Welt­hal­ti­ges zwi­schen Buch­de­ckeln

Über Au­to­ren fei­ern mit dem Münch­ner Pu­bli­kum das dies­jäh­ri­ge Literaturfest

In München - - LITERATURFEST - Ru­pert Som­mer

Die kal­te, dunk­le Jah­res­zeit kann kom­men. Wer sich fürs Schmö­kern in­ter­es­siert und den Mo­ment liebt, mit noch klam­men Fin­gern durch wun­der­schön ge­stal­te­te Bän­de zu blät­tern, wird sich auch in die­sem Jahr auf der Münch­ner Bü­cher­schau, wo die gro­ßen Ver­lag des Lan­des und des Aus­lan­des ih­re tol­len Neu­hei­ten prä­sen­tier­ten, schlag­ar­tig wohl­füh­len. Man fläzt sich in ei­nen Ses­sel – und die St­un­den zie­hen vor­bei. Wie je­des Jahr hält der Spät­herbst mit dem Literaturfest München vom 10. bis 27. No­vam­ber die größ­ten Ver­gnü­gun­gen für Le­se­freun­de be­reit. Und gleich­zei­tig ist es wie üb­lich die opu­len­tes­te Ver­an­stal­tungs­rei­he der Stadt, die ih­ren An­hän­gern – und es wer­den je­des Jahr mehr – ei­nen be­son­ders ge­schul­ten Blick für Zu­sam­men­hän­ge und et­was die­bi­sche Freu­de am krea­ti­ven Durch­ein­an­der und der li­te­ra­ri­schen Schnit­zel­jagd ab­ver­langt.

Denn auch dies­mal be­steht der Ver­an­stal­tungs­ma­ra­thon, der auch Par­tys, Dis­kus­sio­nen und so­gar Bas­tel­nach­mit­ta­ge um­fasst, aus ei­ner Viel­zahl von ei­ge­nen klei­nen, ge­le­gent­lich in­ein­an­der ver­schach­tel­ten Rei­hen. Doch kei­ne Sor­ge: Die gro­ßen Na­men und die lie­bens­wür­di­gen klei­nen Events fin­det man – un­ab­hän­gig da­von, wel­ches Ver­an­stal­ter-La­bel sie tra­gen. Ne­ben der Bü­cher­schau im Ga­s­teig, die in die­sem Jahr be­reits zum 57. Mal statt­fin­det, hat mit El­ke Sch­mit­ter wie­der ein­mal ei­ne pro­mi­nen­te Schrift­stel­le­rin die Le­ser­rei­he des so­ge­nann­ten fo­rum:au­to­ren ku­ra­tiert. Sie steht dies­mal un­ter dem Mot­to „Ein Wort gibt das an­de­re“und soll Brü­cken schla­gen zwi­schen Spra­che, Dich­tung, Po­li­tik, aber auch der Mu­sik. „Spra­che ent­steht aus dem Mit­ein­an­der“, sagt El­ke Sch­mit­ter („Frau Sar­t­oris“), „doch sie hat ih­ren Ei­gen­sinn. Sie scheint ein an­schmieg­sa­mes In­stru­ment, doch sie macht, was sie will.“

Eben­falls zum Fes­ti­val­pro­gramm ge­hört auch 2016 das Pro­gramm im Li­te­ra­tur­haus München, wo sich un­ter an­de­rem das Ken­nen­lern­tref­fen der un­ab­hän­gi­gen Ver­la­ge un­ter dem Mot­to An­de­re Bü­cher braucht das Land emp­fiehlt. Am letz­ten Wo­che­n­en­de des Li­te­ra­tur­fests stel­len sich 30 Ver­la­ge vor, flan­kiert von Dis­kus­sio­nen, Work­shops und ei­ner Il­lus­tra­ti­ons-Aus­stel­lung. Und selbst­ver­ständ­lich muss auch ge­fei­ert wer­den – be­glei­tet von der Band Kon­ne­xi­on Bal­kon – in der Bras­se­rie Os­karMa­ria. Au­ßer­dem wird der Ge­schwis­terScholl-Preis ver­lie­hen, und der „Li­ter­aVi­si­on“-Fern­seh­preis fin­det sei­ne Ge­win­ner.

