Ein­fach fest dran glau­ben!

Ku­rio­sa, Ver­zweif­lung, Ent­schlos­sen­heit

In München - - KINO -

schlech­tes­te Sän­ge­rin der Welt! Flo­rence Fos­ter Jenk­ins hat­te Geld im Über­maß, ei­nen lie­be­vol­len Gat­ten (Hugh Grant) und ei­nen tol­len Spleen: Sie hält sich für ei­ne gran­dio­se Sän­ge­rin. Und un­ter­hält die New Yor­ker Ge­sell­schaft, die sich hin­ter ih­rem Rü­cken über sie lus­tig macht, aber auf ih­re groß­zü­gi­gen mä­ze­na­ti­schen Schecks nicht ver­zich­ten mag, mit ih­ren schau­der­ba­ren Ge­s­angs­dar­bie­tun­gen. Dann aber will Flo­rence ihr Pu­bli­kum mit ei­nem Auf­tritt in der Car­ne­gie Hall be­glü­cken ... Ste­phen Fre­ars hat das an­rüh­rend ko­mi­sche Bio­pic Flo­rence Fos­ter Jenk­ins ge­dreht. Ei­neGlanz­rol­le fürMe­ryl Stre­epin derRol­le der von sich selbst be­geis­ter­ten Künst­le­rin. – Toll, dass ne­ben die­sem Spiel­film mit Ralf Ple­gers Die Flo­rence Fos­ter Jenk­ins Sto­ry ge­ra­de auch ei­ne Do­kuFic­tion im Ki­no ist, in der US-Opern­star Joy­ce DiDo­na­to (!!!) die Rol­le über­nimmt. (Ab 24.11.)

Good old Ame­ri­ca. 1950er. High­school-Foot­ball-Star Sey­mour Le­vov (Ewan McG­re­gor) hei­ra­tet, ge­gen den Wi­der­stand sei­nes Va­ters, sei­ne gro­ße Lie­be, die Ka­tho­li­kin Dawn (Jen­ni­fer Con­nel­ly), über­nimmt die Hand­schuh­fa­brik sei­nes Va­ters und zeugt Mer­ry, (Da­ko­ta Fan­ning) sei­ne heiß­ge­lieb­te Toch­ter. Die wen­det sich als Ju­gend­li­che ge­gen das Esta­blish­ment, de­mons­triert ge­gen den Viet­nam-Krieg und ver­schwin­det spur­los, als es in der Nach­bar­schaft zu ei­nem At­ten­tat kommt. Dawn gibt ih­re Toch­ter auf. Aber Sey­mour kämpft wei­ter um sie. Ewan McG­re­gors Re­gie­de­büt ist ei­ne Ver­fil­mung von Phi­lip Roths gro­ßem Ro­man Ame­ri­ka­ni­sches Idyll. Ein Fa­mi­li­en­dra­ma mit Ecken und Kan­ten, un­ver­meid­lich nicht so dicht und ana­ly­tisch wie der Ro­man, aber mit be­ein­dru­cken­den Schau­spie­ler-Leis­tun­gen – und, was Ame­ri­kas da­mals ver­lo­re­ne Un­schuld an­geht, ak­tu­el­ler denn je. (Ab 17.11.)

La­ko­ni­sches Glück – oder: Jar­musch goes Hai­ku. Pa­ter­son (Adam Dri­ver) ist Bus­fah­rer, in Pa­ter­son, New Jer­sey, ver­wan­delt sei­ne All­tags­be­ob­ach­tun­gen in Pro­sa­ge­dich­te, die sei­ne Freun­din Lau­ra (Gols­hift­eh Fa­ra­ha­ni) be­geis­tern. Die ver­schö­nert, leicht ma­nisch, wäh­rend er sei­ne Run­den durch die Kle­in­stadt dreht, die Woh­nung all­über­all mit al­ler­lei Mus­tern und bäckt Un­men­gen Cup­ca­kes, mit de­nen sie am Wo­che­n­en­de beim Floh­markt punk­ten wird. Pa­ter­son führt all­abend­lich Bull­dog­ge Mar­vin Gas­si und kehrt in sei­ner Stamm­knei­pe ein, wo das Le­ben, von klei­nen Zwi­schen­fäl­len ab­ge­se­hen, auch so da­hin­fließt. Jim Jar­muschs Pa­ter­son ist ei­ne leicht me­lan­cho­li­sche, dem Mi­ni­ma­lis­mus hul­di­gen­de Stu­die, mit schö­nen, amü­san­ten Jar­musch-ty­pi­schen Sze­nen. Und ne­ben­bei ei­ne Rie­sen-Hom­mage an Pa­ter­sons gro­ßes Vor­bild Wil­li­am Car­los Wil­li­ams, der ein fünf­bän­di­ges Ge­dicht­werk ver­fasst hat, ti­tels: „Pa­ter­son“. (Ab 17.11.)

Lehr­stück. Sprach­wis­sen­schaft­le­rin Loui­se Banks (Amy Adams) und Phy­si­ker-Kol­le­ge Ian Do­nel­ly (Je­re­my Ren­ner) sol­len den Mi­li­tärs zur Hil­fe kom­men, die sich mit den an 12 ver­schie­de­nen Stel­len auf der Er­de ge­lan­de­ten Au­ßer­ir­di­schen fürs Ers­te nicht ver­stän­di­gen kön­nen. Schwie­ri­ger Job. Denn ob die Ali­ens in fried­li­cher oder krie­ge­ri­scher Ab­sicht ge­kom­men sind, ist noch lan­ge nicht ge­klärt, als ei­ni­ge der be­trof­fe­nen Staa­ten schon mal prä­ven­tiv zur Ver­nich­tung des ver­meint­li­chen Geg­ners schrei­ten wol­len. Zu den ver­nünf­ti­gen Mi­li­tärs zählt Fo­rest Whi­ta­ker, aber auf den wol­len die an­de­ren nicht hö­ren ... De­nis Vil­le­neu­ves Ar­ri­val ist ein rich­tig gu­ter, fas­zi­nie­ren­der Sci­ence-Fic­tion-Thril­ler, der gar nicht dsys­to­pisch da­her kommt, ein gro­ßes mensch­li­ches Dra­ma ent­wirft, den Zu­schau­er zum Mit­den­ken zwingt und ihn am En­de um Ei­ni­ges klü­ger nach Hau­se schickt. Für ein paar Os­cars gut. (Ab 24.11.)

