Ro­man­tisch durch den gars­ti­gen Ne­bel

Au­to­rin­nen, die wis­sen, wie man mit Ge­füh­len spielt. Und Mon­ar­chen, die ein we­nig Mit­ge­fühl ver­dient ha­ben

In München - - LITERATUR - Ru­pert Som­mer

Das ist doch mal was Schö­nes für die un­ge­müt­lich kal­ten Herbst­ta­ge. Der Groß­ver­lag Ran­dom Hou­se aus dem Hau­se Ber­tels­mann nimmt das al­te Wer­be­kli­schee von der „Welt­stadt mit Herz“mal so rich­tig woh­lig wört­lich. Ein gan­zes Wo­che­n­en­de lang öff­net das Haus nicht nur sei­ne Tü­ren, son­dern na­tür­lich auch die Her­zen und wid­met un­ter dem Mot­to Lit.Lo­ve ein üp­pig aus­ge­stat­te­tes Vor­le­se- und Ken­nen­lern­pro­gramm den Fans und Le­se­rin­nen von so­ge­nann­ten Frau­en­ro­ma­nen. Da­für kom­men 20 na­tio­nal und in­ter­na­tio­na­le Best­sel­ler-Au­to­rin­nen an die Isar – al­len vor­an Ge­ne­va Lee, Ka­the­ri­ne Webb und Syl­via Day. Letz­te­rer ge­lang das Kunst­stück, nicht nur in ih­rer Hei­mat USA an der Spit­ze der „New York Ti­mes“-Bes­ten­lis­te, son­dern gleich­zei­tig auf 28 ver­gleich­ba­ren in­ter­na­tio­na­len Ran­kings zu ste­hen. Ak­tu­ell plant Li­ons­ga­te ge­ra­de ei­ne Ver­fil­mung ih­rer „Cross­fi­re“-Rei­he. Von ihr – und ih­ren Kol­le­gin­nen – er­fährt man ganz nah­bar und di­rekt, wie man das schöns­te Ge­fühl der Welt mit Fin­ger­spit­zen an­packt, wie man pri­ckeln­de Ero­tik ein­streut und was be­ach­tet wer­den muss, da­mit ei­ne ro­man­ti­sche Ko­mö­die auch „funkt“bzw. „funzt“. Ran­dom Hou­se lässt sei­ne Be­su­cher eben­falls hin­ter die Ku­lis­sen bli­cken. So er­fährt man, wie Bü­cher ent­ste­hen, wie Lek­to­ren ar­bei­ten und wie man die Wer­ke mul­ti me­di­al ver­mark­tet. Be­son­ders span­nend dürf­te ei­ne Dis­kus­si­on von Au­to­rin­nen mit Pseud­onym sein: Auf dem Lit.Lo­veSo­fa stel­len sie sich der be­kann­ten Precht-Fra­ge: „Wer bin ich und wenn ja, wie vie­le?“. Al­le In­fos zu den Meets & Greets, den Work­shops, Po­di­ums­dis­kus­sio­nen und na­tür­lich zu den vie­len Le­sun­gen fin­det man auch un­ter www.lit­l­ove.de. (Ver­lags­grup­pe Ran­dom Hou­se, Ne­u­mark­ter Str. 28, 12. und 13.11.)

Wer gleich mal bei den Er­folg­reichs­ten blei­ben möch­te, um ih­nen für die Ve­re­de­lung der ei­ge­nen Schub­la­den-Er­güs­se auf die Fin­ger zu schau­en, der darf sich na­tür­lich auch von Cor­ne­lia Fun­ke ins Fan­ta­sy-Dra­chen­reich ent­füh­ren las­sen. Die Ju­gend­buch-Best­sel­ler­schrei­be­rin stellt die neu­es­ten Aben­teu­er aus „Dra­chen­rei­ter: Die Fe­der ei­nes Greifs“vor. Wer sein Rei­se­bud­get für die­ses Jahr schon aus­ge­reizt hat, kommt hier kos­ten­güns­tig an den „Saum des Him­mels“, wo über den höchs­ten Hi­ma­la­ya-Gip­feln Flu­gech­sen noch Ech­sen sein dür­fen. (Volks­thea­ter, 11.11.)