Das Wich­tigs­te sind je­doch die vie­len Au­to­ren – dies­mal über 80 Schrift­stel­ler aus al­ler Welt –, die das Münch­ner Pu­bli­kum in der wich­tigs­ten Ver­lags­stadt im Lan­de be­eh­ren. Da­zu zäh­len dies­mal mit Swet­la­na Ale­xi­je­witsch und Her­ta Mül­ler gleich zwei No­bel­preisTrä­ge­rin­nen. Ca­ro­lin Em­cke, Au­to­rin und „SZ“-Ko­lum­nis­tin, wur­de eben erst mit dem Frie­dens­preis des Deut­schen Buch­han­dels ge­ehrt. Au­ßer­dem kommt der Prix-Gon­court-Preis­trä­ger Ma­thi­as Énard mit sei­nen Ori­ent-Er­kun­dun­gen so­wie Best­sel­lerSchrei­ber wie Cor­ne­lia Fun­ke, Jus­tin Cro­nin, Phil­ipp Kerr oder die Büch­ner-Preis­trä­ge­rin Si­byl­le Le­witscharoff.

Doch auch an den ver­meint­li­chen Rän­dern öff­net sich das Pro­gramm: Und so fin­den auch der ZDF-Ter­ro­ris­mus­ex­per­te El­mar The­veßen so­wie der neu ge­kür­te „Mr. Ta­ges­the­men“In­go Zam­pe­ro­ni ih­ren Platz. Der lang­jäh­ri­ge USA-Kor­re­spon­dent bringt fri­sche Er­in­ne­run­gen aus dem Trump-Cl­in­ton-Wahn­sinns­land mit. Wer sich gleich vom Start weg ei­nen gu­ten Über­blick ver­schaf­fen möch­te, darf auf der Literaturfest-Er­öff­nung im Ga­s­teig nicht feh­len. Gäs­te der Ga­la sind un­ter an­de­rem Bach­tyar Ali, Sa­bi­ne Gru­ber, Hi­ne­mo­a­na Ba­ker, Hanns-Jo­sef Ort­heil und na­tür­lich die „fo­rum:au­to­ren“-Be­treue­rin El­ke Sch­mit­ter. Durch den Abend führt Lu­zia Braun, Stefan Hun­stein liest vie­le Buch­pas­sa­gen und da­zu gibt’s Kurz­fil­me und Mu­sik. Ein Fest im Fest.

Das Schö­ne am Fes­ti­val: Es soll ein Tref­fen auf Au­gen­hö­he und ei­ne Fei­er der Be­geg­nun­gen sein. Und so ist es kein Zu­fall, wenn man sich in den Flu­ren von Ga­s­teig, Li­te­ra­tur­haus oder den an­de­ren Spiel­stät­ten zwang­los mit den Au­to­ren in ei­nen Plausch ver­wi­ckelt. Zu­dem gibt es na­tür­lich auch in die­sem Jahr wie­der die Au­to­ren­ge­sprä­che auf dem Bay­ern-2-Di­wan, wo hoch­ka­rä­ti­ge Gäs­te er­war­tet wer­den.

Wich­tig ist den Ver­an­stal­tern na­tür­lich auch die Zu­kunfts­of­fen­heit des An­ge­bots, das vor al­lem jun­ge Men­schen fürs Le­sen und die Bü­cher be­geis­tern soll. So gibt es auf der Münch­ner Bü­cher­schau ei­nen gro­ßen Kin­der- und Fa­mi­li­en­schwer­punkt, zu dem zum Bei­spiel Lieb­lings­au­to­ren wie Isa­bel Abe­dia, Mats Wahl, De­rek Lan­dy und In­go Sie­gner kom­men. Da­zu gibt es ei­ne Kin­de­r­und Ju­gend­buch­aus­stel­lung, ei­ne Dra­che-Ko­kos­nus­sSchmö­ke­r­ecke mit Bü­chern, Spie­len, Ori­gi­na­lil­lus­tra­tio­nen und na­tür­lich vie­len Plüsch­dra­chen.

Ver­kör­pert ein Ge­wis­sen: CA­RO­LIN EM­CKE

Kann nicht nur Fern­se­hen: IN­GO ZAM­PE­RO­NI

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