Re­gio­na­le Film- und Bier­ge­schich­ten

Vi­deokunst, Braue­reikunst und Hin­ter­fra­gungs­kunst

In München - - AUSSTELLUNGEN - Münch­ner Stadt­mu­se­um Jü­di­sche Mu­se­um Samm­lung Goetz Bar­ba­ra Tei­chel­mann

Vi­deokunst ist ja nicht mehr weg­zu­den­ken aus dem Kunst­be­trieb. Selbst in Mün­chen hat sich der Film ein biss­chen durch­set­zen kön­nen, auch weil die Samm­lung Goetz das Haus der Kunst re­gel­mä­ßig mit ih­ren Schät­zen be­stückt. 2013 kam dann das Film­kunst­fes­ti­val „Ki­no der Kunst“da­zu, das al­le zwei Jah­re statt­fin­det und uns 2017 wie­der be­glü­cken wird. Und jetzt geht es wei­ter – mit dem Fes­ti­val der Vi­deokunst (9. bis 24. April). An 12 Ta­gen wer­den in dem Aus­stel­lungs­raum hal­le50 des Städ­ti­schen Ate­lier­hau­ses am Do­mag­kpark über 100 Fil­me von über 70 Künst­lern ge­zeigt. In 13 ver­schie­de­nen Pro­gram­men, die je­weils Spiel­film­län­ge ha­ben, wird Vi­deokunst in und aus Mün­chen von ih­ren An­fän­gen in den 70er Jah­ren bis in die Ge­gen­wart ab­ge­bil­det. Qua­si ein fort­lau­fen­der Vi­deokunst-Ge­schichts­kurs. Je­der Film für sich ge­nom­men er­zählt ei­ne Ge­schich­te, und al­le zu­sam­men er­zäh­len die Ge­schich­te der Vi­deokunst in Mün­chen. Das ist schon ziem­lich toll, ein re­gio­na­les Vi­deo­kunst­fes­ti­val in­klu­si­ve Rück­blick. Von der ers­ten Vi­deo­ga­le­rie B.O.A. (ge­gr. 1974) und der Pro­du­zen­ten­ga­le­rie „Ga­le­rie U5“(1980-1990) im Münch­ner Wes­tend über die da­ma­li­gen Zeit­ge­nos­sen aus Köln, BRD, Pa­ris oder Tu­rin, wie sie in der „Ga­le­rie U5“oder der „Black Box“ge­zeigt wur­den, bis hin zu den heu­ti­gen Pro­duk­tio­nen von Aka­de­mie­ab­sol­ven­ten. Oder wie es be­geis­tert in der An­kün­di­gung heißt: „... ein ein­zig­ar­ti­ges Er­eig­nis, das es in die­ser Form in Mün­chen noch nicht ge­ge­ben hat.“Auf je­den Fall gibt es viel zu se­hen und auch ein biss­chen was zu ler­nen. Wie hat es an­ge­fan­gen und war­um? Was hat Film da­mals be­deu­tet und was heute? An­lass für das Fes­ti­val ist das 30+ Ju­bi­lä­um der Münch­ner Künst­ler­grup­pe „Ex-Neue-Hei­mat“, das An­fang die­sen Jah­res in der Neu­en Ga­le­rie Lands­hut sei­nen Auf­takt hat­te. Und so ist es nur lo­gisch, dass das Fes­ti­val ei­ne Aus­wahl von Vi­deo­in­stal­la­tio­nen und Vi­deo­skulp­tu­ren von Mit­glie­dern der Grup­pe aus den 80er Jah­ren zei­gen wird. Als Pro­gramm­heft zum Fes­ti­val er­scheint die Nr. 40 des Künst­ler­ma­ga­zins „so-vie­le. de“, das sich dies­mal aus­schließ­lich mit dem Pro­gramm des Fes­ti­vals be­schäf­tigt und aus­führ­li­che In­for­ma­tio­nen zu den Fil­men und Künst­lern bie­tet. Sämt­li­che In­fos, Ter­mi­ne und das Pro­gramm gibt es selbst­ver­ständ­lich auch online: fes­ti­val-der-vi­deokunst.de

„Blut ist ein ganz be­son­de­rer Saft“. Sagt Me­phis­to in Goe­thes „Faust“. „Ja­ja“sagt der Bay­er und denkt sich, „red Du nur zu. Ich weiß schon, was mein be­son­de­rer Saft ist.“Bier halt. Was denn sonst? Nor­ma­ler­wei­se trinkt man das Bier, die­ses Jahr aber wird min­des­tens ge­nau­so viel dar­über ge­spro­chen, was am 500-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­ums des Rein­heits­ge­bo­tes liegt. Dar­auf ist Bay­ern na­tür­lich stolz wie sonst­was und des­halb gibt es je­de Men­ge Fe­st­re­den, Fest­bie­re, Fest­ver­an­stal­tun­gen ... Die Aus­stel­lung Bier. Macht.Mün­chen (8. April bis 8. Ja­nu­ar, Ka­ta­log) im

