Heinz Strunk

In München - - LITERATUR -

Der gol­de­ne Hand­schuh

(Ro­wohlt)

„Ob jung, ob alt, reich oder arm: bei uns seid ihr al­le will­kom­men!“–So steht’s auf der Home­page des Hand­schuhs von Her­bert Nürnberg, Ex-Bo­xer und Kiez­knei­pen­wirt. Heinz Strunk, Stamm­gast und Ham­bur­ger Au­tor, Mu­si­ker und Ko­mö­di­ant, hat die­ser be­rühmt-be­rüch­tig­ten Vor­höl­le mit Zapf­hahn nun ein li­te­ra­ri­sches Denk­mal ge­setzt, eng ver­bun­den mit der Ge­schich­te ei­nes an­de­ren Stamm­gas­tes: Fritz Hon­ka hat im Hand­schuh wie auch im Elb­schloss­kel­ler ge­gen­über zwi­schen 1970 und 1975 vier äl­te­re Stadt­strei­che­rin­nen und Ge­le­gen­heits­pro­sti­tu­ier­te aus dem Trin­ker­mi­lieu auf­ge­ris­sen und sie in sei­ner Woh­nung er­mor­det, zer­stü­ckelt und die Lei­chen­tei­le in Al­to­na ver­steckt. Strunk ge­lingt es auf ein­dring­li­che Wei­se So­zio­top und Mi­lieu der „Ver­schim­mel­ten“und an­de­rer Ge­stal­ten her­auf­zu­be­schwö­ren –von Ni­ko­tin, Al­ko­hol und Krank­hei­ten zer­fres­se­ne le­ben­de Lei­chen, man hat förm- lich ih­re sau­ren Aus­düns­tun­gen und den Ge­ruch von Fä­ka­li­en in der Na­se, im­mer über­tönt von Korn, Bier und Ge­walt, viel Ge­walt. Wer die Fotos des schwe­di­schen Fo­to­gra­fen An­ders Pe­ter­sen aus sei­nem be­rühm­ten Band „Ca­fé Lehmitz“(da­mals ein ähn­li­ches Eta­blis­se­ment auf der Ree­per­bahn) kennt, kann sich ein Bild ma­chen. Sel­ten wur­de so wuch­tig und bru­tal ge­schrie­ben hier­zu­lan­de, wenn über­haupt sind die deut­lichs­ten Pas­sa­gen noch am ehes­ten mit der mit­rei­ßen­den und eben­falls schwer er­träg­li­chen „Whi­te Trash“-Literatur ei­nes Do­nald Ray Pol­lock („Kno­ckem­stiff“) zu ver­glei­chen. Lei­der kon­tras­tiert Strunk mit ei­nem et­was sim­plen Ent­wurf ei­ner ver­dor­be­nen Ham­bur­ger Ree­der­sFa­mi­lie sei­ne Ge­schich­te Hon­kas: ob arm oder reich – ihr seid al­le gleich.

Heinz Strunk liest am 20.4. in den Kam­mer­spie­len

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