Mu­si­ka­li­sches Ma­ni­fest

Pop und Po­li­tics, tanz­bar und zum Mit­sin­gen

In München - - CONCERTS -

Ob­wohl es gar nicht passt, sind sie schon vor Cold­play an­ge­tre­ten: Black Moun­tain aus Van­cou­ver er­spiel­ten sich mit drei Al­ben, meh­re­re EPs und groß­ar­ti­ge Kon­zer­te auf der gan­zen Welt ei­nen le­gen­dä­ren Ruf als Live­band, die sich in die gol­de­ne Psy­che­de­lic Rock-Ära der 1970er Jah­re ein­ord­nen lässt. Ste­phen McBe­an, Am­ber Web­ber, Matt Ca­mi­rand, Je­re­my Schmidt und Jos­hua Wells se­hen sich eher in der Tra­di­ti­on von Bands wie Can, Led Zep­pe­lin, Pink Floyd und Vel­vet Un­der­ground, auch hier sieht man schon das breit ge­fä­cher­te Spek­trum der Ka­na­di­er. Nun er­schien im Früh­jahr das schlicht „IV“be­ti­tel­te neue Al­bum von Black Moun­tain, das nun li­ve vor­ge­stellt wird. Sup­port: Co­met Con­trol (4.11. Strom)

Man denkt an VW-„Bul­lis“auf dem Pa­ci­fic Co­ast High­way, laue Som­mer­näch­te und we­hen­de Haa­re im Fahrt­wind: mit den Al­lah-Las keh­ren die spä­ten Sech­zi­ger und frü­hen Sieb­zi­ger Jah­re zu­rück in die Ge­gen­wart, hier klingt al­les nach Som­mer, Vin­ta­ge-Gi­tar­ren und psy­che­de­li­schen Har­mo­ni­en. 2008 hat­ten sich die vier Her­ren im Kult-Plat­ten­la­den Amoeba Mu­sic in L.A. ken­nen ge­lernt. Schnell ent­stan­den die ers­ten Songs, mit de­nen die Band auch li­ve zu hö­ren war und so wur­de der Sin­ger/Song­wri­ter Nick Wa­ter­hou­se auf sie auf­merk­sam. Er pro­du­zier­te das De­but­al­bum und nahm sie 2012 mit auf sei­ne Eu­ro­pa­tour. Seit­dem ist das Quar­tett auch hier­zu­lan­de schwer an­ge­sagt, kein Wun­der, auch auf ih­rem ak­tu­el­len Al­bum scheint wie­der die Son­ne. Sup­port: Snøf­fel­tøffs (4.11. Tech­ni­kum)

Die The­men des ak­tu­el­len Al­bums „Uni­ted Crus­hers“krei­sen um wah­re und ehr­li­che Lie­be, Selbst­zwei­fel, so­zia­le Un­ge­rech­tig­keit und Gen­tri­fi­zie­rung, Iso­la­ti­on und den Nie­der­gang ame­ri­ka­ni­scher Städ­te: Po­liça schrei­ben Pop­mu­sik zum Zu­stand des Lan­des, zu der man auch ver­dammt gut tan­zen kann. Die Band aus Min­ne­so­ta ist noch dy­na­mi­scher ge­wor­den, kein Wun­der, sind hier gleich zwei Schlag­zeu­ger am Werk. Sän­ge­rin Chan­ny Lea­ne­agh wird zwar von Au­to­tu­ne un­ter­stützt (oh­ne geht es zur­zeit eh nicht, könn­te man mei­nen) aber kann trotz­dem sin­gen. In­halt­lich han­delt es sich bei „Uni­ted Crus­hers“um ein po­li­ti­sches Ma­ni­fest mit stark per­sön­li­cher No­te, er­klärt das In­fo, Po­liça wol­len da­mit „den Schwa­chen, den Ver­ges­se­nen, den Ent­rech­te­ten Kraft ge­ben und Mut ma­chen.“Na dann. (5.11. Tech­ni­kum)

Die Welt ste­cke vol­ler Non­sens, sag­te die Wa­li­ser Sän­ge­rin Ca­te Le Bon kürz­lich in ei­nem In­ter­view Ne­ben ih­rer Tä­tig­keit als Aus­hilfs­gi­tar­ris­tin bei den Tim Pres­ley und sei­nen Whi­te Fence hat sie mit „Cr­ab Day“ein neu­es Al­bum ein­ge­spielt. Und das klingt so sur­re­al und ge­heim­nis­voll, wie ei­ne Mi­schung aus schrä­gen Beefhe­art- oder Vel­vet Un­der­ground-Sounds und ei­ner wa­li­sisch sin­gen­den Lae­ti­tia Sa­dier von Ste­reolab. Le Bons wun­der­sam-schrä­ge Stim­me ließ das neue Al­bum in di­ver­sen Par­al­lel­uni­ver­sen des In­ter­nets und du­bio­sen Blogs die „Charts“stür­men und er­wei­ter­te so ih­ren Fan­kreis. (6.11. Im­port Ex­port)