En­fant ter­ri­b­le. Egon Schie­le (Noah Sa­vee­dra) schert sich nix. Giert aber auch nach An­er­ken­nung. Und malt, we­ni­ger, um in­ne­re Dä­mo­nen zu be­sänf­ti­gen, eher aus Ge­schäfts­sinn, pro­vo­kan­te Bil­der jun­ger Frau­en, über die sich die Wie­ner ger­ne auf­re­gen. Das Bio-Pic Egon Schie­le – Tod und Mäd­chen von Die­ter Ber­ner schil­dert, aus­ge­hend von den letz­ten Ta­gen des Ma­lers, der mit nur 28 Jah­ren 1918 an der Spa­ni­schen Grip­pe starb, sei­ne Ehe mit Edith Harms (Ma­rie Jung), die en­ge Be­zie­hung zu sei­ner Schwes­ter Ger­ti (Ma­re­si Rie­gner), die ihm ge­nau­so Mo­dell stand wie sei­ne Ge­lieb­te Wal­ly Neu­zil (Va­le­rie Pach­ner) oder die Va­rie­té-Tän­ze­rin Moa (La­ris­sa Breit­bach), sei­ne künst­le­ri­sche Ent­wick­lung vom Se­zes­sio­nis­ten zum ei­ge­nen, ex­pres­si­ven Stil. (Ab 17.11., Pre­mie­re mit Darstel­lern und Re­gis­seur Do 17.11. im Ci­ty).

Über Mau­ern. 1968, die Rus­sen stop­pen den „Pra­ger Früh­ling“. Und die DDR-Po­li­zei ver­haf­tet vor­sichts­hal­ber al­le Rei­sen­den, die ge­ra­de aus der Tsche­cho­slo­wa­kei kom­men, und steckt sie in ein La­ger. Mit­ten­drin sind der jun­ge Arzt Mi­hai, sein Bru­der Emil und de­ren wi­der­spens­ti­ger Va­ter Wil­li­am. Sie kom­men aus Ru­mä­ni­en, sind auf dem Weg in ein DDR-Kran­ken­haus. Und hel­fen als sprach­kom­pe­ten­te Do­n­au­schwa­ben beim Streit­schlich­ten. Weil die Gren­zen zur CSSR dicht sind, be­kom­men sie ein Vi­sum, das ih­nen die Rück­fahrt über den Wes­ten, durch die BRD und Ös­ter­reich er­laubt. Mi­hai hat ge­ra­de die er­fri­schend lo­cke­re Su­si aus dem stu­den­ten­be­weg­ten München ken­nen­ge­lernt ... Ge­hen oder blei­ben? Per­sön­li­ches Glück oder Fa­mi­lie? Die Fra­ge stellt sich für al­le, die es un­ver­se­hens in den frei­en Wes­ten ver­schlägt. An­ca Miru­na Lăză­res­cus Rei­se mit Va­ter ist ei­ne be­we­gen­de Tra­gi­ko­mö­die aus al­ter Zeit, ba­siert auf tat­säch­li­chen Er­leb­nis­sen aus der Fa­mi­li­en­ge­schich­te. (Ab 17.11., am Do 17.11. Re­gie­ge­spräch im Neu­en Ma­xim!)

Ganz nor­ma­le Jungs. Hän­gen je­den Tag auf dem Park­platz vor dem Su­per­markt ab. Ha­ben kein Geld. Wol­len was er­le­ben. Po­li­zei und Su­per­markt­chef wol­len sie ver­trei­ben. Der 14-jäh­ri­ge Ju­li­an und der zwei Jah­re äl­te­re Mar­ko pla­nen aus Über­mut ei­nen Ein­bruch. Mit tra­gi­schen Fol­gen. Ei­ner von uns ist ein la­ko­nisch er­zähl­tes So­zi­al- und Co­m­ing-of-Age-Dra­ma des deut­schen Wahl-Wie­ners Ste­phan Rich­ter. Der ori­en­tiert sich an der ho­hen Qua­li­tät des ös­ter­rei­chi­schen Films, hat be­mer­kens­wer­te Darstel­ler, ei­nen tol­len Sound­track des Rap­pers Ma­eckes, den Op­hüls-Preis für die bes­te Re­gie be­kom­men – und kommt am So 27.11. zum Re­gie­ge­spräch in die Mu­se­um-Licht­spie­le. (Ab 24.11.)

Was bleibt? Ein 16-jäh­ri­ger Jun­ge muss aus der Haupt­stadt Reyk­ja­vik zu sei­nem leib­li­chen Va­ter aufs Land zie­hen. Schwie­ri­ge Be­zie­hun­gen: Zum Va­ter. Zu den Freun­den, ge­drängt, zu han­deln, an­statt nur zu be­ob­ach­ten. VerDie

Viel zu kurz: EI­NER VON UNS

Uner­war­tet, frei zu sein: DIE REI­SE MIT VA­TER

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.