Ver­dros­sen­heit weg­nu­scheln

Von düs­te­ren Stim­mun­gen darf man sich nicht an­ste­cken las­sen

In München - - KABARETT -

Es sind tröst­li­che Wahr­hei­ten, die man ger­ne hört: Man muss der Wahr­heit ein­fach ins Ge­sicht se­hen – und da­bei lä­cheln. Im­mer­hin gilt doch noch im­mer die al­te Steh-auf-Re­gel: „Wer am Mor­gen zer­knit­tert auf­wacht, hat am Tag die bes­ten Ent­fal­tungs­mög­lich­kei­ten.“Man ahnt es be­reits: Schö­ne Mann­heims sind wie­der in der Stadt. Die tat­säch­lich pro­per wir­ken­de Da­men­trup­pe lässt es zum Fünf-Jah­re-Ju­bi­lä­um im neu­en Pro­gramm „Ent­fal­tung“rich­tig kra­chen. Noch im gröbs­ten Un­sinn steckt bei den Da­men ei­ne Warm­her­zig­keit, die un­ter die Haut geht. (Dreh­lei­er, 4.11.)

Da­mit passt ihr Spi­rit gut zur Men­schen­freund­lich­keit, für die Tho­mas Maurer steht. Er nennt sich der­zeit selbst „Der To­le­ra­tor“– und das nicht oh­ne Grund. „To­le­ranz“, sagt er, „ist nicht nur ei­ne all­ge­mein an­er­kann­te Tu­gend, son­dern auch noch ein span­nen­des und preis­wer­tes Hob­by. Es gibt ja so viel, das man to­le­rie­ren kann: Re­li­gio­nen und po­li­ti­sche Über­zeu­gun­gen, Lak­to­se und Glu­ten, Klei­der­mot­ten und Volks-Rock’n’Roll.“Al­ler­dings kommt auch der Mann mit dem wei­ten Herz ge­le­gent­lich an sei­ne Gren­zen, wenn es näm­lich an die pu­re, un­ge­fil­ter­te Blöd­heit geht – der an­de­ren, ver­steht sich. Und au­ßer­dem klärt Maurer noch die wirk­lich ban­ge Fra­ge: Wie hält man die­je­ni­gen aus, die man wirk­lich nicht aus­hal­ten kann? Ein lehr­rei­ches So­lo. (Lach- und Schieß­ge­sell­schaft, 9. bis 12.11.)

Ur­ban Pri­ol kann man durch­aus aus­hal­ten, auch wenn sich für ihn die ZDF-üb­li­che Brä­sig­keit beim Mit-Durch­he­cheln der all­ge­mei­nen Welt­la­ge emp­foh­len hat. In sei­nem „Jetzt. Schon wie­der ak­tu­ell“-So­lo zer­fled­dert der Zau­sel­kopf die ta­ges­ak­tu­el­le Po­li­tik und bringt weg­ge­nu­schel­te Po­li­tik­phra­sen lo­go­pä­disch auf den Punkt. (Lust­spiel­haus, 3. bis 5.11.)

Der gras­sie­ren­den Ver­dros­sen­heit ge­winnt üb­ri­gens auch Frank Lü­de­cke sei­nen Witz ab. Er kommt an­ge­sichts der gras­sie­ren­den Be­schleu­ni­gung des Dis­kur­ses auf ei­nen eher be­trüb­li­chen Be­fund: „Was wir heu­te ler­nen“, so Lü­de­cke, „ist Schnee von mor­gen und war ges­tern schon falsch.“Wie soll man al­so gu­ten durch­hal­ten? „Vie­le sind so ent­täuscht, die wür­den so­gar Vo­da­fo­ne in die Re­gie­rung wäh­len. Weil sie sich sa­gen: Lie­ber 50 Frei-SMS als gar kei­ne Ren­te.“(Lust­spiel­haus, 12.11.)

Noch ein biss­chen wei­ter geht Da­ve Da­vis in „Blacko mio – Glück ist ei­ne Hol­schuld“. Er hat schon lan­ge das La­chen als ul­ti­ma­ti­ves Mit­tel zur Flu­chur­sa­chen­be­kämp­fung er­kannt. Und des­we­gen kann er her­aus­po­sau­nen: „Froh­lo­cke, Deutsch­land. Es geht uns gut“. Al­ler­dings: Un­se­re Hei­mat ist zwar ei­nes der reichs­ten Län­der der Welt, aber trotz­dem na­tür­lich per­ma­nent ver­ängs­tigt. Müss­te gar nicht sein, meint Da­ve Da­vis. Trotz­dem: Schrie-

Grup­pen­bild mit Hund: SCHÖ­NE MANN­HEIMS

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