Char­lie Stel­la

In München - - LITERATUR - Jon­ny Rie­der

John­ny Por­no

(Suhr­kamp)

John­ny. Uni­ver­sel­ler Idio­ten­na­me. Oft kom­bi­niert mit ei­ner Spe­zi­fi­ka­ti­on. In der Schu­le gab’s den Cord­ho­senJohn­ny als Cord­ho­sen so was von DDR wa­ren. Und Fla­schen­dre­herJohn­ny, der so­fort auf­sprang, wenn der Fla­schen­hals in sei­ner Nä­he war, um der ar­men Chi­ca die Zun­ge in den Ra­chen zu ste­cken, be­vor sie merk­te, wen sie da ge­zo­gen hat­te. Auch im Eng­li­schen ist John­ny der Depp. Lan­ge Un­ter­ho­sen sind long johns, der Pim­mel­stramp­ler heißt john­ny. Jetzt John­ny Por­no. Ein Trot­tel, klar. Wie al­le in die­sem Buch. Aber ver­gleichs­wei­se sym­pa­thisch. In New York zählt John­ny die Zu­schau­er und Ein­nah­men der Ki­nos aus dem Rein­r­aus­flim­mer Deep Throat. 1972. Ein Skandal und na­tür­lich me­ga­ver­bo­ten in vie­len Bun­des­staa­ten die­ses Idio­ten­lan­des. So what? Der Mobs­ter ver­dient gut an die­ser bil­lig pro­du­zier­ten Rub­bel­hil­fe. Pech für John­ny, dass je­der et­was von ihm will. Ma­fia, kor­rup­te Cops, we­ni­ger kor­rup­te Cops, sei­ne Ex, der Fuck Bud­dy sei­ner Ex. Nichts Gu­tes, ver­steht sich. Char­lie Stel­las vio­lent Small Talk ver­dich­tet den Kreis­lauf aus Gier und Ge­walt, der God’s Own Ces­spit am Stin­ken hält, zu ei­ner über­schau­ba­ren Nach­bar­schafts­or­gie. Viel Raum für das selt­sa­me In­nen­le­ben die­ser amü­san­ten Idio­ten. Und für ei­ge­ne An­mer­kun­gen.

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