zum Bei­spiel er­zählt den Auf­stieg der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt zur „glo­ba­len Bier­macht“. Wenn Sie jetzt fin­den, das hö­re sich grö­ßen­wahn­sin­nig an, dann ha­ben Sie sich of­fen­bar noch nicht aus­rei­chend mit dem The­ma be­schäf­tigt. Und kön­nen das jetzt gründ­lichst nach­ho­len. Über 700 Ob­jek­te do­ku­men­tie­ren und er­zäh­len die Ge­schich­te des be­deu­tends­ten In­dus­trie­zweigs. Was Bier au­ßer schme­cken und be­trun­ken ma­chen al­les kann, ist schon be­mer­kens­wert. Vom städ­te­bau­li­chen Ein­fluss über den Braue­rei­pro­zess und der po­li­ti­schen und so­zia­len Funk­ti­on des Bie­res bis zur Tra­di­ti­on der Münch­ner Bier­fes­te – es gibt ei­ni­ges zu er­for­schen und zu er­fah­ren. Vom Durst­lö­scher und Rausch­be­schleu­ni­ger zum Kul­tur­gut. Ein Rah­men­pro­gramm mit wis­sen­schaft­li­chen Vor­trä­gen, Dis­kus­sio­nen und nicht­wis­sen­schaft­li­chen Bier­fes­ten be­glei­tet die Aus­stel­lung.

Und auch schräg ge­gen­über wird Bier­ge­schich­te an­ge­zapft. Das nimmt das Ju­bi­lä­um zum An­lass, Ge­schich­te und Ge­gen­wart des Bie­res in der jü­di­schen Tra­di­ti­on und Kul­tur zu be­leuch­ten. Und da müs­sen sich die Bay­ern, die nur zu ger­ne das Bier er­fun­den hät­ten, ein bis­serl hin­ten an­stel­len, denn die Is­rae­li­ten trin­ken den Gers­ten­saft schon sehr viel län­ger, als es Bay­ern über­haupt gibt. Sie lern­ten das Bier be­reits im al­ten Ägyp­ten ken­nen. Und stellten sich dann auch recht schnell die Fra­ge, ob Bier denn ko­scher sein muss und ob es für ri­tu­el­le Hand­lun­gen ver­wen­det wer­den darf. Der Tal­mud re­gel­te das schnell und ent­spannt: Wenn Bier und nicht Wein das Haupt­ge­tränk ist, dann „ist das Bier der Wein die­ses Lan­des“und darf für sämt­li­che, al­so auch für ri­tu­el­le Zwe­cke ver­wen­det wer­den. Ei­nen Schwer­punkt der Aus­stel­lung Bier ist der Wein die­ses Lan­des. Jü­di­sche Brau­ge­schich­ten (12. April bis 8. Ja­nu­ar, Ka­ta­log) bil­den die jü­di­schen Brau­her­ren in Mün­chen und Um­ge­bung. Wei­te­re The­men sind die Ge­schich­te des Hop­fen­han­dels, das „Bier­krug­ver­ede­lungs­ge­wer­be“und die ak­tu­el­le Bier­kul­tur in Is­ra­el, die ei­ne durs­ti­ge und ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ge Craf­tbeer-Sze­ne vor­zu­wei­sen hat. Dass Aus­stel­lun­gen durs­tig ma­chen, steht zwar nicht im „Faust“, ist aber ein Er­fah­rungs­wert, den man in den letz­ten 50 Jah­ren ge­won­nen hat. Was Sie dar­aus ma­chen, liegt bei Ih­nen.

Und sonst so? Nicht ver­ges­sen, die Aus­stel­lung Rod­ney Gra­ham (bis 23. April) in der

zu be­su­chen, be­vor es zu spät ist. Kon­zept­kunst, Mi­ni­mal Art und Per­for­mance sind so Schlag­wor­te, die fal­len, wenn es um den 66-jäh­ri­gen Ka­na­di­er geht. Be­vor er Künst­ler wur­de, stu­dier­te er Kunst­ge­schich­te. Er spielt mit sei­nem theo­re­ti­schen Wis­sen, sein Werk ist vol­ler Be­zü­ge und trotz­dem hu­mor­voll. Weil er mit un­se­ren Kon­ven­tio­nen spielt. Bü­cher, Vi­deo, Skulp­tur, Ma­schi­nen, Ma­le­rei, Fo­to­gra­fie, In­stal­la­ti­on, Mu­sik – Gra­ham ar­bei­tet mul­ti­me­di­al. Sein The­ma: Er hin­ter­fragt un­ser Kunst­ver­ständ­nis. Das soll­te man so­wie­so täg­lich ma­chen, am bes­ten gleich nach dem Zäh­ne­put­zen.

Ein­blick in den Braue­rei­kel­ler Hof­bräu. Um 1600 gab es et­wa 74 bür­ger­li­che Braue­rei­en in­ner­halb der mit­tel­al­ter­li­chen Stadt­mau­ern. Heute gibt es in Mün­chen sechs Braue­rei­en, die da­für sor­gen, dass der Rausch zu sei­nem Recht kommt.

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