sau­mä­ßig drauf – emp­feh­le ich das 2004er Meis­ter­werk 1 2 3.

Blei­ben wir per­sön­lich. Zu­ge­ge­ben nicht ganz so zu­fäl­lig aus dem Plat­ten­schrank ge­grif­fen hab ich das neue Al­bum von Ka­rin Rab­hansl, die tat­säch­lich mit zwei­tem Vor­na­men so heißt wie ih­re CD: An­na. Sehr prak­tisch! Die­se soll­tet ihr euch bit­te­schön un­be­dingt zu­le­gen. Ich hab näm­lich et­was gut­zu­ma­chen. Vor zwei Mo­na­ten auf ei­ner klei­nen ge­mein­sa­men Deutsch­land-Tour hab ich just in Köln auf

der Büh­ne Ka­rins na­gel­neue Gi­tar­re um­ge­wor­fen. Nicht ganz ab­sicht­lich zwar und man möch­te mei­nen, ge­nau das wä­re Rock’n’Roll, den­noch „zie­ren“seit­dem ein paar tie­fe Krat­zer die Gi­tar­re, die jetzt drin­gend ei­ner Re­pa­ra­tur be­darf. Ganz im Ge­gen­satz zu Ka­rin selbst üb­ri­gens, die auf die­sen Stu­dio­auf­nah­men so frisch klingt, wie nie zu­vor. Al­so, ent­we­der ihr kon­su­miert, oder ich muss mei­ne Haft­pflicht be­mü­hen. Das Al­bum lohnt sich in je­dem Fall, die Songs wie ge­wohnt baye­risch oder hoch­deutsch und u.a. mit Ste­fan Dettl und Mar­tin Käl­be­rer mit groß­ar­ti­gen Gast­mu­si­kern.

Im Kopf­re­gal von Cyn­thia Nick­schas, ei­ner jun­gen auf­stre­ben­den Lie­der­ma­che­rin, be­fin­det sich so Al­ler­hand: Je­de Men­ge Ge­dan­ken­sa­lat, Lie­der mit Ni­veau, aber auch Gold, das oh­ne Licht ums Ver­re­cken nicht glänzt. Ge­för­dert von Lie­der­ma­cher-Groß­meis­ter Kon­stan­tin We­cker, auf des­sen ak­tu­el­ler CD und Tour­nee „Oh­ne War­um“Cyn­thia Nick­schas auch zur Band ge­hört, ver­brei­tet sie in ih­ren mit­rei­ßen­den Songs die Bot­schaft von Lie­be und selbst­be­stimm­tem, po­si­ti­vem Den­ken. Mag sein, dass das Al­bum für ein Erst­lings­werk et­was zu glatt pro­du­ziert ist (ich per­sön­lich ver­mis­se ein paar mehr Ecken und Kan­ten), aber wenn das das ein­zi­ge ist, was ich dar­an aus­zu­set­zen ha­be, fuck off! Von ihr wird man je­den­falls noch ei­ni­ges zu hö­ren be­kom­men.

Das nächs­te mu­si­ka­li­sche Pracht­weib hat es end­lich ge­tan und nach län­ge­rer An­kün­di­gung ei­ne rei­ne Lie­der-Plat­te auf­ge­nom­men. Martina Schwarz­mann, Lie­der und Ge­dich­te zum Ein­schla­fen und vom Wach­sein. Ei­ni­ge da­von durf­te ich im­mer schon beim Sound­check ge­nie­ßen (un­ver­ges­sen mei­ne di­ver­sen Auf­trit­te als ihr „Prak­ti­kant“). Zur Ab­wechs­lung mal ein paar ernst­haf­te­re Ge­dan­ken der Ka­ba­ret­tis­tin, wun­der­schön und mit hell­wa­chem Geist, je­doch mit so ru­hi­ger, sanf­ter Stim­me vor­ge­tra­gen, dass sie wirk­lich zum Ein­schla­fen ge­eig­net wä­ren. Wär al­ler­dings scha­de drum.

Wenn wir schon bei Pracht­wei­bern sind – und ich hö­re auf, wie ich be­gon­nen ha­be, mit An­ti­folk – soll­te ich die ein­zig­ar­ti­ge Ki­mya Dawson nicht au­ßen vor las­sen. Einst sang sie zu­sam­men mit Adam Gre­en bei den Mol­dy Pe­aches, aber ich blei­be weib­lich und möch­te ihr So­lo-Al­bum Re­mem­ber That I Lo­ve You lo­ben. Spär­lich bis un­ge­wöhn­lich in­stru­men­tiert und mit mo­no­ton-lieb­li­cher Stim­me vor­ge­tra­gen. Ge­ra­de­zu wohl­tu­end un­per­fekt per­form­te Songs. Und mit „Ti­re Swing“wird uns so­gar ein Ka­non be­schert. Hört man schließ­lich auch nicht al­le Ta­ge. Herr­gott, die­se Weibs­bil­der! Der Au­tor, sei­nes Zei­chens nie­der­baye­ri­scher Lie­der­ma­cher und Qu­er­den­ker, kon­zer­tiert am 13. Ja­nu­ar mit sei­ner Ka­pel­le „Wei­he­rer und die Do­brindts“in der Mil­la.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.