Glau­be Lie­be HO­PE!

Es geht im­mer ir­gend­wie wei­ter: Da­vid Bösch in­sze­niert Hor­váth am Re­si­denz­thea­ter

In München - - BÜHNENSCHAU -

„Wann kommt die Son­ne?“fragt Eli­sa­beth ein­mal und schaut fle­hend nach oben. Aber von da oben kommt kei­ne Wär­me. Von oben reg­net es ein­mal For­mu­la­re, von oben dro­hen und spot­ten ab und zu Stim­men, von oben kommt spä­ter das Was­ser. Aber kei­ne Son­ne. Es bleibt kalt in die­ser Welt, ei­ner düs­te­ren Welt, die nur ei­ne ein­zel­ne Ne­on­lam­pe er­hellt, ein Aschen­be­cher an der ei­nen Wand, ein Wasch­be­cken an der ge­gen­über­lie­gen­den, ein Stuhl vor der schwarz­grau­en Rück­wand. HO­PE hat Büh­nen­bild­ner Patrick Bann­wart dar­auf mit brei­ter Krei­de mehr krit­zeln als ma­len las­sen. Aber er­fül­len wird sich die Hoff­nung nicht an die­sem Abend. Sie wird nur blei­ben. gro­ßen Zeit­span­ne: ei­ner­seits tra­gen Män­ner noch So­cken­hal­ter, zum an­de­ren sind Pro­sti­tu­ier­te längst Punks. Rou­ti­niert und si­tua­tiv glaub­haft führt die Re­gie durch die­sen „klei­nen To­ten­tanz“, wie Hor­váth selbst sein Stück un­ter­ti­tel­te. So tot al­ler­dings agiert hier kei­ner. Es feh­len nicht die ko­mi­schen und bur­les­ken Mo­men­te, herr­lich schwarz, wenn Markus He­ring als Prä­pa­ra­tor mit der Klat­sche Flie­gen auf ei­ner Lei­che zer­patscht und da­bei Kaf­fee trinkt. Die Mie­der­wa­ren­fach­frau Prantl (Kat­ha­ri­na Pich­ler) bringt or­dent­lich ein biss­chen Sinn­lich­keit in die­se kal­te Welt, oh­ne da­bei na­tür­lich das Ge­schäft­li­che zu ver­ges­sen. Der Ab­schaum: au­then­tisch und zum Ab­ge­wöh­nen, mit fet­ti­gen Haa­ren und Bauch –Tho­mas Hu­ber als Ba­ron be­dankt sich für den Hand­job mit Geld­schei­nen, die er mit Spu­cke in Eli­sa­beths Ge­sicht klebt. Die Lie­be kriegt so­gar ein klei­ne Chan­ce. Aber die lei­se wach­sen­de Fas­zi­na­ti­on, das vor­sich­ti­ge Zu­las­sen von Nä­he schei­tert –denn die Po­li­zis­ten­kar­rie­re ist in Ge­fahr, we­gen der Vor­stra­fe von Eli­sa­beth. Ei­gent­lich ein Glück für sie, denn Till Fi­rit als Al­fons ist schon ein ar­ges Wind­ei, so­viel Selbst­mit­leid hät­te kei­ne Be­zie­hung auf Dau­er aus­ge­hal­ten. Was fällt ihm spä­ter zur tot am Bo­den Lie­gen­den nur ein? Ich hab kein Glück. Das ist al­les. Nein, das ist noch nicht al­les. Hor­váth hat die jun­ge Frau im­mer wie­der auf­ste­hen las­sen, Bösch tut das noch ein­mal mehr. Va­le­rie Pach­ner ist ei­ne Su­chen­de im wei­ßen Stern­ta­ler­kleid. Nie of­fen­bart sie, was sie wirk­lich will, aber Ver­zweif­lung währt bei ihr nur kurz, schnell ist sie im­mer in ih­rer Grund­hal­tung zu­rück: sich nicht un­ter­krie­gen las­sen, nie. So be­hält sie auch im Elend ih­re Wür­de, die längst le­bens­be­ja­hen­der Trotz ist. Mir kann kei­ner! Al­so auch der Tod nicht: sie steht wie­der auf, schwingt sich auf die Ne­on­lam­pe und be­ginnt wild zu schau­keln. Wei­ter geht’s. Und das HO­PE leuch­tet da­zu.

Pe­ter Ei­den­ber­ger

Ein klei­ner To­ten­tanz

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.