Auf fer­ne Pla­ne­ten, aber gleich­zei­tig auf den Bo­den der poe­ti­schen Tat­sa­chen kommt man bei der put­zi­gen „Da kloa Prinz“-Le­sung nach dem Kin­de­r­und Auf­ge­schlos­se­ne-Er­wach­se­nen-Klas­si­ker von An­toi­ne de Saint-Exu­pé­ry. Gerd Holz­hei­mer hat ihn drauf, den wun­der­bar wei­chen Mär­chen­ton, der bei ihm ei­ne ein­deu­tig re­gio­na­le Fär­bung trägt. Er hat den klei­nen Prinz ins Bai­ri­sche über­setzt – und zwar so ein­fühl­sam, dass dar­an auch Nich­tBay­ern ih­re Freu­de ha­ben wer­den. (In­sti­tut Fran­cais, 7.11.)

Wem klei­ne Prin­zen zu nied­lich sind und wer bei roya­len An­wand lun­gen lie­ber gleich nach dem Strick ruft, der dürf­te sei­nen Spaß an dem Re­vo­luz­zer-Epos ha­ben, das Andre­as Am­mer un­ter dem schö­nen Ti­tel „The King is Go­ne – Des Bay­ern kö­nigs Re­vo­lu­ti­ons­ta­ge“zu­sam­men­ge­schrie­ben hat. Nach be­währ­tem Mus­ter –Am­mer kann das ein­fach – hat er wie­der Zeit­ty­pi­sches col­la­giert und die Welt­ge­schich­te, die mit der Rä­te­zeit tat­säch­lich auch mal im Frei­staat vor­bei­schau­te, in ein Road­mo­vie ver­wan­delt. Man lernt dort den letz­ten Ki­ni, Lud­wig III, beim ah­nungs­lo­sen Fla­nie­ren im Eng­li­schen Gar­ten ken­nen. Pas­san­ten ma­chen ihn dar­auf auf­merk­sam, dass ei­ne Flucht durch­aus ge­bo­ten wä­re. Das Ge­nia­le am Li­ve-Hör­spiel: Am­mer lässt sich von den bei­den AcherB­rü­dern von The Not­wist (Micha und Markus) be­glei­ten, die dem Gan­zen blas­mu­si­ka­lisch Dampf ein­hau­chen. Die­se S-Bahn-Kar­te ins Um­land lohnt sich wirk­lich. (Fo­rum Fürs­ten­feld, 9.11.)

Eben­falls die ho­he Kunst des li­te­ra­ri­schen Fes­selns kom­bi­niert mit tol­len Klän­gen ver­spricht der Ge­mein­schafts­auf­tritt von Bru­no Ganz mit den Strei­chern vom De­li­an Quar­tett. Zu Kom­po­si­tio­nen von Dmi­tri Schosta­ko­witsch kommt hier der Be­stel­ler-Ro­man „Eu­ro­pe Cen­tral“von Wil­li­am T. Voll­mann zu Ge­hör – dra­ma­tisch, ge­le­gent­lich ra­bi­at, aber auch mit vie­len skur­ril-hei­te­ren Mo­men­ten. Ganz gur­gelt die Vo­ka­le. (Prinz­re­gen­ten­thea­ter, 12.11.)

Un­ter die Haut ge­hen schließ­lich die Zei­len von An­toi­ne Lei­ris, der vor ei­nem Jahr bei den An­schlä­gen in Pa­ris sei­ne Frau ver­lo­ren hat. Sei­ne zwi­schen Wut, Ver­zweif­lung und Nicht-un­ter-krie­genLas­sen schwan­ken­den Ge­füh­le hat er in sei­nem Er­folgs­buch „Mei­nen Hass be­kommt ihr nicht“Luft ver­schafft. Chris­ti­an Bau­mann liest dar­aus zum Jah­res­tags­ge­den­ken. (Me­tro­pol­thea­ter, 13.11.)

Schmacht­meis­te­rin: SYL­VIA DAY

Mun­d­art­künst­ler: GERD HOLZ­HEI­MER

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