„Du brauchst Wahn­sinn, um so ein Le­ben schön zu fin­den“

Der al­te Ka­ter von Un­ter­send­ling: Nur in Zim­mer­laut­stär­ke und mit den engs­ten Mu­si­ker-Spezln hat Ge­org Rings­gwandl sein neu­es, stil­les, rotz­fre­ches, poe­ti­sches „Wo­an­ders“-Al­bum auf­ge­nom­men. Das ist na­tür­lich gro­ßer Blues. Und der drängt na­tür­lich auf die

In München - - ORTSGESPRÄCH -

Herr Rings­gwandl, das „Wo­an­ders“ist ja für vie­le frei­heits­lie­ben­de Men­schen ein Sehn­suchts­be­griff. Ist es auch für Sie im­mer nur „wo­an­ders“schö­ner?

(lacht) Dass es wo­an­ders im­mer schö­ner ist, ist ein Grund­punkt un­se­rer Exis­tenz. Zur Zeit je­den­falls, in Mit­tel­eu­ro­pa. Der Ti­tel hat na­tür­lich meh­re­re Be­zü­ge, sonst wä­re er „Wo­an­ders“nicht der Ti­tel ge­wor­den. Der Song selbst ist nicht der TopHit-Rei­ßer, wie man sich das nor­ma­ler­wei­se vor­stellt. Ei­gent­lich ist es ei­ne wahn­sin­nig re­du­zier­te baye­ri­sche Li­ta­nei. Ei­ne zir­ku­lie­ren­de Ge­schich­te, wie sie der klei­ne Rings­gwandl Schor­schi tau­sen­de Ma­le in der Kir­che ge­hört hat. Im Text heißt es, dass die Leu­te wo­an­ders im­mer al­les falsch ma­chen. Aber bei uns da­heim passt’s.

Wo genau?

Hier bei uns im süd­li­chen Bay­ern. Bei uns ist ja vie­les im ho­hen Ma­ße in Ord­nung und schön und sa­niert und re­no­viert. Das ist je­den­falls die Idee in die­sem Lied. Es gibt den Stand­punkt wie­der von ganz vie­len Leu­ten, die hier le­ben. Man kann ja gar nicht an­ders in ei­nem der­ar­ti­gen Wohl­stand le­ben, oh­ne sich ei­ne schrä­ge Recht­fer­ti­gung da­für zu­recht­zu­le­gen. Aber na­tür­lich ist „Wo­an­ders“der Sehn­suchts­ort. Ka­ba­ret­tis­tisch könn­te man sa­gen, dass da­von der ganz Tou­ris­mus lebt. Des­we­gen auch die gan­zen Au­to­bah­nen.

In­wie­fern?

Je­der Weg exis­tiert, weil die Leu­te mei­nen, dass es wo­an­ders bes­ser ist. Oder

weil sie mei­nen, wo­an­ders et­was Wich­ti­ge­res zu tun zu ha­ben. Der Be­griff hat al­so meh­re­re Schich­ten. Wenn man im Feuille­ton ge­nug Platz hat, kann man die Dis­kus­si­on auf meh­re­re Sei­ten aus­deh­nen. Mir je­den­falls hat er ganz gut ge­passt für das Ding.

Sie wa­ren ja auch schon viel „wo­an­ders“un­ter­wegs in Ih­rem Le­ben. Wie rast­los sind Sie ei­gent­lich?

Ich bin schon an ein paar Plät­ze ge­kom­men im Lauf der Jah­re. Die Wahr­heit ist aber doch, dass je­der klei­ne An­ge­stell­te aus Gel­sen­kir­chen schon mehr von der Welt ge­se­hen hat als ich. Er war schon in Thai­land und hat am Schluss ei­ne hal­be Welt­rei­se ge­macht. Je­der Abitu­ri­ent pack­te ja nach sei­nem Schul­ab­schluss erst mal sei­ne Rei­se­sa­chen. Ich bin mir aber gar nicht si­cher, ob die­se Leu­te wirk­lich so viel mit­be­kom­men. Wenn du mal zu Fuß von Bad Rei­chen­hall nach Gar­misch gin­gest – und dir da­für zwei Wo­chen Zeit lässt –, siehst du vi­el­leicht mehr von der Welt als ei­ner, der drei Wo­chen in Thai­land war. Na­tür­lich se­hen die Leu­te nur das, was sie sel­ber im Kopf ha­ben.

Aber raus aus Rei­chen­hall, aus Staf­fa­bruck, zu kom­men, das war als jun­ger Rings­gwandl doch schon sehr wich­tig? Das war mei­ne ein­zi­ge Chan­ce. Wenn ich dort ge­blie­ben wä­re, wä­re das ganz ver­hee­rend aus­ge­gan­gen. Das wä­re in ei­ner Le­bens­zeit­stel­le ge­en­det. Ich hab na­tür­lich ganz schnell wo an­ders hin­müs­sen. Des­we­gen ha­be ich auch dar­auf ge­schaut, dass ich mög­lichst weit weg von Zu­hau­se kom­me.

Man hat nur ein Le­ben ...

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