Die Ver­to­nung der Ta­ge­bü­cher Ro­my Schnei­ders oder et­wa ei­ne Per­for­mance zu Bo­ris Vi­an war ein Ver­such, sich für neue Per­spek­ti­ven zu öff­nen: Die ex­pe­ri­men­tel­le Post­punk/No Wa­ve-Band Mes­ser aus Müns­ter hat­te sich zu­rück­ge­zo­gen, trat in den letz­ten zwei Jah­ren nur ver­ein­zelt auf und meist nicht im klas­si­schen Rock­for­mat. Wäh­rend der Ar­beit am drit­ten Al­bum tat sich ei­ni­ges, Ab­gän­ge und Neu­zu­gän­ge, Wech­sel der In­stru­men­te in­ner­halb der Band etc. In neu­er Kon­stel­la­ti­on nahm die Grup­pe das Nach­fol­ge­al­bum zu „Die Un­sicht­ba­ren“auf, „Ja­lou­sie“wur­de im Spät­som­mer ver­öf­fent­licht und er­wei­ter­te den Post­punk der Vor­gän­ger mit Gast­auf­trit­ten von Jo­chen Ar­beit (Ein­stür­zen­de Neu­bau­ten) und Micha Acher (The Not­wist) um ex­pe­ri­men­tel­le­re Klän­ge. (7.11. Fei­er­werk)

Kon­zer­te des Ham­bur­ger Ge­schwis­ter­du­os Hund­reds sind Ge­samt­kunst­wer­ke, das merkt man schon dar­an, wie Eva und Phil­ipp Mild­ner ih­re Songs auf der Büh­ne vi­su­ell um­set­zen. Ih­re an­spruchs­vol­le elek­tro­ni­sche Pop­mu­sik ist von ei­ner düs­te­ren Sehn­sucht do­mi­niert, die sich oft auch in den Tex­ten nie­der­schlägt. So lock­ten Hund­reds beim zwei­ten Al­bum „Af­ter­math“den Hö­rer in den Wald, der in ih­rer Kind­heit wohl ei­ne wich­ti­ge Rol­le spiel­te. Der Wald ist auch The­ma des Nach­fol­gers „Wil­der­ness“, der nun im No­vem­ber er­scheint. Bei den neu­en Songs kom­men die Ge­schwis­ter zur Er­kennt­nis, dass der größ­te Feind des Men­schen die ei­ge­ne Spe­zi­es ist. Man darf ge­spannt sein. (9.11. Am­pe­re)

Auf ih­rem neu­em Werk „Fri­ends“set­zen die drei Bri­ten von Whi­te Lies kon­se­quent den Weg fort, den sie mit ih­ren ers­ten drei Al­ben be­schrit­ten ha­ben. Sän­ger und Gi­tar­rist Har­ry McVeigh, des­sen Stim­me oft mit Joy Di­vi­si­ons Ian Cur­tis ver­gli­chen wur­de, Bas­sist Charles Ca­ve und Schlag­zeu­ger und Key­boar­der Jack Lawrence-Brown ha­ben ei­nen er­folg­rei­chen Weg hin­ter sich und wol­len jetzt noch ei­ne Schritt wei­ter ge­hen. Das Song­wri­ting steht mehr im Mit­tel­punkt, das Zu­sam­men­spiel zwi­schen Key­board-Flä­chen, mar­kan­ten Gi­tar­ren­riffs und star­ken Me­lo­di­en wird hier neu de­fi­niert. Das al­les er­in­nert noch mehr an frü­hen Acht­zi­ger Jah­re New Wa­ve-Syn­thie­pop von der dunk­le­ren Sei­te, oh­ne aber Po­phar­mo­ni­en im Stil der Hurts ver­mis­sen zu las­sen. (9.11. Thea­ter­fa­brik)

Die Band um Front­mann Brooks Niel­son, steht für ein ei­ge­nes Gen­re na­mens „Beach Goth“. Und das ist bei The Grow­lers eher iro­nisch ge­meint, denn auf sehr ein­gän­gi­ge Art und Wei­se mi­schen die Ka­li­for­ni­er Surf, In­die­pop, Coun­try, Six­ties, Funk und Psy­che­de­lic. Seit 2006 hat die Band bis­her vier Al­ben ver­öf­fent­licht. Nun sind sie mit dem fünf­ten Werk „Ci­ty Club“am Start, wel­ches auf Cult Re­cor­ds von Strokes-Front­mann Ju­li­an Cas­ablan­cas er­schien, der auch für die Pro­duk­ti­on zu­stän­dig war. Li­ve nei­gen The Grow­lers zum Thea­tra­li­schen, was die Kon­zer­te zu ech­ten Hap­pe­nings macht. Da soll es schon mal vor­kom­men, dass Niel­son & Co. in Frau­en­klei­dung und stark ge­schminkt die Büh­ne be­tre­ten. (10.11. Strom)

Ka­li­for­ni­scher Un­der­ground: THE GROW­LERS

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